Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt spielt am Mittwoch seine defensiven Vorzüge aus und stemmt sich gegen die negativen Vorgaben aus den USA und Asien. Dort war es insbesondere im heiss gelaufenen Halbleitersektor zu Gewinnmitnahmen gekommen. Denn die anstehenden Rekord-Börsengänge, insbesondere SpaceX am Freitag, aufgrund der wahrscheinlichen Kapitalrotation werfen bereits ihre Schatten voraus. Auch die anhaltende Unsicherheit rund um den Iran-Krieg sorgt für insgesamt vorsichtig agierende Anleger.
Am Nachmittag rücken dann die US-Inflationsdaten für Mai und deren Auswirkungen auf die Zinserwartungen in den Blick. «Die Nerven sind angespannt», berichten Händler. Denn sollte die Teuerung unerwartet stark angestiegen sein, dürfte die Wahrscheinlichkeit für höhere Zinsen in den USA nochmals steigen. Und das dürfte gerade mit Blick auf den immensen Kapitalbedarf des KI-Sektors für wenig Begeisterung sorgen. «Wichtig ist hier, eher auf die Preistendenz als die reinen Zahlen zu achten», merkt ein Börsianer an.
Schwergewichte und Defensive stützen SMI
Der Swiss Market Index (SMI) gewinnt gegen 10.50 Uhr 0,31 Prozent auf 13’395,20 Punkte hinzu. Die Gewinner sind nach wie vor in der Überzahl. Der SMIM der mittelgrossen Werte liegt hingegen mit 0,03 Prozent auf 2991,19 Punkten knapp im Minus, während der breite SPI um 0,21 Prozent auf 18’922,35 Punkte zulegt.
Angeführt wird das Kurstableau von Amrize (+1,5%). Händler verweisen einerseits auf positive US-Branchenvorgaben nach überraschend starken Daten vom Immobilienmarkt am Vortag. Zudem habe ein US-Broker die Titel hochgestuft.
Gut gestützt wird der SMI aber auch und insbesondere von den drei Schwergewichten Nestlé (+1,3%), Roche (+1,1%) und mit etwas Abstand Novartis (+0,4%). Mit Swisscom (+1,0%) oder Zurich (+0,7%) und Swiss Re (+0,6%) aus dem Versicherungssektor liegen weitere defensive Titel vorn.
Am Indexende zeigen sich UBS (-1,7%), ABB (-1,2%) und Logitech (-1,1%). Bei Givaudan (-0,4%) wird ein kleiner Teil der hohen Vortagesgewinne versilbert, nachdem die Titel dank positiver Analystenkommentare mehr als 7 Prozent zugelegt hatten.
Centiel im Höhenrausch
Trotz der jüngsten Tech-Schwäche in den USA legen hierzulande VAT, Inficon und Comet dank einer positiven Studie der UBS um bis zu 1,9 Prozent zu. Die Experten erhöhen ihre Prognosen für die Investitionen der Chipindustrie in Produktionsanlagen deutlich und davon dürften diese drei Zulieferer profitieren.
Bei Sonova (-0,6%) kommt es zu leichten Verlusten. Händler verweisen auf die jüngsten Daten zu den Verkäufen an das US-amerikanische Department of Veterans Affairs (VA). Hier hat der Hörgerätehersteller offenbar Marktanteile verloren.
Massiv nach oben geht es derweil für Centiel (+23,5%). Die Tessiner Technologiefirma hat einen Vertriebspartner für den US-Datacenter-Markt gefunden und damit die Analystengemeinde positiv überrascht. Mittelfristig erwartet Centiel ein Geschäftsvolumen im niedrigen dreistelligen Millionenbereich. (awp/mc/pg)
