Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt notiert am Freitag rund eine Stunde vor Mittag im Minus. Der Leitindex SMI hat nach einem leicht festeren Start schnell an Schwung verloren und ist in den roten Bereich gerutscht. Positive Vorgaben der Wall Street und teils aus Asien hätten auch in Europa und der Schweiz anfänglich für etwas höhere Kurse gesorgt, doch die Kaufstimmung sei schnell wieder abgeflaut, heisst es im Handel. Vor dem Wochenende würden wohl nach den zum Teil hohen Gewinnen gewisse Gewinne mitgenommen. Dazu komme für die Schweiz, dass international vor allem Technologiewerte im Fokus gestanden hätten und von denen gebe es hierzulande einfach nicht allzu viele.
«Grundsätzlich ist die Stimmung aber weiter nicht schlecht, auch wenn dem Anstieg langsam etwas die Puste ausgeht», meinte ein Händler. Die jüngsten Inflationsdaten aus den USA hätten die Investoren einigermassen beruhigt, so dass die Erwartungen für schnelle Zinserhöhungen in den USA ziemlich abgeflaut sind. Momentan geht der Markt mit einer Zweidrittelmehrheit von unveränderten Zinsen bei der nächsten Fed-Sitzung Mitte September aus. Noch vor kurzem gab es eine Mehrheit für Zinserhöhungen.
Am Nachmittag setzt dann neben dem US-Detailhandelsumsatz das Konsumentenvertrauen der Uni Michigan den Daten-Schlusspunkt für diese Woche. Insgesamt könnten die heutigen Daten laut einem Experten durchaus die fehlenden Puzzleteile liefern, um die Erwartungen an eine Zinserhöhung durch das Fed im September endgültig zu begraben, heisst es.
Ölpreis bleibt hoch
Derweil gab es auch keine grossen neuen Entwicklungen im Nahost-Konflikt. «Der Iran-Krieg entwickelt sich für die Börsen zusehends zu einer berechenbaren Unbekannten, von greifbaren Lösungen sind wir aber weit entfernt», kommentierte ein Börsianer. Mittelfristig könnten die Inflationsperspektiven allerdings wieder steigen und zu einer Belastung werden. Der Ölpreis ist zuletzt jedenfalls wieder gestiegen und notiert aktuell bei rund 88 US-Dollar (Brent).
Der SMI verliert um 11 Uhr 0,35 Prozent auf 14’424,38 Punkte, im Tageshoch kurz nach Handelsbeginn hatte er die Marke von 14’500 knapp überschritten. Von den 20 Titeln gibt es aktuell 12 Gewinner und acht Verlierer. Auf Wochensicht ergibt sich auf diesem Niveau ein Minus von knapp einem Prozent.
Der Mid-Cap-Index SMIM liegt derweil mit 0,30 Prozent im Minus bei 3199,29 Zählern und der breite SPI verliert 0,32 Prozent auf 20’348,77 Punkte.
SMI von Schwergewichten gebremst
Kursbewegende Unternehmensnews im SMI gibt es praktisch keine. Dass der SMI trotz mehr Gewinnern klar im Minus notiert, hat vor allem mit seinen defensiven Schwergewichten zu tun. Sowohl Roche (-1,2%) als auch Novartis (-1,1%) und Nestlé (-0,6%) verlieren alle klar. Defensiv sei aktuell einfach kein Thema, heisst es im Markt dazu. Etwas schwächer als die drei sind einzig noch Lonza (-1,5%).
Angeführt wird der Leitindex derweil von den zuletzt schwachen Partners Group (+1,9%). Bei Alcon (+1,8%) helfen derweil Kurszielerhöhungen nach den diese Woche veröffentlichten Quartalszahlen. Bei Amrize (+1,2%) gibt es zudem eine leichte Gegenbewegung auf die zuletzt äusserst schwache Performance.
Etwas spannender geht es im breiten Markt zu und her. Komax beispielsweise gewinnen weitere 9,7 Prozent, dies nach einem Plus von über 20 Prozent am Vortag nach Zahlen. Die Trendwende beim Auftragseingang werde vor allem gefeiert, heisst es im Handel. Swissquote (+1,8%) erholen sich derweil etwas vom Absturz am Vortag nach Zahlen. Kepler Cheuvreux hat das Rating auf ‚Buy‘ erhöht.
Deutlich im Plus stehen auch Temenos (+3,4%). Händlern zufolge treten Leerverkäufer hier den Rückzug an, nachdem Übernahmespekulationen den Valoren des Branchennachbarn Workday am Vorabend in New York ein Kursfeuerwerk beschert hatten.
Ein Kursfeuerwerk zaubern derweil VZ (+9,8%) nach Zahlen hin. Diese seien auf allen Ebenen über den Erwartungen ausgefallen, ausserdem habe sich das Management auch für das zweite Halbjahr optimistisch gezeigt. Mobilezone (+1,0%) können nach Zahlen immerhin leicht zulegen.
Grössere Abgaben gibt es bei Kuros (-5,6%) und Gurit (-5,0%). (awp/mc/pg)
