EU-Verlauf: Richtungslos nach fünftägiger Rally

Händler verwiesen auf die Verluste bei Finanztiteln, die überdurchschnittlich von der jüngsten, fünftägigen Aufwärtsentwicklung der Märkte profitiert hätten. An den US-Börsen waren die wichtigsten Indizes am Vorabend nach einer rasanten Berg- und Talfahrt am Ende mit positiven Vorzeichen aus dem Handel gegangen – der Dow Jones schloss mit plus 1,17 Prozent. Der Future auf den US-Leitindex notierte leicht höher als zum europäischen Börsenschluss. In Tokio ging der Nikkei 225-Index 1,84 Prozent höher aus dem Handel. Am Nachmittag könnten noch US-Konjunkturdaten wie die wöchentlichen Arbeitsmarktzahlen für Bewegung sorgen.


Im EuroSTOXX 50 sorgten vor allem Analystenkommentare für Kursausschläge. So büssten AXA 3,72 Prozent auf 9,185 Euro ein, nachdem Goldman Sachs das Papier des Versicherers von «Neutral» auf «Sell» abgestuft und auf seine «Conviction Sell List» gesetzt hatte. Nokia verbilligten sich um 3,52 Prozent auf 8,78 Euro – hier belastete eine Abstufung von Societe Generale. In Zürich gewannen Zurich Financial Services (ZFS) indes 1,79 Prozent auf 187,80 Schweizer Franken, nachdem Goldman Sachs die Aktie des Versicherers von «Neutral» auf «Buy» hochgestuft hatte.


Hennes&Mauritz (H&M) bestraften die Zahlenvorlage mit Verlusten von 5,64 Prozent auf 309,50 schwedische Kronen. Der Umsatz des Textilkonzerns ohne Einrechnung der neuen Filialen sank im ersten Quartal um fünf Prozent. Insgesamt stieg er einschliesslich Neugründungen und Währungseffekten um 18 Prozent auf 23,3 Milliarden Kronen (2,1 Milliarden Euro). Der Nettogewinn fiel von 2,9 auf 2,6 Milliarden Kronen. Dennoch will H&M seinen Expansionskurs mit der Eröffnung von 225 neuen Häusern bis Ende 2009 fortsetzen. «Ungünstige Währungseffekte haben H&M stärker getroffen als erwartet», sagte Anders Wiklund, Analyst bei der Evli Bank. Langfristig sei der Textilkonzern aber eine gute Anlage, selbst wenn die Aktie wegen dieser Währungseffekte vorerst schwankungsanfällig bleiben könnte. Auf den harten Wettbewerb als Belastungsfaktor verwies Sydbank-Analyst Soren Hansen.


In London drehten Kingfisher nach Auftaktgewinnen ins Minus und verloren 2,98 Prozent auf 137,60 Pence. Europas grösste Baumarktkette stellt sich nach ersten Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf ein sehr schwieriges Geschäftsjahr 2009/2010 ein und plant drastische Sparmassnahmen. Im Ende Januar ausgelaufenen Geschäftsjahr konnte der Konzern zwar noch rund drei Prozent mehr verdienen und die Markterwartungen erfüllen, bekam aber bereits die nachlassende Konsumlaune zu spüren. Mit der Schliessung eines Drittels seiner Baumärkte in China, der Kürzung von Investitionen und weiteren Einsparungen wollen die Briten gegensteuern. Händlern zufolge rechnet Kingfisher mit einer Entwicklung entsprechend der aktuellen Analystenprognosen.


Dagegen gehörten Rohstoffwerte angesichts zuletzt gestiegener Metallpreise zu den besten Titeln im «Footsie». Rio Tinto stiegen um 4,42 Prozent auf 2.317,00 Pence. Hier stützten zusätzlich Aussagen, dass der Rohstoffkonzern womöglich weitere Vermögenswerte verkaufen will, falls der geplante milliardenschwere Einstieg des staatlichen chinesischen Aluminiumkonzerns Chinalco doch noch scheitern sollte. Am Vortag hatte die australische Kartellbehörde grünes Licht für das vor allem in der Politik umstrittene Geschäft gegeben. Zudem rechnet Finanzvorstand Guy Elliott für die zweite Jahreshälfte mit einer Erholung der Metallpreise.


Roche verloren moderate 0,34 Prozent auf 48,30 Franken. Der Pharmakonzern schloss das Übernahmeangebot für die amerikanische Biotech-Tochter Genentech ab. Den Baslern wurden bis Ablauf der Angebotsfrist 395,7 Millionen Genentech-Aktien angedient, entsprechend einem Anteil von 84,7 Prozent der ausstehenden Aktien. Wie Roche an diesem Donnerstag mitteilte, hält der Konzern damit 93,2 Prozent der Genentech-Aktien. Zusätzlich wurde die Übergabe weiterer 3,0 Prozent der ausstehenden Genentech-Aktien innerhalb der nächsten drei Geschäftstage garantiert, was eine Beteiligung von 96,2 Prozent ausmachen würde. (awp/mc/ps/19)

Exit mobile version