Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt entwickelt sich am Mittwoch etwas schwächer. Die Berichtssaison befindet sich mittlerweile in voller Fahrt und kann nicht immer überzeugen. Gerade aber mit Blick auf die hochbewertete KI-Branche ist es schwer, die Erwartungen zu erfüllen. «Und selbst wenn sie übertroffen werden, ist der Markt nicht immer zufrieden», fasst ein Händler die allgemeine Stimmung zusammen. An der Wall Street breitete sich zudem die Sorge aus, dass Softwareanbieter durch den KI-Einfluss ihrer Existenzberechtigung beraubt würden.
Neben den heimischen Bluechips Novartis und UBS ist auch international der Unternehmenskalender mehr als gut gefüllt. Besonders aus den USA legen zahlreiche Firmen diverser Branchen Ergebnisse vor, nachbörslich mit der Google-Mutter Alphabet auch einer der «Magnificent 7». Und auch ein Blick auf den Konjunkturkalender dürfte sich lohnen. Da der offizielle US-Arbeitsmarktbericht trotz Ende des Shutdowns nicht wie geplant am Freitag veröffentlicht wird, dürfte den Daten des privaten Anbieters ADP besondere Beachtung zukommen. Und auch der ISM-Serviceindex sollte auf Interesse stossen.
Der SMI fällt um 10.50 Uhr um 0,33 Prozent ins Minus auf 13’328,43 Punkte. Der 30 Titel umfassende SLI gibt um 0,36 Prozent auf 2133,16 Zähler nach und der breite SPI verliert 0,27 Prozent auf 18’376,13 Zähler. Im SLI sind dennoch die Gewinner leicht in der Überzahl.
Weder bei UBS (-4,8%) noch bei Novartis (-2,4%) sorgen die Jahreszahlen für Kursgewinne. Dabei hat die Grossbank durchaus die Schätzungen klar übertroffen. Allerdings belastet die anhaltende Kapitaldiskussion die Stimmung. «Was UBS kontrollieren kann (z. B. das operative Geschäft), entwickelt sich weiterhin sehr gut. Was ausserhalb ihrer Kontrolle liegt (z. B. die Regulierung), bleibt ungewiss», fasst es Vontobel in einem Kommentar zusammen.
Beim Pharmaschwergewicht ist der Kursrückgang hingegen durchaus hausgemacht. Denn Novartis bekam die Konkurrenz durch Generika zu spüren und schlägt beim Ausblick zudem ungewohnt vorsichtige Töne an. Dies wird auch von vielen Analysten bemängelt. Viele befürchten einen zunehmenden Margendruck durch die Generika-Erosion bei wichtigen Produkten. Konkurrent Roche (GS +0,5%) halten sich indes im Plus.
Stark unter Druck kommen zudem Holcim (-5,0%). Händler verwiesen auf einen Pressebericht, wonach die EU kostenlose CO2-Zertifikate verlängern wolle. Holcim hatte zuletzt bereits viel in «grünen» Beton investiert.
Die Aktien der Zurich (+2,1%) legen zu. Der Versicherungskonzern hat kurz vor Börsenstart das Angebot für den britischen Spezialversicherer Beazley angehoben. Analysten bewerten den geplanten Ausbau in diesem Bereich grundsätzlich positiv. Zudem gab es wohl einige Sorgen, dass die Preisanpassung noch deutlicher ausfallen könne.
Generell sind Versicherer gefragt – so gewinnen auch Swiss Re (+3,2%) oder Swiss Life (+1,6%) hinzu. Aber auch andere eher defensive Titel wie Swisscom (+2,1%) oder Givaudan (+2,7%) entziehen sich dem negativen Gesamtmarkt. «Da Gold mittlerweile fast auch als sicherer Hafen wegfällt und zu spekulativ geworden ist, besinnen sich Anleger auf andere Werte», so ein Börsianer.
In der zweiten Reihe schnellen AMS Osram (+9,6%) nach oben. Der am Vorabend angekündigte Verkauf des nicht-optischen Sensorgeschäfts an Infineon wird von den Analysten begrüsst, gleichzeitig wird allerdings die strategische Neuausrichtung zurückhaltend kommentiert.
Clariant (+7,9%) legen ebenfalls kräftig zu. Als Auslöser gilt der nun unter Dach und Fach gebrachte Kauf des niederländischen Unternehmens Stahl Holdings durch Henkel. Denn Clariant ist mit knapp 15 Prozent an Stahl Holdings beteiligt.
Von einer Studie profitieren die zuletzt durch Gewinnwarnungen eher negativ aufgefallenen Cicor (+5,4%). Die UBS empfiehlt die Titel der Elektronikgruppe neu zum Kauf. Hingegen verlieren EFG (-4,1%) nach einer Abstufung der Analysten aus dem gleichem Haus deutlich an Wert. (awp/mc/pg)
