Definition: EBITDA ist nicht Cash flow

Von Dr. Werner Albeseder

Die Unterschiede, die sich in anderen Posten einer Gewinn- und Verlustrechnung aufgrund verschiedener Rechnungslegungsvorschriften ergeben, bleiben aber auch im EBITDA erhalten.   


EBITDA ist nicht Cash flow
Oft wird das EBITDA als jene Grösse bezeichnet, die zeigt, welche Cashmittel ein Unternehmen zu erwirtschaften in der Lage war. Die Neutralisierung des meist wichtigsten nicht ausgabenwirksamen Aufwandspostens – nämlich der Abschreibungen – zeigt auch tatsächlich, dass eine am Cash flow orientierte Kennzahl vorliegt. Mit dem Cash flow ist das EBITDA aber dennoch nicht gleichzusetzen: Im EBITDA werden auch Zinsen und Steuern neutralisiert. Bei diesen beiden Posten handelt es sich aber sehr wohl um ausgabenwirksame Aufwendungen. Das EBITDA ist also weder ein Indikator für den erwirtschafteten Cash flow noch für die tatsächliche Ertragskraft eines Unternehmens. Vor allem die Ausserachtlassung des Finanzergebnisses bedeutet, dass etwa Unternehmen, die vollständig mit Eigenkapital finanziert sind und daher keine Zinsenaufwendungen haben, gleich behandelt werden wie überschuldete Unternehmen, bei welchen die Zinsenbelastung eine erhebliche und manchmal existenzbedrohende Belastung darstellt. Das EBITDA wird daher oft von ertragsschwachen Unternehmen besonders in den Vordergrund gerückt. Je mehr Aufwendungen man weglässt, desto besser sieht ein Ergebnis aus.


Die Aussagekraft des EBITDA
Das EBITDA zeigt die operative Ertragskraft vor Abschreibungen. Vor allem bei jungen Unternehmen, die ihre Investitionen und damit die Abschreibungen noch nicht zurückverdienen können, zeigt das EBITDA, ob zumindest im operativen Betrieb vor Abschreibungen ein positives Ergebnis erwirtschaftet wird. Bei der Anwendung der Discounted Cash flow Methode in der Unternehmensbewertung kommt dem EBITDA ebenfalls Bedeutung zu.






Dr. Werner Albeseder, Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Unternehmensberater, geschäftsführender Gesellschafter der Prime Communication & Corporate Finance – Consulting GmbH, Wien





Definition bei Wikipedia:
«Das EBITDA ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, die in Zusammenhang mit dem erwirtschafteten Ertrag und Cash-Flow eines Unternehmens in einem bestimmten Zeitraum steht. EBITDA ist die Abkürzung für englisch: earnings before interest, taxes, depreciation and amortization. Das heisst wörtlich übersetzt «Ertrag vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände». In der praktischen Anwendung hat es jedoch die Bedeutung von «Ertrag vor Finanzergebnis, ausserordentlichem Ergebnis, Steuern und Abschreibungen». Es werden also ausserordentliche (einmalige) Kosten und Aufwendungen ebenso ignoriert wie Zinsen, sonstige Finanzierungsaufwendungen, Steuern und Abschreibungen.» Weiter…


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