EZB: Inflationsrisiken auch nach Zinserhöhung nach oben gerichtet

Der EZB-Rat hatte zuvor den Leitzins wie allgemein erwartet zum fünften Mal seit Dezember 2005 um 0,25 Prozentpunkte auf nun 3,25 Prozent angehoben und dabei das zuletzt verschäfte Straffungstempo beibehalten. Die EZB werde alle Entwicklungen mit Blick auf Inflationsrisiken «sehr aufmerksam» beobachten, sagte Trichet.


Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität
«Die Entscheidung reflektiert die mittelfristig bestehenden Aufwärtsrisiken für die Preisstabilität», sagte Trichet. Die Liquiditätsausstattung sei nach allen Massstäben üppig. Wenn sich die Erwartung einer weiteren Erholung der Wirtschaft fortsetze, bleibt es geboten, die akkommodierende Geldpolitik weiter zurückzunehmen, sagte Trichet. Die Inflation in der Eurozone bleibe trotz des jüngsten Rückgangs im laufenden und im kommenden Jahr im Durchschnitt voraussichtlich über zwei Prozent, sagte Trichet. Das hohe Geldmengenwachstum und die hohe Kreditvergabe an den privaten Sektor müssten genau beobachtet werden.


Inflationsrisiken eindämmen
Mit höheren Zinsen will die Notenbank Inflationsrisiken eindämmen. Der jüngste Ölpreisrückgang hatte die Inflation im September erstmals seit längerem in der Eurozone wieder unter die kritische Grenze von 2,0 Prozent auf 1,8 Prozent gedrückt. Die Inflationsabschwächung dürfte aus Sicht von Trichet aber eher ein vorübergehendes Phänomen bleiben. Auch ein neuerlicher Ölpreisanstieg könne nicht ausgeschlossen werden, sagte Trichet. Auch vor dem Hintergrund der gut laufenden Konjunktur hält die EZB offenbar kein niedriges Zinsniveau mehr für notwendig.


Günstige Aussichten für die Wirtschaftsentwicklungen
Die Aussichten für die Wirtschaftsentwicklungen seien günstig. Die wirtschaftliche Erholung scheine etwas stärker als bisher erwartet. Sie sei breiter fundiert und werde auch durch die heimische Nachfrage gestützt. Kurzfristig seien die Risiken nahezu ausgeglichen. Längerfristig bestünden angesichts des hohen Ölpreises, der globalen Ungleichgewichte und wachsenden Protektionismus aber Abwärtsrisiken.


Zinserhöhung einstimmig getroffen
Die Zinserhöhung um 0,25 Punkte auf 3,00 Prozent sei einstimmig getroffen worden. Die EZB habe keinen vorbestimmten Plan für Zinserhöhungen. Trichet trat der Erwartung einer weiteren Leitzinserhöhung um 0,25 Punkte bis zum Jahresende nicht entgegen. Mit Blick auf das kommende Jahr hielt sich Trichet allerdings bedeckt. Die EZB werde das notwendige tun, um Preisstabilität sicherzustellen. Nur acht Wochen nach der letzten Zinserhöhung hat die EZB damit das zuletzt verschärfte Tempo beibehalten. Mit der Erhöhung Anfang August hatten die Währungshüter den Rhythmus auf zwei Monate verkürzt. Zuvor hatten die Währungshüter den Leitzins jeweils im Vierteljahresrhythmus angehoben. (awp/mc/gh)

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