Felix Kunz, CEO Digital-Logic AG: «Sicherheits- und Verkehrstechnik bieten für uns derzeit das grösste Wachstumspotenzial»

von Patrick Gunti


Moneycab: Herr Kunz, die DIGITAL-LOGIC AG Schweiz hat ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2005 hinter sich. Der Gesamtumsatz konnte auf 25,556 Mio. Franken, der Bruttogewinn auf 12,238 Mio. Franken und der EBITDA auf 1,740 Mio. Franken gesteigert werden. Worauf führen Sie das ausgezeichnete Ergebnis zurück?


Felix Kunz: Unsere neu entwickelten Produkte eröffnen uns neue Geschäftsmöglichkeiten. Ausserdem konnten wir durch effizienzgesteigerte Massnahmen unsere Bruttogewinnmarge anheben.


Die Zahlen für das 1. Quartal 2006 lassen auch auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2006 schliessen. Von was für einem Wachstum gehen Sie im laufenden Jahr aus?


Wir erwarten einen Wachstum von 15%, was übrigens in etwa dem Marktwachstum für Embedded Computer entspricht.


Eine Verständnisfrage: Jedermann weiss, was ein Computer ist. Aber was genau sind Embedded Computer?


Es handelt sich um «normale» X86-Personal Computer, welche in einem Gerät (z.B. Billettautomat, Geldautomat, Maschinensteuerung, Navigationsgerät, Kopiergerät u.s.w.) integriert sind und eine ganz spezifische Aufgabe ausführen. Dank der X86/PC-Kompatibilität kann die Software mit PC-Programmiertools erstellt werden und alle auf den PC?s lauffähigen Betriebssysteme (LINUX, CE, WIN-XP, VISTA) können eingesetzt werden.


Wo gelangen Ihre Produkte zum Einsatz?


Überall wo kleine Rechner benötigt werden, welche bei Temperaturen zwischen -40°C und +85°C funktionieren müssen. Unsere Produkte werden in Automaten, in medizinischen Geräten, im Operationssaal, in Polizei- & Rettungsfahrzeugen, in Flugzeugen, in militärischen Geräten/Fahrzeugen, in der Bahn-, Steuerungs-, Sicherheits- und Messtechnik eingesetzt.


In welchen Bereichen liegen die Wachstumsmärkte der Zukunft?


Zur Zeit bieten die Sicherheits- und die Verkehrstechnik für uns das grösste Wachstumspotenzial.


Auf welchen Säulen beruht entsprechend der künftige Ausbau der DIGITAL-LOGIC Gruppe?


Die technologische Weiterentwicklung ist sehr wichtig. Mit dem PCI/104Express stellt Digital-Logic einen neuen Standard vor, welcher die Kommunikation zwischen dem Prozessormodul und den Peripheriekarten regelt und eine Geschwindigkeit von 22x 2.5GBit/sec zulässt, was der 50-fachen Geschwindigkeit der bisherigen Buslösung entspricht! Zusätzlich entwickelt Digital-Logic Multiprozessorlösungen um die Verarbeitungsleistung zu steigern.


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Ihr Unternehmen hat es seit seiner Gründung 1992 an die Weltspitze im Markt der Embedded Computer geschafft. Welchen Kompetenzen hat DIGITAL-LOGIC diesen Aufstieg zu verdanken?


Die wichtigsten Kompetenzen liegen in der Miniaturisierung von Elektronikschaltungen verbunden mit einem effizienten Thermikmanagement, dem Support und der Langfristverfügbarkeit (5-10 Jahre) unserer Produkte, der Kompetenz in der Produktion von SMT-Produkten und dem Verkauf in über 20 verschiedene Länder. Der Exportanteil beträgt 90%.



«Auch in der Schweiz ist ein Überreglementierung vorhanden, welche extrem ineffizient wirkt.»  Felix Kunz, CEO DIGITAL-LOGIC AG


Welche Rolle spielt der Standort Schweiz dabei?


Mit dem Standort verbunden sind recht liberale Arbeitsgesetze, gut ausgebildete Mitarbeiter, stabile politische Verhältnisse. Trotzdem ist auch in der Schweiz eine Überreglementierung (MwST, StG, Arbeitszeitvorschriften, Zollauflagen, KGV) für KMU?s vorhanden, welche extrem ineffizient wirkt.


DIGITAL-LOGIC hat mit dem MICROSPACE Entertainment Center MEC bereits zwei Auszeichnungen für innovatives Design gewonnen. Worum genau handelt es sich beim MEC?


Der MEC ist ein Multifunktionsgerät, welches die Funktionen TV-Gerät, TV-Recorder, elektronisches TV-Programmheft, Radio, DVD-Player, DVD-Recorder, Internet und die Standard-PC Funktionen vereinigt und diese in einem lüfterlosen und ansprechenden Gehäuse integriert.


Sie entwickeln selber seit über 20 Jahren neue PC?s. Alte Geräte entsorgen Sie jedoch nicht, Sie sammeln sie und haben mittlerweile sogar ein eigenes Museum dafür eröffnet. Was für Raritäten finden interessierte Besucher in Ihrem Museum in Solothurn?


Im PC Museum befinden sich ca. 1000 Computer, wobei die meisten noch funktionsfähig sind. Der älteste Computer ist ein IBM305 Röhrenrechner von 1956. Weitere Raritäten sind: Ein Transistorrechner Sperry Univac, ein Rechencenter IBM 370 (Gesamtgewicht 18 Tonnen), PDP8, PDP11 von DEC, PET2001, Apple 1, die Apple-Lisa  und der Ur-PC von 1981. Von der IBM-, Apple-, Commodore- und ATARI-Linie sind praktisch alle Computermodelle vorhanden. Zu sehen sind auch Radioempfänger von 1923 und TV-Empfänger ab dem Jahr 1945. Die Telefonie ist mit dem ersten 1890 in der Schweiz installierten Telefonapparat bis heute mit allen wichtigen Modellen vertreten. Die Büromaschinenabteilung zeigt mechanische Rechner (MADAS, MERCEDES von 1900), alle HERMES Schreibmaschinen, das NATEL-A, die Curta, Taschenrechner (HP-35, TI-2500) die Diktaphone und Alibiphone.


Herr Kunz, wir bedanken uns für das Interview.






Zur Person:
Felix Kunz (1961), El. Ing. HTL. Jahrgang 1961, ist Mitgründer, Verwaltungsratspräsident und CEO der DIGITAL-LOGIC AG. Berufliche Tätigkeit u.a. als Geschäftsleiter der Firma Kunz-Titronic, Entwicklungsleiter bei der Dacom AG, Prüfungsexperte an der Ingenieurschule Biel.


Zum Unternehmen:
DIGITAL-LOGIC, eines der weltweit führenden Unternehmen im Embedded Computermarkt mit Stammsitz in Luterbach/Schweiz, wurde 1992 gegründet und beschäftigt sich mit der Entwicklung, Produktion und internationalen Vermarktung von hochintegrierten Embedded PCs und Computer-Systemen. Mit Tochtergesellschaften in Deutschland und Frankreich sind heute weltweit rund 130 spezialisierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für DIGITAL-LOGIC tätig.

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