EU-Schluss: Talfahrt nach Hiobsbotschaften aus der US-Bankenbranche

Am Morgen hatte die schwer angeschlagene US-Investmentbank Lehman Brothers Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Die US-Regierung schloss dabei die zuvor in anderen Fällen geleisteten Staatshilfen bis zuletzt aus. Die Bank of America will das ebenfalls angeschlagene Investmenthaus Merrill Lynch für 50 Milliarden US-Dollar übernehmen. Die Zuspitzung der Finanzkrise in den USA habe auch die europäischen Bankenwerte stark belastet, hiess es von Experten der Landesbank Hessen Thüringen (Helaba). Nach Einschätzung der Commerzbank dürfte die jüngsten Entwicklungen im US-Finanzsystem zu einem weiteren Anstieg der Risikoaversion globaler Investoren führen.


In Paris brachen die Papiere der Societe Generale um 9,64 Prozent auf 58,74 Euro ein, die von BNP Paribas verloren 7,16 Prozent auf 59,92 Euro ein. Die französische Bank ist einer der grössten europäischen Kreditgeber von Lehman Brothers in Europa. Auch Lloyds TSB Group und Standard Chartered gehören zu den Instituten, die der vor dem Aus stehenden US-Investmentbank Kredit gewährt haben.


In London rutschten die Aktien von Barclays 9,84 Prozent auf 284,38 Pence ab, die Bank war noch in der vergangenen Woche als potenzieller Käufer von Lehman Brothers Holdings gehandelt. HBOS brachen um 17,55 Prozent auf 251,00 Dollar ein. Die britische Bank ist nach Einschätzung von Experten wie keine andere britische Bank von der Krise an den Finanzmärkten betroffen. Das Institut sei bei der Refinanzierung besonders auf die Kreditvergabe angewiesen. Angesichts der Zuspitzung der Krise an den Finanzmärkten nach dem Gläubigerschutz für Lehman dürfe frisches Geld für HBOS teurer werden, hiess es.


Aktien des niederländischen Versicherers Aegon rutschten um 10,40 Prozent auf 7,649 Dollar ab, obwohl es nach Angaben des Unternehmenschefs keinen Grund zur Sorge gibt. Börsianer fürchten indes, dass die neuen Probleme am Finanzmarkt auch die Versicherer erfasst. Der durch die Kreditkrise schwer getroffene Versicherer American International Group (AIG) hat am Sonntag laut einem Pressebericht die US-amerikanische Notenbank um einen Überbrückungskredit gebeten. Ein angekündigter Rettungsplan liess am Montag auf sich warten.


Neben der Bankenbranche sorgte zudem eine milliardenschwere Übernahme in der Chemiebranche für Schlagzeilen. Die Aktien des Schweizer Chemiekonzerns Ciba sprangen nach einem Übernahmeangebot durch den Konkurrenten BASF um 27,63 Prozent auf 48,50 Schweizer Franken hoch. BASF bietet nach eigenen Angaben insgesamt 50 Schweizer Franken für eine Ciba-Aktie. Die Offerte bewertet das Unternehmen mit 3,8 Milliarden Euro. Der Verwaltungsrat von Ciba unterstütze die Übernahmeofferte, hiess es.


Die Aktien des französischen Autozulieferers Michelin gerieten hingegen kräftig unter Druck. Die Papiere verloren nach einer Gewinnwarnung des deutschen Konkurrenten Continental 5,07 Prozent auf 47,50 Euro. Die Anleger würden nun auf schwache Geschäfte in der gesamten Branche der Automobilzulieferer schliessen, begründeten Händler die Kursverluste bei Michelin. (awp/mc/ps/32)

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