Anton Felder, VRP Coop

Von Peter Stöferle


Moneycab: Herr Felder, im April 2009 treten Sie als Verwaltungsratspräsident von Coop zurück, nachdem Sie vor 32 Jahren in das Unternehmen eingetreten und dem VR seit 2001 vorgestanden sind. Was ist aus Coop in dieser Zeit geworden?


Anton Felder: Coop nimmt eine wichtige, starke und glaubwürdige Position im Schweizer Markt ein. Wir erbringen ein einzigartiges Leistungsangebot in der Nähe der Konsumenten und sind unangefochtener Leader bei der Vermarktung von besonders sozial und ökologisch hergestellten Produkten. In Kooperation mit ausländischen Detailhandelsunternehmen haben wir bedeutende Schritte der Internationalisierung vollzogen bzw. die Bell Holding AG hat mit dem Erwerb von drei Unternehmen in Frankreich und Deutschland Akzente in Richtung Europa gesetzt. Coop verfügt über eine hohe Reputation und wird mit ihrer strategischen Ausrichtung sowie ihrer operativen Leistungskraft nachhaltig erfolgreich sein.


Und welches waren Ihre persönlichen Highlights während Ihrer Amtszeit als Coop-Verwaltungsratspräsident?


Die strategische Neuausrichtung aller Geschäftsfelder ist erfolgreich umgesetzt und das organische Wachstum konnte verstärkt werden. Die Strategie der Nachhaltigkeit ist tief verankert. Mit dem Erwerb der Waro AG und der Carrefour Schweiz AG sind die Lücken bei den grossflächigen Verkaufsstellen geschlossen worden. Die Akquisitionen Epa AG und Dipl. Ing. Fust AG erhöhen die Non Food-Kompetenz. Unsere Unternehmensgruppe verfügt über eine sehr gesunde Ertrags- und Finanzlage, dies trotz markanten Marktinvestitionen und überdurchschnittlichen Saläranpassungen. Aus einer überzeugenden Heimmarktposition konnte Coop den Schritt in das international ausgerichtete Geschäft der Gastronomie-Versorgung vollziehen.


Erklärtes Ziel von Coop ist es, der Beste zu sein und im Detailhandel überall an der Spitze zu sein. Können Sie Ihrer nominierten Nachfolgerin, Irene Kaufmann-Brändli, «Mission erfüllt» melden?


Die definierten Ziele sind erreicht oder übertroffen; Coop befindet sich auf dem Weg zur Spitze.


Coop ist genossenschaftlich organisiert; anstelle von Aktionären bilden die Delegierten der Genossenschaften die Shareholder, an welche der Coop-VR auch rapportiert. Bedeutet dies für Sie ein Unterschied im Vergleich zu einer Aktionärsstruktur?


Aufgrund meiner Tätigkeit als Verwaltungsrat in börsenkotierten Aktiengesellschaften stelle ich fest, dass die rechtliche Struktur eines Unternehmens irrelevant ist hinsichtlich der Wahrnehmung der Aufgaben in einem Führungsorgan. Massgebend ist, ob diese Verantwortung mit Kompetenz, Leidenschaft, Weitsicht, Sorgfalt, unternehmerischem Mut und Bescheidenheit für das Machbare und für die eigenen Ansprüche wahrgenommen wird.


«Die Konsumenten verlangen Produkte mit erlebbarem Mehrwert. Die Programme Naturaplan und Fine Food verfügen über diesen Zusatznutzen; folgerichtig wachsen sie überdurchschnittlich.»  (Anton Felder, VRP Coop) 


Coop ist 2008 – ohne die beiden Akquisitionen Dipl. Ing. Fust und Carrefour Schweiz – konzernweit mit einem Plus von gegen 9 Prozent umsatzmässig über der Konkurrenz gewachsen. Welche Faktoren waren für diesen Erfolg ausschlaggebend?


Unser innovatives Angebot differenziert sich deutlich von den übrigen Mitbewerbern. Die attraktive Marken- und Programmvielfalt in Verbindung mit konkurrenzfähigen Preisen findet eine hohe Akzeptanz bei den Kunden. Die tatsächliche Nähe der sympathischen Coop-Verkaufsstellen wird sehr geschätzt. Zudem haben unsere Umsätze auch aus der positiven Entwicklung des Detailhandels-Marktvolumens Nutzen gezogen.&


Sowohl bei der exklusiven Produktelinie «Fine Foods» als auch bei den «Naturaplan»-Bioprodukten verzeichnete Coop im ersten Halbjahr 2008 zweistellige Zuwachsraten; hingegen stieg der Umsatz bei der Günstig-Linie «Prix Garantie» lediglich um 2 Prozent. Auf was sind diese Unterschiede Ihrer Meinung nach zurückzuführen?


