US-Schluss: Dow erhält Fed-Rückenwind – Nasdaq schwächelt

Boerse

New York – Die historische Entscheidung der US-Notenbank Fed für mehr Spielraum bei ihrem Inflationsziel hat an der Wall Street am Donnerstag Rückenwind gebracht. Der Dow Jones Industrial legte um 0,57 Prozent auf 28 492,27 Punkte zu. Das New Yorker Kursbarometer schlug sich so dieses Mal besser als die zuletzt stark gefragten Technologiewerte.

Der technologielastige Nasdaq 100 schaffte zwar früh den nächsten Rekord. Erstmals über der Marke von 12 000 Punkten stehend ging ihm aber schnell die Luft aus. Am Ende gab er um 0,38 Prozent auf 11 926,16 Zähler nach. Der marktbreite S&P 500 schloss dagegen 0,17 Prozent höher bei 3484,55 Zählern. Auch er hatte seine Rekordrally fortgesetzt.

Die Fed erfüllte am Donnerstag die jüngsten Spekulationen mit der Ankündigung, dass die Zwei-Prozent-Marke künftig ein Durchschnittsziel und kein Fix-Ziel mehr sein soll. Laut Ralf Umlauf von der Helaba sinkt damit der Druck, nach einer Phase niedriger Inflation mit Zinserhöhungen gegenzusteuern. Am Markt wurde dies als starkes Zeichen für eine ungebrochen lockere Geldpolitik gewertet.

Nach der neuen Definition kann die Fed eine längere Zeit eine höhere Inflation akzeptieren, falls sie zuvor längere Zeit unter diesem Ziel lag. In einer mit Spannung erwarteten Rede im Rahmen eines jährlichen Notenbankertreffens hatte Chef-Währungshüter Jerome Powell dann aber die Bedeutung etwas relativiert mit der Aussage, dass die Inflation nur moderat über das Ziel steigen solle.

Unter den Technologiewerten setzten einige ihre Rekordrally fort, darunter die Papiere von Tesla , Amazon und Microsoft . Letztere schafften es mit 2,5 Prozent unter die grösseren Dow-Gewinner. Händler verwiesen hier auf einen Bericht, wonach der Softwaregigant kurz davor stehe, das US-Geschäft der chinesischen Video-App Tiktok zu übernehmen. Diese wird derzeit von US-Präsident Donald Trump in die Zange genommen.

Microsoft will dabei nun gemeinsame Sache machen mit Walmart. Hier profitierten die Aktien von dieser Aussicht noch stärker als Microsoft, indem sie an der Dow-Spitze um 4,5 Prozent anzogen. Laut UBS-Analyst Michael Lasser kann solch ein Geschäft für die Marktplatz- und Werbestrategie des Handelskonzerns von Vorteil sein. Ausserdem sei das Erreichen einer jüngeren Zielgruppe langfristig bedeutend für Walmart.

Am breiteren Markt sprangen die Papiere von Abbott Laboratories um fast acht Prozent nach oben. Das Pharmaunternehmen hat von der US-Gesundheitsbehörde FDA eine Notfall-Zulassung für einen erschwinglichen Coronavirus-Schnelltest bekommen. Für Aufsehen sorgte dabei vor allem der niedrige Verkaufspreis und die Aussage, dass dieser innerhalb von 15 Minuten ein Ergebnis liefern soll.

Allgemein stark gefragt waren daraufhin am Donnerstag auch die Aktien aus der Luftfahrt- und Reisebranchen. Hier machte der Abbott-Erfolg Hoffnung, dass günstige Massentests das Geschäft wieder beleben können. Für die an der Nasdaq gelisteten Aktien von American Airlines und United Airlines ging es um bis zu 5,8 Prozent nach oben. Auch die Aktien von Hotelketten wie Marriott oder Kreuzfahrtanbietern wie Carnival zogen an.

Positiv fielen noch die Aktien von Beyond Meat mit einem Kursanstieg um 5,3 Prozent auf. Der Fleischersatz-Spezialist kündigte die Einführung einer neuen Online-Plattform an, die Verbrauchern auf direktem Wege den Bezug von Produkten ermöglichen soll. Analyst Benjamin Theurer von Barclays glaubt, dass durch den Vorstoss Marktanteilsgewinne und eine bessere Durchdringung in den Haushalten erreicht werden kann.

Ansonsten zeichneten einige Zahlenvorlagen aus der zweiten Börsenreihe ein gemischtes Bild. Die Aktien der Bekleidungskette Abercrombie & Fitch schossen dank eines überraschenden Quartalsgewinns um acht Prozent hoch. Der Kosmetikkonzern Coty dagegen enttäuschte seine Anleger, hier sackten die Aktien um acht Prozent ab.

Der Eurokurs legte nach den Fed-Ankündigungen eine Berg- und Talfahrt hin. Per Saldo stand der Eurokurs dann aber mit 1,1823 US-Dollar wieder im neutralen Bereich. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zwischenzeitlich auf 1,1806 (Mittwoch: 1,1789) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8470 (0,8483) Euro.

Die Kurse von US-Staatsanleihen sanken vor allem in längeren Laufzeiten. Richtungweisende zehnjährige Anleihen fielen um 17/32 Punkte auf 98 27/32 Punkte. Sie rentierten mit 0,74 Prozent. (awp/mc/pg)

NYSE
NASDAQ
Aktueller Stand Dow Jones Industrial bei Google

Exit mobile version