Zürich – Eine Mischung aus schwelenden Nahostrisiken sowie zunehmend kritisch hinterfragten KI-Bewertungen halten die Finanzmärkten zum Wochenstart gefangen und lassen eine klare Orientierung vermissen. «Schaukelbörse» nennt es ein Händler. Tatsächlich bewegt sich der SMI in einer engen Spanne um seinen Schlusskurs von Freitag.
Gleichzeitig spricht die eher verhaltene Reaktion auf die Entwicklungen im Iran-Konflikt vom Wochenende dafür, dass die Finanzmärkte gegen geopolitische Schocks zunehmend immun scheinen. Denn obwohl die Waffenruhe im Iran-Konflikt am Wochenende durch neue, gegenseitige Angriffe gebrochen wurde, bleibe die grosse Panik aus, heisst es am Markt. Die Tatsache, dass schon für den morgigen Dienstag neue Verhandlungen angesetzt sind, werde als rettender Anker gesehen, der den Verkaufsdruck sofort im Keim ersticke.
Der Leitindex SMI weist gegen 11.05 Uhr ein Minus von 0,28 Prozent auf 14’133,50 Punkte auf. Die Verlierer sind dabei mit 16 klar in der Überzahl. Am Donnerstag hat der SMI bei 14’267 Punkten noch ein Rekordhoch markiert. Der Mid-Cap-Index SMIM ist zur Berichtszeit mit -0,03 Prozent kaum verändert bei 3143,41 Punkten, und der SPI verliert 0,22 Prozent auf 19’910,94 Zähler.
Handel dünnt sich aus
Die durch den Feiertag in den USA verkürzte Handelswoche hält zwar viele spannende Konjunkturdaten bereit. «Dennoch dürfte sich mit dem Beginn der Ferienzeit das Handelsvolumen ausdünnen und es zu einer erkennbar nachlassenden Volatilität an den Finanzmärkten kommen», prognostiziert ein Händler.
Im SMI halten sich die Ausschläge in Grenzen. So geben mit Sika, Holcim, Amrize und Geberit vor allem baunahe Werte nach. Sie fallen zwischen 0,8 und 1,7 Prozent. Auch in Europa zählen Branchenvertreter zu den grösseren Verlieren. Händler sprechen von einer weiteren Konsolidierung.
Schwergewichte uneinheitlich
Im Verliererfeld ist auch das Schwergewicht Novartis (-0,9%) zu finden. Roche (-0,1%) und Nestlé (+0,1%) halten sich besser als der SMI. Der Pharmakonzern Roche hat am Morgen die Lancierung seiner neuen Sequenzierungs-Plattform Axelios 1 angekündigt. Beim Nahrungsmittelriesen mehren sich unterdessen im Vorfeld die Kommentare zu den bevorstehenden Quartalszahlen.
Gesucht sind zum Wochenstart im breiteren Markt auch die Aktien von Sandoz (+1,1%). Die Generikaspezialistin will im Markt der neuartigen GLP-1-Mittel mitmischen und hat einen entsprechenden Zulassungsantrag für eine generische Variante des Wirkstoffs von Eli Lilly bei der FDA eingereicht. Analysten sehen dies als ermutigenden Schritt.
Beim fusionierten Versicherer Helvetia Baloise (-0,5%) sollen derweil zwischen 1400 und 1800 Stellen wegfallen – alleine 1000 bis 1200 Stellen in der Schweiz bis Ende 2028.
In den hinteren Reihen sorgten noch Stadler Rail (+0,5%) mit einem erfolgreichen Auftrag und PSP Swiss Property (-0,6%) mit dem Verkauf des Richtiparks in Wallisellen für Nachrichtenaufkommen.
Die grösseren Ausschläge etwa bei AMS Osram (+2,4%) oder auch Oerlikon (+1,8%) sowie beim Flughafen Zürich (-1,7%) sind hingegen auf Analystenkommentare zurückzuführen. (awp/mc/ps)
