New York – Nach der deutlichen Erholung der US-Börsen zur Wochenmitte sind die Anleger am Donnerstag wieder vorsichtiger geworden. Sie warten weiter auf greifbare Fortschritte bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Die Ölpreise und die Anleiherenditen legten wieder zu. Quartalszahlen und Ausblick des KI-Chip-Riesen Nvidia gaben dem Markt nicht den erhofften Schub. Eine Reihe von US-Konjunkturdaten hatte keinen erkennbaren Einfluss auf die Aktienkurse.
Zuletzt sank der Leitindex Dow Jones Industrial um 0,15 Prozent auf 49.934 Punkte. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,40 Prozent auf 7.403 Punkte nach unten. Der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 0,57 Prozent auf 29.129 Punkte.
Zur Wochenmitte hatte US-Präsident Donald Trump bei den Anlegern noch mit der Aussage gepunktet, dass die Verhandlungen mit dem Iran zur Beendigung des Krieges in der «Endphase» seien. «Ich würde das gerne glauben, aber mal ehrlich: Wie oft haben wir das schon gehört?», kommentierte nun Win Thin, Chefvolkswirt der Bank of Nassau 1982.
Teheran erklärte zwar, der jüngste Vorschlag aus Washington habe die Kluft zwischen den beiden Seiten teilweise überbrückt. Doch ein Medienbericht, wonach der Iran plane, sein Uran zu behalten, wurde als potenzieller Rückschlag für jegliches Friedensabkommen gewertet.
Die mit Spannung erwarteten Zahlen und Geschäftsprognosen, die Nvidia am Vortag nach Börsenschluss vorgelegt hatte, stiessen auf ein verhaltenes Echo. Die Aktien, die vor der Veröffentlichung etwas fester aus dem Handel gegangen waren, büssten am Donnerstag 1,8 Prozent ein. Damit knüpften sie an die vorangegangenen Gewinnmitnahmen nach einem Rekordhoch an.
Nvidia berichtete für das erste Quartal zwar eine Beschleunigung des schon hohen Wachstums und übertraf die Erwartungen. Doch hier und da wurden bei den Analysten auch Sorgen ob der Nachhaltigkeit des Wachstums laut – vor allem, weil der Konzern zunehmend Konkurrenz bekommt.
Derweil setzten die Aktien des Chiparchitektur-Entwicklers ARM mit einem weiteren Kurssprung von 9 Prozent ihre Rekordjagd fort. Der US-Bank Jefferies zufolge sollte das Unternehmen von der hohen Nachfrage nach den Nvidia-Prozessoren der nächsten Generation für Rechenzentren und Künstliche Intelligenz (KI) profitieren.
Auch bei IBM ging es deutlich nach oben, die Aktien zogen um 7,2 Prozent an. Der Computer-Dino heimste eine milliardenschwere Förderung der US-Regierung für die Fertigung von Quantencomputer-Chips ein. RBC-Analyst Matthew Swanson kommentierte, auch wenn es noch keinen öffentlich bekannten Zeitplan gebe, sehe IBM wie ein früher Profiteur der Technologie aus.
Für Walmart-Titel ging es nach der Zahlenvorlage am Dow-Ende um 7 Prozent bergab. Der Einzelhändler trotzte zwar zu Jahresbeginn mit einem Umsatzanstieg den Konjunktursorgen, sieht sich aber mit steigenden Treibstoffkosten konfrontiert.
Anhaltend schwache Absatzzahlen und unsichere Geschäftsaussichten wogen beim Landwirtschaftsmaschinen-Herstellers Deere schwerer als eine überraschend gute Gewinnentwicklung: Die Titel sanken um 7,6 Prozent.
Beim Nasdaq-100-Schlusslicht Intuit mussten die Anleger gar einen Kurseinbruch von knapp 20 Prozent sowie ein Tief seit dem Jahr 2020 verkraften. Der Softwarekonzern blieb mit seinem Quartalsbericht hinter den Erwartungen zurück. Bereits zur Wochenmitte hatten Berichte über einen deutlichen Stellenabbau die Aktien belastet.
Die Titel von Nebius zogen um fast 16 Prozent an. Das Technologie-Unternehmen kooperiert mit Bloom Energy , um Brennstoffzellen beim Ausbau seiner KI-Infrastruktur einzusetzen. Die Aktien von Bloom Energy gewannen 12,5 Prozent. (awp/mc/ps)
