Humphrey Percy, Bank of London and the Middle East

von Gérard Al-Fil


Herr Percy, wie fällt die Bilanz der Bank of London and the Middle East (BLME) zweieinhalb Jahre nach ihrer Gründung aus?


Wir haben seit unserem Start im Juli 2007 unseren Business-Plan klar eingehalten und liegen in einzelnen Bereichen leicht über unseren Zielen. Unsere Bilanzsumme ist in drei Jahren auf 800 Mio. Pfund Sterling an gewachsen. Wie haben 250 Mio. Pund Eigenkapital, 60 Mitarbeiter und zwei Niederlassungen. Wir haben die folgenden fünf Geschäftsfelder aufgebaut: das Private Banking und den Bereich  Corporate Advisory und Asset Management, dazu Capital Markets and Treasury und Corporate Banking and Leasing und Handelsfinanzierungen.


Welches Geschäftsfeld liefert überdurchschnittliche Ergebnisse?


Sehr zufriedenstellend laufen im Speziellen die Segmente Immobilien, Leasing und Handelsfinanzierungen. In den Segmenten Vermögensverwaltung und Private Banking sehen wir noch Potenzial. Diese Divisionen gedeihen, aber noch nicht in dem Masse, wie das für uns erstrebenswert wäre. Wir arbeiten sehr daran, dass sie mit dem Erfolg der Erstgenannten aufschliessen.


Wer sind ihre Kunden?


Unsere Kunden sind in erster Linie institutionelle Anleger in Europa und in Nordamerika. Im Mittleren Osten legen wir das Gros unserer Liquidität an. Es sind vor allem konventionelle, also nicht-islamische Banken, die bei uns anlegen und sich Geld auf der Grundlage der Scharia leihen. Das sind zwischen 50 und 60 Prozent aller Kunden.


«Wir würden sogar mehr Marktteilnehmer begrüssen, denn dies führt zu Innovation in der jungen Branche.»


Es gibt mittlerweile fünf rein islamische Banken in Grossbritannien. Darüber hinaus bieten 21 weitere konventionelle Grossbanken wie HSBC Scharia-Finance über sogenannte Islamic Windows an. In Grossbritannien leben 1,8 Millionen Muslime. Ist es dennoch zu früh, um von einem intensiven Wettbewerb zu sprechen?


Sie vermuten es richtig: wir spüren den Wettbewerb nicht wirklich. Es gibt noch viel Raum für Wachstum. Wir würden sogar mehr Marktteilnehmer begrüssen, denn dies führt zu Innovation in der jungen Branche. Wir sind überzeugt: Erfolg schafft weiteren Erfolg!


Inwieweit wurde der Erfolg Ihrer Bank zuletzt durch die Weltfinanzkrise begrenzt?


Als Finanzinstitut, das auf der Grundlage der koranischen Rechtsprechung operiert, haben wir, ja mussten wir jene Instrumente meiden, welche die Finanzkrise mitausgelöst und verstärkt haben. Dazu zählen: hochverzinsliche Anleihen, Forderungspakete aus Subprime-Kontrakten, Derivate und Hedge Funds – all diese Produkte gelten im Islam als unrein oder haram. Betroffen waren wir gleichwohl im Bereich der Sukuk-Entwicklung und Emission. Sukuk sind Islamische Finanzierungsinstrumente mit Anleihe-Charakter. Zwei Sukuk-Engagements, die eigentlich 2009 hätten kotiert werden sollen, befinden sich noch in der Pipeline. Dies lag einfach an der generellen Risikoaversion und der abwartenden Haltung unter den Anlegern. Davon war die gesamte Finanzbranche erfasst. Sie schliesst das Islamic Banking ein. Aber insgesamt hat sich die BLME gut entwickelt, und wir sind für die Zukunft zuversichtlich. 


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Der britische Premierminister Gordon Brown hat 2007, damals noch in seiner Rolle als Schatzkanzler, Sukuk als Finanzierungsinstrument legalisiert. Wann wird das Vereinigte Königreich den ersten Islamic Bond begeben?


Dies war schon länger geplant, nur hat sich eine Emission durch die Wirtschaftslage leider verzögert. In der Islamic Finance-Branche hoffen wir, dass das britische Schatzamt auf den ersten Sukuk innert der nächsten ein, zwei Jahre lancieren wird. Der Finanzierungsbedarf des Staates ist ja bekanntlich gestiegen.


In der Schweiz gibt es erst eine islamische Bank, die Faisal Private Bank in Genf. Hat sich der Finanzplatz Schweiz Ihrer Meinung nach mit dem Ja zum Minarettverbot im Wettlauf um nahöstliche Vermögen ins Abseits manövriert?


