CH-Schluss: Starke Verluste wegen Krim-Krise

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat am Montag mit dem zweitgrössten Tagesverlust des Jahres geschlossen. Der Leitindex SMI eröffnete schon gut 100 Punkte unter dem Schlusskurs vom letzten Freitag und gab dann im Tagesverlauf weitere knapp 100 Punkte nach. In der Krim-Krise, die für die Kursschwäche verantwortlich war, zeichnete sich keine Entspannung ab. Im Gegenteil schreckten im Tagesverlauf neue Nachrichten die Anleger auf. In diesem Umfeld versuchten Investoren, sich von riskanteren Anlagen wie Aktien zu trennen und in als sicherer geltende Investments umzuschichten, hiess es in Marktkreisen. So erreichte der Goldpreis am Montagvormittag den höchsten Stand seit vier Monaten.

Wegen der Krise in der Ukraine rückten die neusten positiven Konjunkturdaten aus den USA in den Hintergrund. Die Januar-Konsumausgaben und -Einnahmen der privaten Haushalte sowie die Januar-Bauausgaben stiegen stärker an als erwartet. Das gleiche galt für den neusten ISM-Einkaufsmanagerindex für die US-Industrie. Auch die Worte von EZB-Chef Mario Draghi, wonach die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen der Ukraine-Krise auf die Wirtschaft des Euroraums bislang begrenzt seien, konnten die Anleger nicht beruhigen.

Der Swiss Market Index (SMI) verlor 2,29% auf 8’281,01 Punkte. Der gekappte Swiss Leader Index (SLI) büsste 2,19% auf 1’271,68 Punkte ein und der breite Swiss Performance Index (SPI) 2,25% auf 7’976,79 Punkte und damit unter die 8’000-Zähler-Marke. Von den 30 wichtigsten Titeln schlossen nur jene von Syngenta nach positiven Produktnachrichten im Plus.

Die Krise in der Ukraine wirkte sich unterschiedlich auf die Titel im SMI/SLI aus. Die grössten Verluste verbuchten Actelion (-4,8%). Angesichts der Unsicherheit würden Anleger nun ihre Gewinne einstreichen, hiess es in Marktkreisen. Vor allem Fondsmanager wollten die Titel loswerden. Die Aktien hatten seit Jahresbeginn mit einem Plus von knapp 24% übermässig von der Hausse profitiert.

Zu den grossen Verlierern gehörten auch die Finanzwerte, allen voran UBS (-3,9%) und Julius Bär (-2,7%). Aber auch die Credit-Suisse-Valoren gaben um 1,8% nach. Käme es tatsächlich zu einem Krieg in der Ukraine, würden vor allem Banken massive Kreditausfälle verzeichnen, meinten Händler. Überdurchschnittlich im Minus schlossen auch die Sonova-Valoren (-4,0%) sowie die konjunktursensiblen Adecco-Aktien (-3,1%).

Zusätzlich zur Krim-Krise belasteten schlechte Nachrichten einige Titel. Tiefrot notierten die schwergewichtigen Roche-Genussscheine (-4,6%). Die Basler stoppten eine Studie zu einem Wirkstoff (Onartuzumab) zur Behandlung einer bestimmten Form von Lungenkrebs. Bei Marktbeobachtern kam die Frage auf, ob dies das generelle Aus für den Wirkstoff bedeute. Dem Medikament wurde ein Umsatzpotential von bis zu 800 Mio USD zugesprochen. Zum Minus des Schweizer Aktienmarkts trugen auch die beiden anderen Index-Schwergewichte Novartis (-2,0%) und Nestlé (-1,2%) bei, auch wenn sie ihrem defensiven Ruf entsprachen und weniger stark als der Gesamtmarkt nachgaben.

Nach der Zahlenvorlage zum vergangenen Geschäftsjahr büssten auch die Aktien des Logistikkonzerns Kühne+Nagel (-3,1%) deutlich an Wert ein. Insgesamt habe die Gruppe in den wichtigsten Bereichen See- und Luftfracht mit dem Druck auf die Margen zu kämpfen. Gleichzeitig falle der Ausblick vorsichtig aus, und die Sonderdividende löse keine Begeisterungsstürme aus, kommentierten Analysten. Immerhin konnte die Firmenleitung versichern, dass sie von der Krim-Krise wohl nur am Rande tangiert sein werde.

Als einzige Blue-Chips-Aktie konnte Syngenta (+2,2%) sich den ganzen Tag über im Plus halten. Der Agrochemiekonzern meldete am Morgen die Zulassung für das Blattfungizid Elatus im Schlüsselmarkt Brasilien. Mit der Zulassung dürfte Elatus bereits in diesem Jahr einen Umsatz von 200 Mio USD generieren und rund 1,5% zum Gesamtumsatzwachstum beitragen, meinten Analysten.

Am breiten Markt konnten ebenfalls nur wenige Titel zulegen, darunter Coltene (+1,7%) nach Anschlusskäufen und DKSH (+0,9%). Auch im breiten Markt standen jedoch die allermeisten Valoren am Schluss des Handelstages im Minus, besonders deutlich Basilea (-6,0%), Autoneum (-5,4%) und Inficon(-5,1%). (awp/mc/upd/ps)

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