EU-Schluss: Verluste – US-Etatstreit und Italien belasten

Paris – Die Unsicherheiten um den Haushaltsstreit in den USA und der politischen Zukunft der italienischen Regierung haben die wichtigsten europäischen Aktienmärkte vor dem Wochenende belastet. In einem weitgehend orientierungslosen Handel gab der EuroStoxx 50 am Freitag zum Schluss 0,12 Prozent auf 2.919,34 Punkte ab. Damit hat der Leitindex der Eurozone auf Wochensicht einen Verlust von 0,27 Prozent eingefahren. Der Cac 40 in Paris ging mit einem kaum messbaren Plus von 0,05 Punkten bei 4.186,77 Punkten nahezu unverändert in das Wochenende. In London ging es für den FTSE 100 hingegen mit Verlusten von 0,81 Prozent auf 6.512,66 Punkte kräftiger bergab. Im von einer Regierungskrise bedrohten Italien waren die Kursrückschläge derweil noch deutlich stärker: Der Mailänder FTSE MIB sackte um 1,27 Prozent auf 17.646,16 Punkte ab.

Mit dem näher rückenden Wochenende zeichnet sich in der US-Politik nach wie vor ein Patt im Etatstreit ab. Die im Repräsentantenhaus tonangebenden Republikaner fordern von US-Präsident Barack Obama weiter Einschnitte bei seiner Gesundheitsreform – doch Obama und der von Demokraten dominierte Senat wollen weiter keine Abstriche machen. Bis zum Start des neuen Haushaltsjahres am 1. Oktober muss entweder ein Budget verabschiedet werden – oder ein Gesetz, das dem Kongress einige Tage mehr Zeit gibt. In Italien droht die Vertrauensfrage – das Fortbestehen der Regierung steht damit wegen des Streits um den möglichen Ausschluss von Silvio Berlusconi aus dem Parlament auf der Kippe. In diesem Umfeld politischer Unsicherheit hätten die Anleger die besseren Daten zum Geschäftsklima und Verbrauchervertrauen abgeschüttelt und sich eher auf die Risiken konzentriert, sagte Marktanalyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets.

Eine Anleiheauktion meisterte Italien allerdings problemlos – sie brachte wie geplant sechs Milliarden Euro ein. Die Zinsen stiegen im Vergleich zur letzten Auktion Ende August jedoch an. Zudem ging die Nachfrage zurück. Unter den Einzelwerten belegten italienische Werte im EuroStoxx die Schlussplätze: Die Finanzhäuser Unicredit und Intesa SanPaolo mit 1,61 beziehungsweise 1,50 Prozent minus, der Versorger Enel mit 1,58 Prozent Abschlag.

Die konjunktursensiblen Rohstoffwerte waren die grössten Verlierer in der Branchenwertung des breiten Stoxx Europe 600 . Der entsprechende Subindex fiel um 1,51 Prozent. Autowerte hingegen legten mit einem Plus von 0,55 Prozent am deutlichsten zu. Überhaupt gab es nur zwei Branchen, die im Schnitt ein Plus verbuchen konnten – neben der Autoindustrie waren es die Medienkonzerne , deren Aufschlag mit 0,03 Prozent zudem denkbar knapp ausfiel.

Die Papiere von Vestas Wind Systems stiegen um 4,51 Prozent an – teilweise war das Plus im Verlauf gar zweistellig ausgefallen. Der verlustreiche dänische Windkraftanlagenbauer holt sich für das Geschäft mit Offshore-Windenergie Hilfe und frisches Geld aus Japan. Das Unternehmen gründet zusammen mit dem Mischkonzern Mitsubishi Heavy Industries ein Gemeinschaftsunternehmen für Entwicklung, Bau und Verkauf von Offshore-Anlagen.

Die Titel von Vallourec dagegen brachen am Ende des CAC 40 um 8,20 Prozent ein. Die schwächere Nachfrage aus Brasilien dürfte den Gewinn belasten, hatte das Stahlunternehmen mitgeteilt. Prompt senkten auch Analysten ihren Daumen: Jawahar Hingorani von S&P Capital IQ strich seine Kaufempfehlung für die Papiere. Er rechnet nun mit weniger Wachstum bei den Franzosen. (awp/mc/pg)

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