CH-Schluss: SMI schliesst nur knapp über Tagestief

Boerse

(Adobe Stock)

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Montag nach der starken Vorwoche den Rückwärtsgang eingelegt und deutlich tiefer geschlossen. Die Anleger hielten sich im aktuellen Umfeld zurück, hiess es in Börsenkreisen. Grund dafür sind die diese Woche anstehenden Notenbank-Entscheide, vor denen man in Deckung gehe. Nach der Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) am vergangenen Donnerstag entscheiden unter anderen am Mittwochabend die US-Notenbank Fed und am Donnerstag die Schweizerische Nationalbank (SNB), ob sie den Leitzins erneut anheben.

Zumindest für die Schweiz gehen Experten stark davon aus. Weniger klar ist es beim Fed. Nach den jüngsten Inflationsdaten brauche dieses mehr Zeit, um die aktuellen Implikationen der Zinserhöhungen einschätzen zu können, kommentierte ein Börsenexperte. «Die grosse Frage ist dabei nicht, ob sie noch einmal die Zinsen erhöhen wird, sondern wie lange die Zinsen dort bleiben, wo sie jetzt sind», schrieb er. Es bestehe durchaus die Möglichkeit, «dass die meisten grossen Zentralbanken bis zum Ende dieser Woche ihren Straffungszyklus beendet haben», kommentiert ein anderer. Klare Aussagen über die Zukunft dürften jedoch – wie immer – Mangelware sein.

Der SMI schloss 0,96 Prozent tiefer bei 11’090,61 Punkten. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, verlor 1,31 Prozent auf 1738,56 und der breite SPI 0,95 Prozent auf 14’537,69 Zähler. 21 der 30 SLI-Werte gingen tiefer aus dem Handel, neun legten zu.

Am Berichtstag stand vor allem ein Titel im Fokus der Aufmerksamkeit: Lonza. Die Aktien des Pharmazulieferers gaben am Ende um 15 Prozent nach rutschten bei 424,30 Franken auf ein neues Mehrjahrestief ab. Zuletzt waren sie im Frühling 2020 so tief gehandelt worden. Der abrupte Abgang von Konzernchef Ruffieux kommt bei Beobachtern nicht gut an. In Börsenkreisen wurde vermutet, sein Abgang sei nicht freiwillig gewesen. Die Ende Juli gekappten Jahres- und Mittelfristziele könnten verantwortlich gewesen sein, wurde gemutmasst.

Lonza hat innerhalb von weniger als fünf Jahren den dritten Chef-Abgang zu verzeichnen. Dass nun VRP Baehny bereits zum zweiten Mal seit 2019 das Zepter übernimmt, wird vom Markt unterschiedlich bewertet. Einige verweisen darauf, dass er im Zeitraum von November 2019 bis Ende Oktober 2020 als Interims-Chef gute Arbeit geleistet habe. Andere finden, dass so häufige Wechsel bei einem so gut aufgestellten Unternehmen äusserst verwunderlich seien und auch auf ihn als Präsident ein schlechtes Licht werfen.

Im Sog von Lonza gaben im breiten Markt auch die Aktien der Mitbewerber Bachem (-4,2%) und Siegfried (-3,0%) nach.

Eine ganze Reihe von Titeln litt nach der starken Vorwoche unter Gewinnmitnahmen, darunter etwa die Wachstumswerte Sonova (-2,4%), Straumann (-1,8%) oder Alcon (-1,8%). Sie hatten vergangene Woche stark von Hoffnungen auf ein Ende der Zinserhöhungen profitiert. In die gleiche Sparte gehört auch der SLI-Neuling SIG mit einer Einbusse von 1,1 Prozent. Die Aktien hatten letzte Woche noch um 3,6 Prozent zugelegt.

Auch verschiedene Finanz- und Versicherungswerte wie Julius Bär (-1,8%), Swiss Life (-1,7%), Swiss Re (-0,4%) wurden nach einem guten Freitag nun wieder aus den Portfolios geworfen. Zwei Ausnahmen hiervon waren UBS, die kurz vor Börsenschluss noch ins Plus drehten (+0,04%) und Zurich (+0,1%).

Die Luxusgüteraktien von Swatch (-1,7%) und Richemont (-1,5%) litten ebenfalls unter Gewinnmitnahmen. Bauzulieferer wie Sika, Geberit und Holcim verloren zwischen 1,6 und 0,7 Prozent, was Händler unter anderem mit den angeschlagenen Immobilienmärkten, insbesondere in Europa oder China, begründeten. Anders verhielt es sich bei Schindler, die um 0,2 Prozent zulegen konnten, was auf einen positiven Kommentar von Barclays zurückzuführen sein dürfte.

Dass der SMI nicht noch tiefer im Minus stand, verdankte er unter anderem den Schwergewicht Nestlé, das mit einem Plus von 0,3 Prozent ein Gegengewicht bot zum Gesamtmarkt. Ebenfalls unter den Gewinnern waren ABB, Kühne + Nagel, Adecco, Logitech und Swisscom zu finden mit Gewinnen zwischen 0,8 und 0,2 Prozent.

Am breiten Markt holten Swiss Steel, die nach einer Gewinnwarnung zwischenzeitlich fast 10 Prozent verloren, die Verluste wieder auf und schlossen unverändert. Der Messebetreiber MCH Group rückte um 9,0 Prozent vor. Händler sprachen von Anschlusskäufen nach positiven Aussagen der Geschäftsführung an der Aktionärsmesse Investora, die letzte Woche stattfand. (awp/mc/pg)

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