Die Konsumenten verlangen Produkte mit erlebbarem Mehrwert. Die Programme Naturaplan und Fine Food verfügen über diesen Zusatznutzen; folgerichtig wachsen sie überdurchschnittlich. Für Naturaplan trifft dies auch 15 Jahre nach der Lancierung zu.


Im Frühjahr 2008 hat Coop 12 grossflächigen Verkaufsstellen der Carrefour-Gruppe übernommen und diese in neue Mega-Stores umgewandelt. Lässt sich bereits ein erstes Fazit über die erfolgte Integration ziehen?


Aus strategischer Sicht war der Kauf der ex-Carrefour-Verkaufsstellen eine einmalige Chance, denn die Realisierung solcher grossflächigen Verkaufsstellen wäre – wenn überhaupt – nur über langdauernde Baubewilligungsverfahren möglich gewesen. Einzelne Standorte werden etwas mehr Zeit als geplant benötigen bis sie die vorgegebenen Ziele erreichen.


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Nachhaltigen Zielsetzungen kommt bei Coop auch im Tagesgeschäft eine gleich hohe Bedeutung zu wie rein kommerziellen Anliegen. Wie ist diese in den letzten Jahren veränderte strategische Zielsetzung Coop-weit aufgenommen worden?


Die Nachhaltigkeit ist auf allen Ebenen verankert und unsere Mitarbeitenden identifizieren sich auf eindrückliche Weise mit den diesbezüglichen Richtlinien und Vorgaben. Allen ist bewusst, dass die Aspekte Glaubwürdigkeit und Vertrauen den höchsten Stellenwert haben. In der internen Kommunikation und insbesondere im Zielsetzungsprozess werden die entsprechenden Weichen gestellt. Der Vorbildfunktion von Verwaltungsrat und Management kommt dabei eine zentrale Rolle zu.


In diesem Zusammenhang ist auch der Coop Fonds für Nachhaltigkeit aufgewertet worden, der nachhaltige Aktivitäten in verschiedensten Themenfeldern unterstützt. Können Sie uns diesen Fonds und dessen Aufwertung etwas näher vorstellen?


Seit 2003 – dem 10-jährigen Geburtstag von Naturaplan – speist Coop einen Fonds für Nachhaltigkeit mit mindestens 10 Mio. CHF pro Jahr. Spätestens im Jahr 2011 wird der Beitrag 15 Mio. CHF betragen. Mit diesen Mitteln werden Projekte aus den vier Themenfeldern Klima, Wasser, Pflanzen-Tiere-Boden sowie Mensch finanziert. 


Nicht nur für Coop ist die Reduktion des Treibstoff- und Energieverbrauchs ein wichtiges Thema. Wo setzt die Coop-Gruppe hierbei die Hebel an?


Eine Vielzahl von Projekten und Massnahmen sind auf die Reduktion des Treibstoff- und Energieverbrauchs ausgerichtet. Als Beispiele erwähne ich den  Bau von Verkaufsstellen im Minergie-Standard, die Umstellung der Heizungsanlage in der Produktions- und Verteilzentrale in Pratteln von Öl auf CO2-freie Wärme aus einer nahen Vergärungsanlage, Wärmerückgewinnungsanlagen, bessere Isolationen, usw. Alle Anstrengungen haben zum Ziel, den CO2-Ausstoss zu reduzieren: Coop will in maximal 15 Jahren CO2 neutral werden und zwar in den von ihr beeinflussbaren Bereichen wie Verkaufsstellen, Verteilzentren, interne Transporte, Produktionsbetriebe.


«Zweifellos werden mittelfristig gewisse Verlagerungen im Markt eintreten. Coop begegnet diesen neuen Anbietern mit Respekt aus einer Position der Stärke.»  (Anton Felder, VRP Coop) 


Zusätzlich errichtet Coop einen CO2-Kompensationsfonds. Wie werden diese Kompensationen abgewickelt?


Trotz allen Bemühungen ist uns bewusst, dass wir den CO2-Ausstoss nicht auf Null senken können. Coop hat deshalb im letzten Jahr einen Fonds eingerichtet, aus dem Mittel für die Kompensation des CO2-Ausstosses eingesetzt werden, wo Einsparungen für uns besonders schwierig sind. Für die Kompensation erfolgt die Zusammenarbeit mit dem WWF und beinhaltet Projekte in Drittweltländern.


