Budget-Flieger am Persischen Golf nutzen die Gunst der Stunde

von Gérard Al-Fil
«Nas» ist arabisch für Leute oder Volk. Nas ist aber auch die Abkürzung für National Air Services. Dahinter verbirgt sich der erste Budget-Flieger aus Saudiarabien, gegründet im Oktober 2007. «Wir wachsen weiter, wenn auch nicht mehr mit 15 bis 18 Prozent pro Jahr wie bisher», sagt der deutsche CEO der Nas Air Walter Prenzler, seit November letzten Jahres an Bord. Wie alle Billigflieger am Persischen Golf profitiert auch die Nas Air von knappen Reisekassen.


Sparen müssen alle
900,000 Passagiere beförderte die Nas Air 2008 mit 7 Airbus A320-Flugzeugen und 4 brasilianischen Embraer-Maschinen. Verdoppeln will Prenzler die Zahl der Fluggäste ausgerechnet im Krisenjahr 2009. Erst vor einer Woche vermeldete die staatliche Emirates Airline aus Dubai einen Gewinneinbruch von 72 Prozent für das Geschäftsjahr 2008/2009, das im vergangenen März ablief. Doch für die Kleinen wie die Nas Air stehen die Chancen auf Expansion gut. Sowohl reiche Saudis als auch Gastarbeiter aus Südasien fliegen mit der Nas. Neben 13 Flugzielen im Heimtstandort Saudiarabien fliegt die Nas Air auch 7 internaionale Ziele an. Dazu stehen 350 Flüge pro Woche auf dem Plan.


Arabischer Flieger in deutscher Hand
«Um die operativen Kosten möglichst niedrig zu halten, fliegen Budget Carrier mit einem, höchsten zwei Flugzeugtypen», sagt Maria Angelika Hanna, als Vorstandsmitglied verantwortlich für die Geschäftsentwicklung (CCO). Wie CEO Prenzler hat auch Frau Hanne, die einen Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften führt, das Business bei der Deutschen Lufthansa à fond gelernt. Die Nas Air auf dem Weg zu einer deutschen Firma? «Nein, nein», versichert Frau Hanne, «wir achten auf einen augeglichenen Nationalitätenmix in der Belegschaft.» Das ist ungewöhnlich in der ansonsten von Briten dominierten nahöstlichen Luftfahrtindustrie.


Der Schleier gehört dazu
CEO Prenzler und Frau Dr. Hanne berichten direkt an den Chef der Nas Holding, Sulaiman Abdullah Al-Hamdan. Beide schätzen an ihrem Job die Herausforderung und die Aufbruchstimmung, die im islamisch-konservativen Riad herrscht. «An die Abaya habe ich mich inzwischen auch gewöhnt», sagt Frau Dr. Hanne. Die Abaya ist das schwarze Gewand mit Schleier, das Frauen im Königreich Saudiarabien in der Öffentlichkeit anlegen müssen – genau wie die Flugbegleiterinnen bei Nas Air, die den Hidschab, wie der Schleier heisst, in hellen, palmengrünen Farben tragen.


Der Clou bei der Nas Air? «Wir haben eine der jüngsten Flotten im Nahen Osten», erklärt Prenzler, «im Schnitt sind unsere Flugzeuge keine 9 Monate alt.» Das jüngste Airbus A320-Küken kam erst letzte Woche frisch lackiert mit grün-weissem Nas Air-Logo aus Toulouse in den Wüstenstaat eingeflogen. Zum Vergleich: bei der Fluggesellschaft Swiss haben die 19 Maschinen vom gleichen Typ stolze 11,4 Jahre auf dem Buckel.


Preiskampf über den Wolken
Weil selbst Manager und Scheiche beim Reisen plötzlich sparen müssen, haben neue Konkurrenten den Braten gerochen. Ab dem 1. Juni geht von Dubai aus der neue Low-Cost-Carrier FlyDubai an den Start, eine Tochter der Emirates Airline. Kuwait mischt seit ein paar Jahren mit Jazeera Airways im unteren Preissegment mit.


Den Anfang machte aber die rot-weisse Air Arabia aus dem Golf-Emirat Sharjah. Das war im November 2004. «Billigflieger in der reichen Golfregion? Das wird nie funktionieren», prophezeite damals der Chef der Gulf Air in Bahrain, James Hogan. Mit dem Erfolg der Air Arabia und ihrer Nachahmer verstummten die Kritiker schnell. Hogan, der bei Gulf Air nach nur zwei Jahren abtrat, lockt inzwischen als CEO der Etihad Airways aus Abu Dhabi selbst mit Hammerpreisen. Für umgerechnet 300 Dollar fliegt Hogan Passagiere von Abu Dhabi nach Teheran ? in der Business Class wohlgemerkt. Rabattschlachten wie diese können Nas Air-Chef Prenzler von seinen Expansionsplänen nicht abhalten. Bis 2012 solle die Nas-Flotte von heuer 11 auf 31 Maschinen anwachsen. Wettbewerb belebt das Geschäft, auch, oder gerade im Orient.
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