EU-Verlauf: Am Mittag weiter schwach – Finanzkrise reisst Bankenwerte mit

Der Londoner FTSE 100 sackte um 2,30 Prozent auf 4.971,59 Punkte. Der französische CAC-40-Index verlor 2,72 Prozent auf 4.050,04 Zähler. Der angeschlagene Finanzkonzern Fortis wird teilweise verstaatlicht, die ebenfalls angeschlagene britische Hypothekenbank Bradford & Bingley (B&B) wird zerschlagen und wohl zum Teil verstaatlicht und für die Hypo Real Estate (HRE) schnürte der deutsche Bankensektor über Nacht eilig ein Rettungspaket. Das Bundesfinanzministerium bestätigte eine Bürgschaft in Höhe von 35 Milliarden Euro, um die Finanzhilfen der Privatbanken abzusichern. Die Aktie verlor zeitweise mehr als zwei Drittel ihres Werts. Die Einigung über das 700 Milliarden Dollar schwere Rettungspaket für die US-Finanzbranche komme gegen die neuen Hiobsbotschaften kaum an, sagten Händler.


Nach der staatlichen Rettungsaktion für den angeschlagenen Finanzkonzern Fortis sieht Bank-Chef Filip Dierckx die Zahlungsfähigkeit der Bank wieder gesichert. «Wir sind glücklich über die abgestimmte Aktion der Benelux-Regierungen», sagte Dierckx am Montag in Brüssel. «Wir haben das Problem der Liquidität gelöst.» Die Kapitalerhöhung stelle das Vertrauen der Kunden wieder her. Die Aktie rutschte nach einem anfänglichen Kurssprung um fast 15 Prozent bis zum Mittag ins Minus. Zuletzt verloren sie 3,47 Prozent auf 5,00 Euro. Kreisen zufolge ist BNP Paribas an der Übernahme von Fortis interessiert. Die französische Grossbank wolle jedoch nicht die von Fortis vor kurzem gekauften ABN-Amro-Sparten kaufen, hiess es in informierten Kreisen. Die Aktien von BNP fielen um 4,29 Prozent auf 65,35 Euro.


Papiere des belgisch-französischen Staatsfinanzierers Dexia Banque brachen unterdessen drastisch ein. Nach Berichten über eine Kapitalerhöhung stürzte der Kurs um bis zu 34 Prozent auf 6,62 Euro. Ein Dexia-Sprecher wollte die Berichte über die mögliche Kapitalspritze nicht kommentieren, bestätigte aber, dass der Dexia-Verwaltungsrat am Abend zusammenkommen will. Zuletzt stand die Aktie mit minus 22,65 Prozent bei 7,79 Euro. Die französische Zeitung «Le Figaro» hatte berichtet, dass die Dexia wegen der angespannten Lage an den Finanzmärkten frisches Geld braucht. Credit Agricole brachen um 5,90 Prozent auf 13,55 Euro ein. Societe Generale brachen um 5,21 Prozent auf 61,65 Euro ein.


In London stürzten Royal Bank of Scotland (RBS) mit 13,94 Prozent auf 179,00 Pence am deutlichsten ab. Aktien von Bradford & Bingley waren vom Handel ausgesetzt. Die angeschlagene britische Hypothekenbank Bradford & Bingley wird verstaatlicht und zerschlagen. Um einen Kollaps des Baufinanzierers zu vermeiden, springt der Steuerzahler für Hypotheken und Kredite in Höhe von 63 Milliarden Euro ein. Die Spareinlagen und das Filialnetz werden für rund 770 Millionen Euro vom spanischen Bankenriesen Santander übernommen und an dessen britische Tochter Abbey übertragen. Damit bekommen 2,7 Millionen B&B-Kunden mit Einlagen von 25 Milliarden Euro eine neue Hausbank.


In Italien wird unterdessen die Rettung der maroden italienischen Airline Alitalia in letzter Minute wird immer wahrscheinlicher: Nach fast 15-stündigen Verhandlungen haben in der Nacht zum Samstag auch die Piloten der Gesellschaft grünes Licht für einen Plan zur Sanierung der angeschlagenen Fluglinie gegeben.


In Frankreich sieht sich der Autokonzern PSA Peugeot Citroen trotz des aktuellen Markteinbruchs gut gerüstet, um seine Absatz- und Gewinnziele für 2010 zu erreichen. Die Aktien fielen im schwachen Marktumfeld dennoch um 2,33 Prozent auf 27,05 Euro. Auch der niederländische Elektronikkonzern Philips setzte sich ehrgeizige Ziele in seiner Lichtsparte. «Wir schaffen die Umsatzrendite von 14 Prozent bis 2010», sagte der Chef der Lichtsparte, Rudy Provoost, der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (Montagausgabe). Auch hier sank der Kurs trotz des ausgewiesenen Optimismus im schwachen Markt um 3,38 Prozent auf 19,15 Euro. (awp/mc/ps/20)

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