New York – Die Forderung des US-Präsidenten nach einer bedingungslosen Kapitulation des Iran hat am Freitag die US-Aktienmärkte zum Handelsstart unter Druck gebracht. Hinzu kamen schwache Daten vom Arbeitsmarkt.
Der Dow Jones Industrial, der noch vor fast einem Monat über 50.500 Punkte geklettert war, näherte sich kurzzeitig der Marke von 47.000 Zählern. Nachdem der wohl bekannteste Index der Wall Street zurück auf dem Niveau von Ende November angekommen war, erholte er sich wieder etwas und gab zuletzt um 1,2 Prozent auf 47.392 Punkte nach. Im Wochenverlauf bedeutet das ein Minus von etwas mehr als drei Prozent.
Um 1,1 Prozent auf 6.757 Punkte ging es am Freitag für den breit gefassten S&P 500 abwärts. Der Nasdaq 100, der die Inflationssorgen bisher deutlich besser weggesteckt hat, sank um 0,9 Prozent auf 24.808 Zähler. Dieser überwiegend mit Technologiewerten bestückte Auswahlindex war zwar am Dienstag zunächst auf ein November-Tief gerutscht, hatte sich dann aber deutlich erholt. Auf Wochensicht deutet sich nun ein Minus von weniger als ein Prozent an.
Die Anleger sorgen sich nach einer knappen Woche Krieg im Iran um dessen Dauer, denn US-Präsident Donald Trump fordert auf seiner Plattform Truth Social eine «bedingungslose Kapitulation». Die Hisbollah im Libanon betonte unterdessen inmitten stetiger Angriffe Israels erneut ihre Kampfbereitschaft.
Die Ölpreise beschleunigten ihren Höhenflug. Seit den Angriffen passieren kaum noch Schiffe die Strasse von Hormus. Durch die Meerenge am Persischen Golf wird in Friedenszeiten täglich rund ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert. Zuletzt gaben Irans Streitkräfte an, einen Öltanker «in US-Besitz» vor der Küste Kuwaits angegriffen zu haben.
Der US-Arbeitsmarkt sendete für Anleger obendrein durchwachsene Signale. Die Beschäftigung sank im Februar überraschend. Die Arbeitslosenquote stieg, doch das Lohnwachstum blieb robust. Das bringe die US-Notenbank Fed in eine schwierige Situation, kommentierte Portfolio-Manager Thomas Altmann von QC Partners in Frankfurt. «Die drohenden Inflationsrisiken aus dem Iran-Krieg kommen obendrauf.»
Erneut zählten Rüstungs- und Ölaktien zu den wenigen Gewinnern am Aktienmarkt. RTX und Lockheed Martin gewannen um die zwei Prozent. Boeing stiegen um 0,5 Prozent. Für ExxonMobil und ConocoPhillips ging es um knapp ein Prozent nach oben.
Profiteure der hohen Energiepreise sind neben Öl- und Gaskonzernen auch Produzenten von Polyethylen wie LyondellBasell und Dow. Für letztgenannte Aktie sprach JPMorgan nun eine Empfehlung aus. Analyst Jeffrey Zekauskas sieht Nachholpotenzial im Vergleich zu Lyondell und ist für die Preisentwicklung des Kunststoffs obendrein sehr optimistisch. Beide Aktien legten nach dem Börsenstart im schwachen Gesamtmarkt zunächst zu, zuletzt aber gaben sie ihre Gewinne grossteils wieder ab. Allerdings haben beide Papiere seit Wochenbeginn bereits stark zugelegt.
Um knapp 18 Prozent aufwärts ging es im Nasdaq 100 für Marvell Technology nach einem starken Ausblick. Analyst Vivek Arya von der Bank of America sprach eine Kaufempfehlung aus. Die Telefonkonferenz nach dem Geschäftsbericht habe das Vertrauen darin bestärkt, dass Marvell stark von der KI-bedingten Nachfrage nach optischen Halbleitern profitieren wird, schrieb er. Zudem sei der Erfolg des Partners Microsoft mit kundenspezifischen Chips für die Cloud-Infrastruktur klarer absehbar.
Nach vorgelegten Zahlen sackte dagegen die Aktie des Modehändlers Gap um 13 Prozent ab. Das Wachstum der grössten Marke Old Navy hatte im vierten Quartal enttäuscht und zudem war der Margen-Ausblick von Gap hinter den Erwartungen zurückgeblieben. (awp/mc/ps)
