CH-Schluss: Konjunktur-Optimismus lenkt von Corona ab

Boerse

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat einen sehr freundlichen Wochenstart erwischt. Konjunkturoptimismus lenkte die Aufmerksamkeit der Anleger von der steigenden Zahl der Corona-Infektionen in den USA ab. Beobachter verwiesen besonders auf die in jüngster Zeit wieder merklich besseren chinesischen Wirtschaftsdaten.

Auch an der Wall Street starteten die Börsen nach dem langen Feiertagswochenende positiv in den Montagshandel. In den USA hatte sich der Markit-Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor im Juni in zweiter Lesung mit 47,9 Punkte weiter verbessert. Bei der ersten Veröffentlichung lag er noch bei 46,7. Auch der ISM-Service-Index stieg im Juni kräftig und schwenkte wieder auf Wachstumskurs.

Der SMI gewann am Montag 1,26 Prozent auf 10’253,38 Punkte. Der SLI, in dem die 30 wichtigsten Aktien enthalten sind, stieg um 1,46 Prozent auf 1’545,60 und der breite SPI um 1,23 Prozent auf 12’675,82 Zähler. Bei den 30 SLI-Titeln standen 29 Gewinner einem Verlierer gegenüber.

Die Berichtssaison nahm am Montag langsam Fahrt auf. So hat der Hörgerätehersteller Sonova von April bis Juni zwar einen klar tieferen Umsatz erwirtschaftet. Gegenüber dem Tiefstand vom April hatte sich das Geschäft aber schon wieder deutlich erholt. In der Folge führten Sonova-Aktien mit +5,4 Prozent die Gewinnerliste an.

Weniger Erfolg war dem Sanitärtechnikkonzern Geberit beschieden. Dessen Papiere schlossen nach ersten Angaben zum zweiten Quartal «nur» 0,7 Prozent höher. Geberit ist im zweiten Quartal nach einem soliden ersten Jahresviertel vom Coronavirus wie erwartet voll ausgebremst worden. Zudem warnte der Konzernchef an einer Analystenkonferenz von etwas hohen Lagerbeständen im Grosshandel. Diese könnten im dritten Quartal die Absatzentwicklung etwas drücken, verlautete aus dem Handel.

Freundlich entwickelten sich die Bankaktien: Credit Suisse gewannen 2,4 Prozent, Julius Bär 1,8 Prozent und UBS 2,0 Prozent. «Anleger setzten auf einen schnellen Konjunkturaufschwung», erklärten Händler. Zudem setze der Markt auf eine weitere Konsolidierungsrunde in der Branche.

Mit Aufschlägen zwischen 1,1 und 1,8 Prozent wurden auch die Papiere der Versicherer Swiss Life, Swiss Re und Zurich gut nachgefragt.

Konjunkturhoffnungen trieben auch Zykliker wie AMS (+4,0%), Temenos (+3,8%), ABB (+2,3%), Logitech (+2,2%) oder Sika (+2,0%). Auch den beiden Uhrenherstellern Swatch (+1,1%) und Richemont (+1,5%) kamen die Hoffnungen auf eine starke Erholung in Asien zugute. Beide Unternehmen erwirtschaften einen wichtigen Teil ihrer Umsätze mit asiatischen Kunden.

Die Schwergewichte Nestlé (+0,8%) und Roche (+1,1%) hielten sich derweil kursmässig etwas zurück, während Novartis um deutlichere 1,3 Prozent vorrückten. Hier wirkte die Einigung mit den US-Behörden im Bestechungsskandal noch positiv nach, hiess es von Händlerseite.

Mit dem Markt entwickelten sich Lonza (+1,4%). Beim diesjährigen Shooting-Star unter den Blue Chips steht nun seit Jahresbeginn ein Kursplus von 46 Prozent zu Buche.

Das hohe Minus von 12,6 Prozent oder 2,53 Franken bei Clariant war indes nur optischer Natur. Die Titel wurden am Berichtstag ohne die zur Auszahlung kommende Sonderdividende von 3 Franken gehandelt.

Im breiten Markt schlossen Idorsia 2,8 Prozent höher. Beim Biotechunternehmen laufen nach guten Studiendaten mit einem Schlafmittel nun die Vorbereitungen für eine mögliche künftige Zulassung.

Die Papiere der Online-Apotheke Zur Rose (unv.) wurden laut Händlern von Umschichtungen in Richtung Shop Apotheke belastet. Der Rivale hatte einen Quartalsumsatz deutlich über den Erwartungen ausgewiesen. Um es zu relativieren: Zur Rose haben in diesem Jahr um bisher 167 Prozent zugelegt. (awp/mc/pg)

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