EU-Schluss: Verluste – US-Konjunkturdaten belasten

Wie der Chicago-Einkaufsmanager-Index belegt, hatte sich die Stimmung im September unerwartet eingetrübt. Die Expansionsschwelle war wieder unterschritten worden. Enttäuschend war zudem der Monatsbericht des US-Arbeitsmarktdienstleisters ADP zum Beschäftigungsabbau im Privatsektor ausgefallen. Er gilt als wichtiger Indikator für den am Freitag anstehenden Arbeitsmarktbericht.


Nachdem der europäische Leitindex zeitweise wieder in Richtung seines Jahreshochs bei 2.915 Punkten gestiegen war, beendete er den Tag mit einem Abschlag von 0,68 Prozent auf 2.872,63 Zählern. Der Pariser CAC-40-Index verlor 0,49 Prozent auf 3.795,41 Zähler. In London ging es für den FTSE 100 um 0,50 Prozent abwärts auf 5.133,90 Punkte. Der Swiss-Market-Index (SMI) hingegen schloss mit 0,10 Prozent im Plus.


Während die Aktien des europäischen Versicherungssektors die Verluste in den Indizes begrenzten, sorgten vor allem Aktien aus der Banken-, Telekom- und Rohstoffbranche für die allgemeine Marktschwäche. Die Versicherer-Titel hatten europaweit wegen einer positiven Branchenstudie der Deutschen Bank Auftrieb erhalten. Axa zählten zu den Spitzenwerten im EuroStoxx 50 mit plus 2,89 Prozent auf 18,50 Euro, gefolgt von den Titeln der Allianz , die um 1,84 Prozent zulegten oder Aegon , die 1,03 Prozent hinzugewannen. In London waren vor allem Legal & General gefragt, die um 6,10 Prozent auf 87,10 Pence stiegen. Aviva rückten um knapp vier Prozent vor.


Um auf eine Erholung zu setzen, sei Axa in Europa der beste Wert, hatte Deutsche-Bank-Analyst Spencer Horgan geschrieben und das Kursziel von 18,50 auf 19,60 Euro hochgesetzt. Legal & General stufte er von «Sell» auf «Hold» hoch. Zudem dürfte diese Aktie auch aufgrund von Spekulationen über eine Kaufofferte von Assicurazioni Generali zugelegt haben, sagten Händler. Der italienische Versicherer dementierte ein Interesse an dem britischen Wettbewerber.


Im Bankensektor drehten die meisten Aktien im Tagesverlauf ins Minus. Schwächster Wert im Auswahlindex der Eurozone war die Aktie der BNP Paribas , die 5,70 Prozent auf 54,60 Euro einbüsste. Der belgische Staat will sich teilweise an der Kapitalerhöhung der französischen Grossbank beteiligen. Dadurch verringert sich sein Anteil an der BNP von bislang 11,6 auf dann 10,8 Prozent. Belgien war im Mai BNP-Grossaktionär geworden. Die Unicredit-Aktien sanken um 1,65 Prozent auf 2,675 Euro. Auch die italienische Bank will, wie seit einigen Tagen erwartet, ihr Kapital um vier Milliarden Euro aufstocken. Zudem sei der Verkauf von Immobilien im Wert von 1,1 Milliarden Euro geplant.


Die Titel der Intesa SanPaolo schlossen hingegen kaum verändert. Die italienische Grossbank will das Kernkapital (Tier 1) durch die Ausgabe von Papieren um bis zu 1,5 Milliarden Euro erhöhen. Staatliche Hilfe in Form der so genannten Tremonti-Bonds will die Bank hingegen nicht in Anspruch nehmen. Die Anteilsscheine der Dexia Banque legten um 0,69 Prozent auf 6,30 Euro zu. Der Chef des belgisch-niederländischen Staatsfinanzierers, Pierre Mariani, rechnet damit, dass das dritte Quartal auf Höhe der vorangegangenen zwei Quartale liegen wird. Im zweiten Quartal hatte Dexia einen Gewinneinbruch erlitten. Der Überschuss war im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 55 Prozent auf 283 Millionen Euro gesunken. Allerdings schaffte Dexia damit eine Verbesserung zum ersten Quartal.


Die Danone-Aktien stiegen um 1,68 Prozent auf 41,18 Euro. Der französische Lebensmittelkonzern hat einen Schlussstrich unter die jahrelangen Streitereien mit seinem langjährigen chinesischen Partner Wahaha gezogen und steigt aus dem gemeinsamen Unternehmen aus. Danone will nun den Anteil von 51 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen Danone-Wahaha an den chinesischen Partner verkaufen. Finanzielle Details wurden nicht mitgeteilt. Kreisen zufolge soll der Konzern aber für seinen Anteil rund 300 Millionen Euro erhalten.


In London rückten einige Unternehmen mit ihren Zwischenberichten in den Fokus. Die Aktien von Thomas Cook zählten im 100 Werte umfassenden «Footsie» zu den schwächsten Titeln mit minus 3,53 Prozent auf 232,30 Britische Pence. Der Reiseveranstalter leidet weiterhin unter dem zögerlichen Buchungsverhalten der Urlauber. Auch Marks & Spencer zählten mit minus 3,39 Prozent auf 367,375 Pence zu den Verlierern. Zwar hatte der britische Einzelhändler den Umsatzrückgang auf dem Heimatmarkt verlangsamt und seine Margenziele für das Gesamtjahr angehoben, doch Konzernchef Stuart Rose bleibt vorsichtig und rechnet mit einem schwierigen Jahr 2010.


Die Anteilsscheine des Hedgefonds Man Group sprangen hingegen an der Index-Spitze um 7,50 Prozent auf 315,50 Pence hoch. Das verwaltete Vermögen war bis Ende September auf schätzungsweise 43,8 Milliarden Dollar gestiegen und hatte damit am oberen Rand der Markterwartungen gelegen. (awp/mc/pg/33)

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