BP bereitet Verstopfen der Ölquelle vor

BP räumte allerdings ein, dass abhängig von den Resultaten auch Verschiebungen oder gar die Absage des Vorhabens denkbar seien.


Drucktest an Sicherheitsventil
Wesentlicher Teil der stundenlangen Diagnosen ist ein Drucktest an dem tonnenschweren Sicherheitsventil auf dem Bohrloch. Durch diese Vorrichtung will BP tausende Liter Schlamm pro Minute in die Quelle pumpen, um den Ölfluss zu stoppen. Das als «Top Kill» bezeichnete Verfahren kann laut Wells nur gelingen, wenn das Sicherheitsventil und seine fünf Öffnungen dem grossen Druck standhalten. Ein weiteres Risiko bestehe darin, dass die Hülle des Steigrohrs den Beschuss nicht aushält, sagte der mit der staatlichen Aufsicht der Operation beauftragte Ingenieur Russell Hoshman.


Methode noch nie ausprobiert
BP rechnet sich für die Aktion Erfolgschancen von 60 bis 70 Prozent aus – die Methode ist noch nie in solcher Tiefe ausprobiert worden. Zusätzlich könnten bei dem Verfahren andere Materialien wie Gummi auf demselben Weg in das Ventil gepumpt werden und das Bohrloch so verstopfen. Denkbar ist auch eine Kombination beider Methoden.


Wachsende Ungeduld
BPs neuerlicher Versuch, die Ursache der Ölpest zu bekämpfen, wird vor allem von der US-Regierung und den betroffenen Fischern mit Ungeduld beobachtet. Mittlerweile wurde das Öl auf einer Breite von 110 Kilometern an Stränden und ins Marschland am Golf von Mexiko gespült. US-Behörden dehnten die Verbotszone für den Fischfang weiter aus. Präsident Barack Obama will die die ölverschmierte Küste am Freitag selbst in Augenschein nehmen. Er werde in den Bundesstaat Louisiana reisen, um sich dort ein Bild von den Bemühungen im Kampf gegen die Ölpest zu machen, teilte das Weisse Haus mit. Es wäre seit dem Sinken der BP-Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 22. April der zweite Besuch Obamas in der betroffenen Region.


Strengere Regeln für Ölindustrie
Obama wird einem Bericht zufolge am Donnerstag deutlich schärfere Regelungen für Ölbohrungen im Meer ankündigen. Wie die Zeitung «Wall Street Journal» in ihrer Onlineausgabe berichtet, will Obama die Ölindustrie zur Einhaltung strengerer Sicherheitsbedingungen verpflichten. Ausserdem wolle die US-Regierung mehr und rigidere Kontrollen auf Ölplattformen vor der Küste einführen. Die Zeitung bezieht in ihrem Bericht sich auf Aussagen von einem hochrangigen Berater Obamas.


BP-VRP verteidigt Massnahmen gegen Ölpest
BP hat Kritik an seinem Kampf gegen die Ölpest im Golf von Mexiko zurückgewiesen. «Alles, was getan werden kann, wird getan», sagte Verwaltungsratspräsident (VRP) Carl-Henric Svanberg der britischen Zeitung «Financial Times» (FT) vom Mittwoch. Er wies auch Forderungen zurück, wonach die US-Regierung ermächtigt werden soll, die Beseitigung der Umweltschäden zu beaufsichtigen. Experten wollten am Mittwoch erneut versuchen, das Leck auf der versunkenen BP-Ölplattform «Deepwater Horizon» zu schliessen.


«Interesse beiderseitig»
Allein beim Versicherer Lloyds summieren sich die Forderungen schon auf bis zu 600 Millionen US-Dollar (derzeit 487 Mio Euro). Der BP-Vorstandschef warnte Kritiker in dem Zeitungsinterview vor voreiligen Schlüssen. «Die USA sind ein grosser und wichtiger Markt für BP, und BP ist auch eine grosse und wichtige Firma für die USA mit Beteiligungen an Bohrungen und Öl- und Gasgewinnung. Das Interesse ist also beiderseitig.» Die US-Umweltbehörde will BP laut Berichten keine weiteren Regierungsaufträge und Öl- und Gaslizenzen geben, falls Sicherheitsregeln missachtet wurden.


«Sehr, sehr wichtige Lernaufgabe»
Der grösste US-Gaslieferant werde die Geschäfte in den USA fortführen, sagte Svanberg. Der Konzern mache dort 40 Prozent seines Gesamtumsatzes. Dem Energiekonzern müsse bei der Schliessung des Lecks vertraut werden. «Unser künftiger Ruf hängt ganz davon ab, ob wir mit Erfolg das Leck stopfen und die Reinigung bewältigen.» Der Unfall sei eine «sehr, sehr wichtige Lernaufgabe für BP und die gesamte Industrie», sagte der seit Jahresbeginn amtierende Vorstandschef.
(awp/mc/pg/32)

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