Im Vorfeld der Ansiedelung von deutschen Discountern wie Aldi und Lidl in der Schweiz war mitunter auch von einer Zäsur für die hiesigen Grossverteiler zu lesen. Wie beurteilen Sie die Situation nach dem inzwischen erfolgten Markteintritt Aldis?


Die positive Entwicklung des Marktvolumens im 2008 hat die Expansion des deutschen Discounters offenbar abgefedert. Zweifellos werden mittelfristig gewisse Verlagerungen im Markt eintreten. Coop begegnet diesen neuen Anbietern mit Respekt aus einer Position der Stärke.


Desgleichen wurde den einheimischen Baumärkten Düsteres prophezeit, wenn sich erst einmal Hornbach & Co. in der Schweiz niedergelassen haben. Wie kommt Coop Bau+Hobby mit den veränderten Marktgegebenheiten zurecht?


Auch in diesem Segment verfügt Coop über ein dichtes Verkaufsstellennetz und eine überzeugende Marktleistung, welche den Gegebenheiten periodisch angepasst wird. Die bemerkenswerten Vorteile aus der europäischen Einkaufskooperation tooMax-x von Coop, REWE Group, bauMax und Rautakesko stützen insbesondere unsere preisliche Konkurrenzfähigkeit. Die Umsatzzuwächse bestätigen die hohe Akzeptanz unserer Leistungen.


Der jüngste Coup von Coop ist die Auslieferung von gekühlten Produkten aus dem Online-Shop coop@home an jede Haustüre der Schweiz. Gretchenfrage: Generiert Coop mit dem Online-Shop überhaupt zusätzliches Umsatzvolumen oder fehlt dieser am Schluss einfach in den Ladenkassen der Coop-Supermärkte und Megastores?


Der Online-Shop ist auch bei den Lebensmitteln eine immer häufiger gewünschte Dienstleistung. Für Coop ist es eine Selbstverständlichkeit diese anzubieten, auch wenn dadurch eine geringfügige Verlagerung von Umsätzen verbunden ist.


Herr Felder, wir bedanken uns für dieses Interview.





Zur Person:
Anton Felder
blickt auf eine 32-jährige berufliche Laufbahn bei Coop zurück. Während rund 24 Jahren nahm er in der Coop-Gruppe verschiedene Geschäftsleitungsfunktionen wahr. In dieser Zeit präsidierte er auch etliche Verwaltungsräte von Tochtergesellschaften. 2001 wurde er in den Verwaltungsrat Coop und zu dessen vollamtlichen Präsidenten gewählt. Dieses Mandat legt Felder nun per April 2009 nieder. Als Nachfolgerin schlägt der Coop-Verwaltungsrat der Delegiertenversammlung vom kommenden April Irene Kaufmann-Brändli als neue Verwaltungsratspräsidentin vor.


Der 60-jährige Anton Felder ist Eidg. dipl. Experte für Rechnungslegung und Controlling. Nebst dem VRP-Mandat bei Coop wirkt Felder in weiteren Verwaltungsräten wie bei der Coop Personalversicherung CPV / CAP, Basel (Präsident), Coop Immobilien AG, Bern (Präsident), Bell Holding AG, Basel, Betty Bossi Verlag AG, Zürich, Coop Mineralöl AG, Allschwil und Dipl. Ing. Fust AG, Oberbüren sowie bei weiteren Tochtergesellschaften von Coop. Darüber hinaus ist Anton Felder Mitglied des Stiftungsrats der ETH Zürich Foundation.


Zum Unternehmen:
Rund 2,5 Millionen Mitgliederhaushalte machen Coop zu einem der grössten genossenschaftlich organisierten Unternehmen der Schweiz. Mit gegen 17 Milliarden Franken Gesamtumsatz ist die Coop-Gruppe das zweitgrösste Schweizer Detailhandelsunternehmen. Das Unternehmen bietet die grösste Markenvielfalt im Schweizer Detailhandel und ist klare Marktführerin für umweltschonende, tierfreundliche und sozialverträgliche Produkte. Auf einer Fläche von rund 1,5 Millionen Quadratmetern präsentieren über 1700 Verkaufsstellen ihr Angebot voller Vielfalt, Frische und Qualität. Coop hat das dichteste Verkaufsstellennetz – vom Coop Supermarkt auf fast 2000 m Höhe bis zu den Coop City Warenhäusern an kundenfreundlichen Lagen in den grossen Agglomerationen. Gleichzeitig ist Coop die zweitgrösste private Arbeitgeberin der Schweiz. Über 48’000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ermöglichen die Vielfalt von Coop. Mit Bruttoinvestitionen von rund 1 Milliarde Franken ist der Grossverteiler auch ein Eckpfeiler der Schweizer Volkswirtschaft. (Quelle: coop.ch)

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