CH-Schluss: Deutliches Plus

Zürich – Der Schweizer Aktienmarkt hat den Handel am Freitag mit deutlichen Aufschlägen beschlossen und konnte auch im Wochenvergleich Boden gutmachen. Nach einem negativen Handelsstart setzte eine Erholungsbewegung ein, die sich mit der Veröffentlichung von Konjunkturdaten in den USA am Nachmittag noch deutlich verstärkte. Insbesondere der höher als erwartete Anstieg der Beschäftigtenzahl ausserhalb der Landwirtschaft sorgte für Schwung.

Das US-Arbeitsministerium korrigierte zudem die Daten für die Monate Dezember und November nach oben und auch die durchschnittlichen Stundenlöhne stiegen. Die Arbeitslosenquote ging im Januar überraschend zurück. Analysten werteten auch den Anstieg der Wochenstundenzahl positiv. Dies deute auf eine steigende Industrieproduktion hin. Auch der ISM-Einkaufsmanagerindex stieg deutlich stärker als erwartet, während die Auftragseingänge geringer zulegten als prognostiziert.

Der Swiss Market Index (SMI) schloss 1,47% höher mit 6’153,31 Punkten. Im Vergleich zur Vorwoche gewann der Leitindex 1,99%. Der 30 Titel umfassende, gekappte Swiss Leader Index (SLI) gewann am Freitag 1,60% auf 944,61 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,43% auf 5’579,91 Zähler.

Nach anfänglichen Abgaben konnten sich insbesondere die Kurse der Finanzwerte im Tagesverlauf verbessern. Am Schluss standen die Aktien der Grossbanken UBS (+3,5%) und Credit Suisse (+2,7%) weit oben auf der Gewinnerliste. Beide Institute werden in der kommenden Woche ihre Jahreszahlen vorlegen. Für Gesprächsstoff sorgte in der Branche die Klage des US-Justiz gegen die Bank Wegelin wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Die Amerikaner würden ihre Gangart anscheinend verschärfen, sagten Börsianer.

Die beiden Schweizer Grossbanken sind auch ins Visier der hiesigen Behörden geraten: Die Wettbewerbskommission hat eine Untersuchung gegen die UBS und Credit Suisse sowie gegen zehn ausländische Institute eröffnet. Das Amt verdächtigt die Banken der Kartellabreden bei Referenzzinssätzen sowie bei Handelsbedingungen von Derivaten.

Aufschläge verzeichneten auch die Versicherer ZFS (+2,2%) und Swiss Re (+1,5%). Die Verhandlungen über eine private Beteiligung am Schuldenschnitt für Griechenland scheinen einmal mehr auf der Zielgerade angelangt zu sein, heisst es hierzu.

Bei den konjunktursensitiven zyklischen Aktien hellte sich das Bild nach den US-Zahlen ebenfalls deutlich auf. Zulegen konnten Nobel Biocare (+4,9%), Adecco (+3,7%), Logitech (+3,1%), Swatch (+2,0%) und Richemont (+1,3%). ABB schloss das erste Mal seit Juli 2011 über der Marke von 20 CHF mit einen Plus von 1,4%. Einzige Verlierer waren Lonza (-0,3%) und Julius Bär (-0,1%). Die Bank veröffentlicht am Montag das Jahresergebnis.

Die Pharmaschwergewichte Roche (+2,6%) und Novartis (+0,7%) schlossen ebenfalls fester. Vor allem in Roche habe sich nach einer Bodenbildung offensichtlich ein kleiner Rebound eingestellt, sagten Beobachter. Die Papiere hatten sich zuvor seit der Ergebnispublikation am vergangenen Mittwoch nur im Rückwärtsgang befunden. Nestlé gewann 0,7% hinzu. Am Donnerstag hatten schwache Zahlen des Wettbewerbers Unilever die Aktien des weltgrössten Nahrungsmittelkonzerns stark gedrückt.

Am breiten Markt standen die Aktien des Bankensoftwareherstellers Temenos im Fokus, die sich um 15,7% verteuern. Das Unternehmen hatte am Morgen ihr Interesse am britischen Rivalen Misys bestätigt. Zu den strategischen Optionen zähle auch ein Zusammenschluss mit Misys via Aktientausch. Analysten würden eine Fusion als «wertgenerierend» begrüssen. Langfristig würde der Schritt strategisch Sinn machen.

Die Papiere der Nationale stiegen um 2,0%. Der Versicherer stellte für 2011 einen Gewinnsprung in Aussicht und begründete diesen mit der Auflösung von Reserven im Umfang von 85 Mio CHF.

Nach Umsatzzahlen legten Autoneum um 1,2% zu, obwohl die Zahlen die Erwartungen nach Ansicht von Börsianern nur knapp erfüllten. Die Gewinne wecken Händlern zufolge den Verdacht, ein Schweizer Konkurrent engagiere sich in den Papieren.

Petroplus gingen mit +6,3% aus dem Handel, notierten zeitweise aber mit rund 34% im Plus. Die Valoren wurden von Berichten getrieben, der deutsche Grossinvestor Clemens Vedder wolle den insolventen Raffineriebetreiber kaufen. (awp/mc/ps)

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