US-Schluss: Verluste – Enttäuschung über Fed hält an

Boerse

New York – Die Enttäuschung über ausgebliebene Impulse von Seiten der US-Geldpolitik hat an der Wall Street auch am Donnerstag noch nachgehallt. Die Standardwerte gaben leicht und die konjunktursensiblen Tech-Aktien recht stark nach. Die Notenbank will den Leitzins angesichts der Corona-Krise offenbar über Jahre hinweg an der Nulllinie belassen, wie sie bereits am Mittwoch bekannt gegeben hatte. Dies war aber bereits erwartet worden, und von machen Anlegern offenbar erhoffe, weitere erfreuliche Neuigkeiten gab es kaum.

Der US-Leitindex Dow Jones Industrial hatte in einem nervösen Handel nur kurz den Sprung ins Plus geschafft und gab am Ende um 0,47 Prozent auf 27 901,98 Punkte nach. Am Mittwoch hatte das Börsenbarometer anfängliche Gewinne fast gänzlich eingebüsst.

Der marktbreite S&P 500 büsste am Donnerstag 0,84 Prozent auf 3357,01 Punkte ein. Für den technologielastigen Nasdaq 100 ging es um 1,48 Prozent auf 11 080,95 Punkte nach unten.

Notenbankchef Jerome Powell hatte ferner seine Auffassung bekräftigt, dass der Staat seine finanzielle Unterstützung in der Corona- und Wirtschaftskrise ausweiten müsse. Dies wertete Analyst Jochen Stanzl vom Handelshaus CMC Markets nun als Belastung für die Aktienmärkte: «Viele Anleger staunten nicht schlecht, als die Fed gestern die Verantwortung der Fiskalpolitik übergab und noch viel grössere Konjunkturprogramme forderte als die bislang bereits verabschiedeten». Damit spiele die Notenbank in der Geldpolitik den Ball zurück an die US-Regierung. Die aber liefere sich vor der Präsidentschaftswahl im November mit den Demokraten einen Grabenkampf um Ausgestaltung und Höhe des nächsten Konjunkturpakets.

Auch jüngste US-Konjunkturdaten sorgten am Donnerstag für Zurückhaltung. So scheint der Immobilienmarkt im August unerwartet einen leichten Dämpfer bekommen zu haben. Nach einer deutlichen Erholung von der Corona-Krise in den Monaten zuvor gingen sowohl die Baubeginn als auch die Baugenehmigungen zurück.

Im Dow hielten die Aktien der Investmentbank Goldman Sachs mit einem Minus von rund 3 Prozent die rote Laterne. Die Anteilsscheine des Software-Unternehmens Salesforce büssten 2,4 Prozent ein. Sie waren allerdings erst Anfang September auf ein Rekordhoch geklettert.

Die in New York gelisteten Anteilsscheine von Biontech stiegen derweil um gut 1 Prozent. Das Mainzer Biotech-Unternehmen treibt die Vorbereitungen für die Massenproduktion eines möglichen Corona-Impfstoffs nach einer Marktzulassung weiter voran. Zu diesem Zweck will es vom Schweizer Pharmakonzern Novartis dessen Werk in Marburg übernehmen.

Dagegen zollten die Aktien von Snowflake mit einem Minus von mehr als zehn Prozent dem Kursfeuerwerk beim gestrigen Sprung aufs Börsenparkett ein wenig Tribut. Der Kurs des Softwarespezialisten hatte sich an seinem ersten Handelstag an der New York Stock Exchange mehr als verdoppelt. Die Firma sammelte zuvor 3,36 Milliarden US-Dollar ein und und wurde dabei insgesamt mit mehr als 30 Milliarden Dollar bewertet. Damit stemmte Snowflake die bislang grösste Premiere des Jahres am US-Aktienmarkt.

Der Euro profitierte von den schwachen US-Daten und notierte zuletzt bei 1,1850 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1797 (Mittwoch: 1,1869) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8477 (0,8425) Euro. Richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihen legten angesichts der Verluste an der Wall Street um 2/32 Punkte auf 99 12/32 Punkte zu. Sie rentierten mit 0,689 Prozent. (awp/mc/pg)

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