EU-Eröffnung: Etwas schwächer – BHP, Rio Tinto, Gewinnmitnahmen

Zudem waren die Leitindizes am Vortag sehr deutlich gestiegen. Der EuroSTOXX 50 büsste zuletzt 2,13 Prozent auf 2.329,69 Zähler ein. Der Londoner FTSE 100 gab 1,74 Prozent auf 4.080,64 Punkte ab, und der französische CAC-40-Index verzeichnete ein Minus von 1,45 Prozent auf 3.126,15 Zähler.


Die US-Börsen hatten am Vortag angetrieben durch die staatliche Hilfe für die Citigroup und eines von Barack Obama angekündigten «energischen» Konjunkturprogramms sehr fest geschlossen. Der Leitindex Dow Jones baute die Erholung vom Freitag um 4,93 Prozent aus. Am Morgen stand der Future auf den US-Leitindex moderate 25 Punkte unter seinem Niveau zum europäischen Börsenschluss vom Montag. Auch die Tokioter Börse holte nach dem Feiertag zum Wochenauftakt die Kursgewinne nach – der Nikkei-225-Index schloss 5,22 Prozent fester. Besondere Beachtung dürften einige US-Konjunkturdaten und dabei insbesondere das Verbrauchervertrauen und die BIP-Zahlen für das dritte Quartal finden. «Jeder wird auf die US-BIP-Zahlen schauen, ob sie bereits eine Kontraktion anzeigen, was dann offiziell die Rezession bestätigte», sagte ein Analyst. Das könnte möglicherweise zu deutlicheren Kursverlusten führen, so der Experte.


Auf Unternehmensseite waren alle Augen auf den australisch-britischen Rohstoffkonzern BHP Billiton und Rio Tinto gerichtet. BHP hat sein Übernahmeangebot für den britischen Bergbaukonzern zurückgezogen. «Dafür gab es vorher keine Anzeichen, das kommt überraschend», kommentierte ein Analyst. BHP-Aktien legten um deutliche 6,12 Prozent auf 1.040,00 Pence zu, während Rio Tinto um 36,61 Prozent auf 1.553,00 Pence einbrachen. Die abgesagte Fusion zog vor allem Minenwerte wie Lonmin, Xstrata und Eurasian Natural Resources nach unten. Sie alle verbuchten Kursverluste zwischen sechs und acht Prozent.


Die französische AXA rückte unterdessen mit einer Gewinnwarnung in den Fokus der Anleger und sackte um 13,84 Prozent auf 11,58 Euro ab. Der zweitgrösste europäische Versicherer hat wegen der Finanzmarktkrise sein Gewinnziel gekappt. Der operative Gewinn aus fortgeführtem Geschäft soll im laufenden Jahr nun zwischen 3,6 und 4,0 Milliarden Euro betragen. Zuletzt war der Konzern von einem Ergebnis auf Höhe des Vorjahresniveaus von 4,96 Milliarden Euro ausgegangen. Weitere Versicherungstitel wie Old Mutual und Allianz verloren im Sog der Gewinnwarnung ebenfalls deutlich.


Darüber hinaus zogen die Titel der britischen Grossbank Barclays die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich und legten gegen den Trend um 3,41 Prozent auf 151 Pence zu. Der Konzern hat am Montag die Zustimmung der Aktionäre zur umstrittenen Kapitalerhöhung gewonnen und das könnte den Kurs weiter beeinflussen. Etwa 87 Prozent der Aktionäre, die abgestimmt haben, stimmten der 7 Milliarden Pfund schweren Kapitalerhöhung zu. Berücksichtigt man die Enthaltungen, lag die Zustimmung bei 78 Prozent.


Dem Schweizer Elektro- und Automationstechnikkonzern ABB macht die derzeitige Konjunkturlage weniger Sorgen, da die Auftragsbücher gut gefüllt sind, erklärte der Konzernchef der TV-Show «SF Börse». Die Börse honorierte den Ausblick mit einem Aufschlag von 2,99 Prozent auf 13,80 Schweizer Franken.


EADS spürt dagegen die aktuelle Konjunkturschwäche um so mehr. Die Flugzeugtochter Airbus stellt sich trotz praller Auftragsbücher auf die Möglichkeit von Produktionskürzungen und Stellenabbau im kommenden Jahr ein. Denn viele Kunden haben wegen der weltweiten Kreditkrise Probleme, die Übernahme von Flugzeugen zu finanzieren. Der EADS-Kurs knickte um 2,05 Prozent auf 11,70 Euro ein.


Zudem standen BT Group auf den Verkaufslisten der Anleger, nachdem Merrill Lynch die Aktien des Telekomkonzerns von «Buy» auf «Neutral» herabgestuft und das Kursziel für die Briten von 190 Pence auf 140 Pence gekürzt hat. Der Konzern sei zunehmend konfrontiert mit dem deutlichen Rückgang der Konsumausgaben im Heimatland, hiess es in der Studie. Die Aktien gaben 3,99 Prozent auf 129 Pence ab.


Die italienischen Versorger notierten ebenfalls leichter. Die Regierung denkt offenbar darüber nach, die regulierten Gas- und Strompreise sowie Autobahnmautgebühren einzufrieren oder gar zu kürzen. Damit solle Unternehmen und Verbrauchern geholfen werden, die derzeitige Krise zu meistern, sagte eine Person aus Gewerkschaftskreisen am Montag nach einem Treffen mit Wirtschaftsminister Giulio Tremonti. Eni verloren 2,20 Prozent auf 17,79 Euro und Enel fielen um 3,09 Prozent auf 5,01 Euro zurück. (awp/mc/pg/11)

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