Es würde mich wundern, wenn Hunderte von Milliarden Dollar aus Nahost, die bei Schweizer Banken angelegt sind, so Knall auf Fall abgezogen würden. Fakt ist, dass London klar die Führerschaft als Finanzplatz für Islamic Finance in Europa übernommen hat. An der London Stock Exchange (LSE) sind 19 Sukuk im Wert von 11 Mrd. Dollar kotiert. Neben den fünf Islamic Banks, die von der Aufsichtsbehöorde Financial Services Authority FSA reguliert werden, gibt es in London 18 Anwaltskanzleien, die sich auf die Beratung in der Islamic Finance spezialisiert haben. Wie gesagt, würden wir aber mehr Wettbewerber aus Kontinentaleuropa begrüssen. Was den Finanzplatz Schweiz angeht, so glaube ich aber nicht, dass das Minarett-Verbot dessen Ambitionen im Mittleren Osten beeinträchtigen könnte.


«Es würde mich wundern, wenn Hunderte von Milliarden Dollar aus Nahost, die bei Schweizer Banken angelegt sind, so Knall auf Fall abgezogen würden.»


Ambitionen benötigen kluge Köpfe. Es heisst, qualifiziertes Personal sei knapp in der Islamic Banking-Branche?


Das ist in der Tat so. Wir beschäftigen 60 Personen bei der Bank of London and the Middle East (BLME). Mehr als die Hälfte von ihnen, ich glaube 35 unserer Mitarbeiter, haben die Islamic Finance Qualification IFQ des Londoner Chartered Institute for Securities and Investment CISI erfolgreich absolviert. Unsere Belegschaft stellt einen gesunden Mix aus erfahrenen und jungen Bankern aus Grossbritannien, dem Nahen Osten und Europa dar. Darunter sind sowohl gestandene Experten als auch Islamic Banking-Newcomer, die sich die Scharia-Finance Schritt für Schritt anlernen. Wir sind in unserer Expertise den Grossbanken sogar voraus, weil wir eine rein islamische Bank sind. Das bedeutet, dass jeder Einzelne um das Vokabular und die Arithmetik der Islamic Finance nicht umhinkommt.


Welches sind Ihre mittelfristigen Ziele?


Wir wollen in mehr Märkten eine wachsende Rolle spielen und unsere Kundenbasis ausbauen.


Wie weit reicht ihr Operationsgebiet im Nahen Osten? Betreiben Sie auch Banking im Iran?


Nein, dort nicht.


Herr Percy, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.





Das Interview enstand an der World Islamic Banking Conference am 6./7. Dezember 2009 in Manama, Bahrain.


Zur Person
Humphrey Percy ist Executive Director und CEO der Bank of London and the Middle East (BLME). Diese Funktionen bekleidet er seit der Gründung des islamischen Geldhauses im Juli 2007. Percy hat über 30 Jahre Bankerfahrung und spezialisierte sich während seiner Laufbahn auf die Bereiche Geldmarkt und Devisenhandel. Bei der britischen Barclays Bank war Percy von 1986 bis 1994 Global Head of Foreign Exchange, ebenso bei der West LB von 1995 bis 2002 und bei ICAP von 2004 bis 2005. Humphrey Percy führte eine Zeit lang auch seine eigene Devisenhandelsfirma SGM-FX Ltd., die er im jahr 2002 gründete.


Das Unternehmen
Die Bank of London and the Middle East (BLME) ist eine von fünf rein islamischen Banken, die in Grossbritannien von der britischen Finanzaufsichtsbehörde FSA lizenziert sind. Islamische Banken vergeben keine Kredite nach konventioneller Lesart, weil der Koran in Sure 2, Vers 275, Zinsen verbietet. Stattdessen beteiligen sich Scharia-Institute an Projektfinanzierungen und rechnen die Kundeneinlagen dem Eigenkapital hinzu. Die BLME wurde im Juli 2007 gegründet und unterhält neben ihrem Hauptsitz in der City of London eine Filiale im Londoner Westend. Die Boubyan Bank aus Kuweit hält ein Fünftel an der BLME. Anteile halten auch einzelne Unternehmer und Investitionsgesellschaften aus dem arabischen Golfstaat sowie Mitglieder der kuweitischen Herrscherfamilie Al-Sabah. Die BLME sieht seine Rolle darin, eine Brücke zwischen westlichen Ländern und den Hochburgen der Islamic Finance im Nahen Osten zu schlagen. Weltweit dürfte das Banking um den Koran und Kapital auf ein Billion Dollar anwachsen, der Markt wäcst um 15 bis 20 Prozent pro Jahr. 

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