Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt steht am späten Freitagvormittag knapp im Minus. Nach dem neuen Rekordhoch vom Vortag bei knapp über 14’400 Punkten geht dem Markt vor dem Wochenende nach einer noch freundlichen Eröffnung der Schnauf etwas aus. Die tags zuvor vorgelegten US-Arbeitsmarktdaten hätten die Sorgen vor einer Beschleunigung der Inflation auf der Lohnseite eingedämmt und zugleich einen robusten Arbeitsmarkt aufgezeigt, heisst es in Marktkreisen. Für die Onlinebank Swissquote haben die schwächer als erwartet ausgefallenen Daten den positiven Nebeneffekt, dass die Wahrscheinlichkeit für eine baldige Zinserhöhung gesunken ist, wie sie in einer Einschätzung schreibt. Derzeit werde aber dennoch mit einer gut 50 prozentigen Wahrscheinlichkeit bis zum Jahresende eine Zinserhöhung eingepreist.
Impulse aus den USA werden am Berichtstag ausbleiben, denn die Wall Street ist wegen des morgigen Unabhängigkeitstages und der anstehenden Feierlichkeiten zum 250jährigen Bestehen der USA geschlossen. Auch die Agenda ist stark ausgedünnt und von der Konjunktur stehen ebenfalls keine marktbewegenden Daten an.
Charttechnik sieht weiteres Potential für SMI
Der Leitindex SMI steht gegen 11.00 Uhr 0,17 Prozent tiefer bei 14’328,21 Punkten. Dabei notieren je die Hälfte der 20 SMI-Aktien im Minus und im Plus. Der Mid-Cap-Index SMIM verliert 0,34 Prozent auf 3170,79 Punkte und der SPI 0,13 Prozent auf 20’172,4 Punkte.
Aus charttechnischer Sicht sei für den SMI auf der Oberseite viel Spielraum, heisst es von Experten. Allerdings befindet sich der Markt derzeit in einer überkauften Phase. Entsprechend sei Vorsicht geboten, ob der Kursanstieg nachhaltig verteidigt werden könne.
Ölpreis bleibt trotz leichtem Anstieg auf tiefem Niveau
Der Ölpreis verbleibt auf tiefem Niveau, hat sich aber im Vergleich zum Vortag auf über 71 Dollar je Fass der Sorte Brent wieder leicht verteuert. Irans Streitkräfte haben kurz vor Beginn der Trauerfeiern für den getöteten obersten Führer am Samstag ihre Feinde vor Angriffen gewarnt.
Belastend für den Gesamtmarkt sind derzeit die Verluste der am Vortag noch gut gelaufenen Schwergewichte Roche (-1,0%) am Tabellenende, Nestlé (-0,6%) und Novartis (-0,3%).
Die Aktien von Holcim (+1,3%) befinden sich nach der schwachen Vorwoche und dem negativen Start in die laufende wieder auf Erholungskurs. Unterstützung findet das Papier in zwei positiven Kommentaren von Analysten im Vorfeld der Präsentation der Halbjahreszahlen von Ende Juli.
Ähnlich stark wie Holcim zeigen sich noch ABB (+1,2%). RBC hat das Kursziel für den Industriekonzern erhöht und sorgt damit für weiteren Rückenwind. Seit Jahresbeginn verbuchen die Titel mittlerweile ein Kursplus von fast 50 Prozent für sich. Sie befinden sich nur unwesentlich unter dem Allzeithoch bei 89,14 Franken
Gut gesucht sind weiter Kühne+Nagel (+0,9%) oder innerhalb des SLI VAT (+1,0%) oder Julius Bär (+1,2%). Letztere übertreffen damit das Rekordhoch vom Vortag noch einmal. Dass die Zürcher Bank mit Peter Burrill einen würdigen Nachfolger für die zurücktretende Finanzchefin Evie Kostakis präsentieren kann, kommt in hiesigen Börsenkreisen gut an.
In der zweiten Reihe knüpfen AMS Osram (+8,1%) dank KI-Fantasie an ihre massiven Vortagesgewinne (+13%) an. (awp/mc/pg)
