New York – Einen Tag vor dem Zinsentscheid der US-Notenbank Fed geht die Erholung am New Yorker Aktienmarkt zunächst in die Fortsetzung. Den Gewinnen stand nicht im Wege, dass im Iran-Krieg weiter keine Entspannung abzusehen ist und die Ölpreise wieder etwas anzogen. Binnen der ersten Handelsstunde nahm der Schwung bei den Aktienkursen jedoch wieder etwas ab.
Der Leitindex Dow Jones Industrial legte nach etwas mehr als einer Handelsstunde um 0,6 Prozent auf 47.208 Punkte zu. Für den marktbreiten S&P 500 ging es mit 6.742 Zählern um 0,6 Prozent bergauf. Der technologielastige Nasdaq 100 schloss sich diesem Umfeld an mit einem Anstieg um 0,8 Prozent auf 24.855 Punkte.
Der Iran hat seine Angriffe auf die Energieinfrastruktur im Persischen Golf zuletzt verstärkt – und das zu einem Zeitpunkt, an dem Sorgen wegen möglicher Lieferengpässe beim Öl die Konjunkturhoffnung bremsen und Inflationsgefahren verstärken. «Die Tendenz geht eindeutig dahin, dass die Zentralbanken restriktiver agieren werden, als es die Märkte wünschen», sagte der Investmentchef Andrew Chorlton von M&G Investment Managers.
Die Finanzmärkte dürften am Mittwoch vor allem die Pressekonferenz von Notenbankchef Jerome Powell im Anschluss an die Zinsentscheidung und die Projektionen der Fed-Mitglieder im Blick haben. Ausserdem rückt der im Mai anstehende Führungswechsel näher. Powell übergibt dann sein Amt an den von US-Präsident Donald Trump nominierten Kevin Warsh.
Aktien von US-Banken waren am Dienstag vor dem Zinsentscheid auf Erholungskurs nach bisher schwachem Jahresverlauf, der zuletzt von Konjunktursorgen geprägt war. Im Kreditgeschäft können sie theoretisch davon profitieren, wenn das Zinsniveau höher bleibt. Im Dow waren die Titel von Goldman Sachs am Dienstag mit zwei Prozent Plus ganz vorne zu finden. Unter den weiteren Grossbanken war Morgan Stanley , JPMorgan mit 2,3 Prozent Plus besonders gefragt.
Nvidia entwickelten sich im Kreise der «Magnificent 7» aber relativ träge mit einem nur knappen Plus von 0,1 Prozent. Hier gab es die Nachlese von Aussagen des Konzernchefs Jensen Huang auf der hauseigenen Entwicklerkonferenz GTC. Der Experte Atif Malik von der Citigroup schrieb vom «beruhigenden Gefühl», dass der Chipkonzern bei Innovationen weiter den Takt vorgibt. Von solchen Aussagen können die Aktien nach ihrem Rekordlauf der vergangenen Jahre aber schon länger nicht mehr gross profitieren.
Im erweiterten Chipsektor profitierten die Titel von Qualcomm mit einem Anstieg um 2,2 Prozent von angekündigten Aktienrückkäufen. Freundlich zeigten sich mit einem Prozent Plus auch die Aktien von Tesla, der zusammen mit dem südkoreanischen Unternehmen LG Energy Solution eine Batteriefabrik im US-Bundesstaat Michigan errichten will.
Im Standardwerte-Bereich sorgte der angehobene Umsatzausblick auf das laufende Quartal bei der Fluggesellschaft Delta für ein Kursplus von fast vier Prozent. Die Aktien trotzten damit den Ölpreis-Perspektiven, die sich im Kurs schon vor über einer Woche mit dem tiefsten Stand seit November bemerkbar gemacht hatten. Dies besserte auch die Stimmung bei Reisevermittlern wie Expedia und Booking, deren Titel um bis zu 5,7 Prozent anzogen.
Mit dem Reisemarkt verbunden sind auch die Aktien von Uber. Sie gewannen am Dienstag fast fünf Prozent an Wert, nachdem der Fahrdienstvermittler und der Chipriese Nvidia einen Ausbau ihrer Kooperation für autonome Fahrzeuge bekannt gegeben hatten. Auch für den Uber-Konkurrenten Lyft ging es um fast vier Prozent nach oben.
In unterschiedliche Richtungen wurden zwei Aktien von Analystenkommentaren bewegt: Die Titel des Pharmakonzerns Eli Lilly verloren fast drei Prozent an Wert, nachdem Grossbank HSBC die Papiere abgestuft hatte. HSBC wird pessimistisch für den Markt mit Abnehmmitteln. Bei Align Technology zog eine Hochstufung durch Barclays dagegen einen Anstieg um 4,6 Prozent nach sich. (awp/mc/ps)
