EU-Schluss: Verluste – S&P senkt Griechenland-Bonität erneut

London – Die erneute Absenkung der Kreditwürdigkeit Griechenlands hat die europäischen Börsen am Montag belastet. Der Leitindex EuroStoxx 50 stand 1,71 Prozent tiefer bei 2.902,40 Punkten. Der Londoner FTSE 100 verlor 0,57 Prozent auf 5.942,69 Punkte und der Pariser CAC 40-Index büsste 1,25 Prozent auf 4.007,26 Punkte ein. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hatte die Kreditwürdigkeit des hoch verschuldeten Euro-Landes Griechenland um weitere zwei Noten gesenkt.

Die Bonitätsnote wurde von bisher «BB-» auf «B» reduziert. Der Ausblick für die Kreditwürdigkeit bleibt auch nach der Massnahme negativ. Es droht also eine weitere Herabstufung. Die Ratingagentur begründete die Senkung der Bonitätsnote mit der gestiegenen Gefahr, dass die staatlichen Gläubiger der Eurozone eine Verlängerung ihrer Laufzeiten akzeptieren könnten. Bei einer solchen Massnahme könnten sie eine vergleichbare Behandlung von privaten Gläubigern verlangen.

Schwächste Sektoren in Europa waren nach der Abstufung Griechenlands die Banken- und die Versicherungsbranche. Insofern fielen am Ende des EuroStoxx 50 die Aktien von ING um 4,36 Prozent auf 8,593 Euro. Ebenfalls unter Druck gerieten die Axa-Papiere mit einem Abschlag von 3,52 Prozent auf 14,655 Euro und die Anteile von Unicredit mit minus 3,22 Prozent auf 1,6210 Euro.

Gesprächsthema war neben Griechenland die Ankündigung von Volkswagen (VW), einen neuen Nutzfahrzeugriesen aus VW, MAN und Scania zu schaffen. Dazu hatte der Wolfsburger Konzern seinen Anteil an MAN auf etwas über 30 Prozent der Stammaktien ausgebaut und dann den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot in Höhe von 95,00 Euro je Stammaktie unterbreitet. Ziel sei eine engere Zusammenarbeit aller beteiligten Unternehmen.

Ein Händler sagte mit Blick auf Scania: «Es war darauf spekuliert worden, dass VW Scania dazu drängt, ein Angebot für MAN vorzulegen.» Diese Spekulation hatte Scania belastet und einige auf fallende Kurse (Short) setzen lassen – die Spekulation sei nun vom Tisch und alles erscheine wieder möglich. Die Short-positionierten Anleger deckten nun ihre Positionen ein, woraufhin die Scania-Papiere um 3,67 Prozent auf 155,50 Schwedische Kronen nach oben schnellten. Demgegenüber stiegen die MAN-Titel um etwa 1,5 Prozent und für die VW-Papiere ging es um über 2 Prozent nach unten.

Geschäftszahlen beeinflussten indes vor allem den Londoner Handel: Die Aktien der HSBC gaben nach Aussagen zum ersten Quartal um 0,54 Prozent auf 648,20 Britische Pence nach. Die Grossbank hatte wegen gestiegener Kosten zu Jahresbeginn einen Gewinnrückgang hinnehmen müssen.

Die Thomas-Cook-Papiere verloren ebenfalls nach Zahlen 2,87 Prozent auf 165,70 Pence. Europas zweitgrösster Reiseveranstalter hatte die Unruhen in Nordafrika in seinem ersten Geschäftshalbjahr über eine nur noch verlangsamte Erholung deutlich zu spüren bekommen. Vor allem aber enttäuschte laut Händlern der Ausblick auf das Heimatgeschäft.

Die Titel von Alcatel-Lucent hingegen waren an der Börse in Paris der Favorit, sie stiegen um 3,80 Prozent auf 4,368 Euro. Das japanische Analysehaus Nomura hatte das Kursziel von 3,20 auf 3,90 Euro erhöht. Ferner bezeichnete der Experte Sebastien Sztabowicz von Kepler die am Freitag veröffentlichten Zahlen des französisch-amerikanischen Telekomausrüsters als «exzellent». (awp/mc/upd/ps)

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