Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt ist mit Verlusten in die neue Woche gestartet. Für Unsicherheit sorgte vor allem die Eskalationsspirale im Nahen Osten. Auch defensive Titel konnten sich dem Abwärtssog nicht entziehen, was den Schweizer Leitindex SMI belastete.
Mit dem weiterhin ungelösten Irankrieg könne sich das Pulverfass Nahost jederzeit wieder entzünden, hielt ein Marktbeobachter fest. Dies schüre Inflationsängste. Die zunehmenden Angriffe deuteten darauf hin, dass sich der Konflikt sowohl in seinem Ausmass als auch in seiner Dauer ausweiten könnte, hiess es im Handel weiter. Angriffe auf die Ölinfrastruktur könnten zudem die Ölpreise weiter hochtreiben.
Der Leitindex SMI schloss um 0,62 Prozent tiefer auf 14’254,36 Punkten. Im Handelsverlauf pendelte der SMI zwischen 14’222 und 14’341 Punkten. Von 20 Titeln gaben 16 nach, während vier dazugewannen. Der Mid-Cap-Index SMIM der mittelgrossen Werte büsste 0,53 Prozent auf 3113,10 Punkte ein und der SPI 0,61 Prozent auf 20’033,11 Zähler.
Andere europäische Indizes wie der deutsche Dax und der französische CAC schlossen leicht über der Nulllinie. An der Wall Street notierte der Dow Jones am Abend tiefer, während die techlastige Nasdaq sich von den Verlusten der Vorwoche etwas erholte.
Der Preis für ein Fass der Rohölsorte Brent pendelte sich zum Wochenstart bei rund 88 US-Dollar und damit auf hohem Niveau ein. Zur Erinnerung: Anfang Monat war der Preis noch bis auf rund 70 Dollar gesunken und damit unter Vorkriegsniveau. Mit den jüngsten Angriffen verpufften die Hoffnungen auf eine baldige Öffnung der Strasse von Hormus allerdings wieder.
Diverse Branchenvertreter unter Druck
Unter den Blue Chips verloren Titel aus verschiedenen Branchen an Wert. So waren etwa Bauwerte wie Amrize (-2,8%), Sika (-1,9%) und Geberit (-1,0%) unter Druck. Beim Bauchemiehersteller Sika verschärfte die EU-Kommission ein Kartellverfahren wegen mutmasslicher Preisabsprachen in der Branche während der Coronapandemie und dem Ukrainekrieg.
Grössere Abgaben verzeichneten aber auch die Versicherer Swiss Re (-2,1%), Swiss Life (-1,1%) und Zurich (-0,7%). Händler verwiesen auf deutlich gestiegene Renditen für US-Staatsanleihen.
Von den Schwergewichten belasteten die Pharmariesen Novartis (-1,5%) und Roche (-0,8%) den Gesamtmarkt, während sich Nestlé (+0,2%) besser schlugen. Alle drei Unternehmen werden diese Woche über ihre Halbjahreszahlen berichten.
Zu den Verlierern zählten auch die Finanzwerte UBS (-1,2%) und Partners Group (-1,1%), während sich Julius Bär (+0,6%) im Vorfeld der morgigen Zahlen gut hielten.
ABB und Richemont gegen den Trend im Plus
Zu den wenigen Gewinnern im SMI gehörten derweil Richemont (+1,3%) und ABB (+0,1%). Der Luxusgüterkonzern hatte letzte Woche über sehr starke Verkäufe im vergangenen Quartal berichtet, während ABB nach Zahlen und dem Vermelden einer teuren Akquisition gut 5 Prozent eingebüsst hatten.
Im breiten Markt gaben Belimo (-2,4%) nach Veröffentlichung der Halbjahreszahlen nach. Laut Analysten warf der Ausblick Fragen auf, ob Belimo nach dem starken Abschneiden nicht zu tief staple.
Polypeptide sprangen hingegen um 4,8 Prozent hoch, nachdem die Peptidherstellerin ein Übernahmeangebot von Samsung Biologics erhalten hatte. Bachem (-1,3%) gaben in der Folge nach. Der Schweizer Branchenführer würde damit einen weiteren finanzkräftigen Konkurrenten erhalten.
Clariant (-6,4%) brachen derweil nach einer Schadenersatzklage von Dow Europe im Zusammenhang mit einem Wettbewerbsverstoss bei Ethylen-Preisabsprachen sowie einer Abstufung durch Morgan Stanley ein. (awp/mc/ps)
