KarstadtQuelle mit Middelhoff an der Spitze

Sein Amt als Aufsichtsratschef übernimmt der ehemalige Linde-Finanzchef Hero Brahms. Finanzvorstand Pinger soll sich zudem um den Versandhandel kümmern. Der bisherige Chef von Quelle und Neckermann, Arwed Fischer, wird das Unternehmen verlassen. Nachdem sich die Lage des Konzerns vor allem wegen des schwachen Versandgeschäfts verschlechtert hatte, habe man schnell handeln müssen, sagte Middelhoff zur Erklärung. Jeder der vier Kandidaten, die seit Achenbachs Rücktritt in der engeren Wahl standen, hätten Übergangsfristen gehabt und zudem eingearbeitet werden müssen. Dies hätte den Sanierungsprozess verzögert. Ein interner Kandidat sei nicht Frage gekommen.


Middelhoff ist Wunschkandidat

Der neue Aufsichtsratschef Hero Brahms bezeichnete Middelhoff als «Wunschkandidaten». Man habe ihn schon zu einem früheren Zeitpunkt gefragt, ob er das Amt übernehmen wolle, räumte Middelhoff ein. Damals habe er aber abgelehnt, weil er mit seinem Leben bei der Beteiligungsgesellschaft Investcorp in London glücklich war. Als sich die Lage bei KarstadtQuelle aber verschlechterte und die Zeit drängte, habe er keine Alternative gesehen. «Es war eine Notsituation. Mein Name war mit der Sanierung ganz wesentlich verknüpft und meine Reputation und die Investcorps hätten gelitten.» Auch die Grossaktionäre Allianz und der Aktionärs-Pool Schickedanz, der erst kürzlich seine Anteile an KarstadtQuelle aufgestockt hat, hätten ihn überredet.

Keine Zerschlagung im Sinn

Middelhoffs Vertrag läuft drei Jahre. «Ich bin bereit, das Unternehmen bis zum erfolgreichen Abschluss des Turnarounds zu führen», sagte er. Eine Zerschlagung, wie sie immer wieder in Marktkreisen diskutiert wird, werde es nicht geben. «Ich bin nicht als Finanzinvestor gekommen», sagte der Manager. Mit der neuen Führungsmannschaft will der KarstadtQuelle-Konzern seine Sanierung schneller in den Griff bekommen. «Es geht vor allem darum, die Umsätze zu beleben», sagte Middelhoff. Versandchef Arwed Fischer musste seinen Hut nehmen, weil er die Umsatzerosion in seiner Sparte nicht stoppen konnte. Das Versandgeschäft wies im ersten Quartal einen um 9,5 Prozent rückläufigen Umsatz aus, der massgeblich für das schlechte Abschneiden des Konzerns veran twortlich ist. Insgesamt sanken die Konzernerlöse in den ersten drei Geschäftsmonaten um 8,4 Prozent auf 2,97 Milliarden Euro.

Dezentralisierung angestrebt

Verantwortlich für die Situation im Versand, die vor allem bei Quelle schlecht ist, machte Finanzvorstand Pinger neben dem ungünstigen Marktumfeld auch interne Probleme. Die extrem komplizierte Gesellschaftstruktur habe es an der Fokussierung auf das operative Geschäft mangeln lassen, sagte er. Jetzt sei eine interne «Task Force» gegründet worden, über deren Aufgaben in den kommenden sechs Wochen berichtet werde. KarstadtQuelle hat bereits damit begonnen, das Katalogkonzept zu modernisieren. Auch auf Konzernebene soll eine schlankere und dezentralere Organisation und Führungsstruktur den Konzern schlagkräftiger machen. Vorgesehen sind unter anderem mehr unternehmerische Freiräume in den operativen Einheiten, mehr Verantwortung für die zweite Führungsebene und kürzere Entscheidungswege. Im Zuge der Verschlankung des Managements sollen die einzelnen Aktiengesellschaften unterhalb der Führungsholding von KarstadtQuelle in die Rechtsform einer GmbH umgewandelt werden. Die operativen Einheiten werden direkt der Konzernzentrale unterstellt.

Achenbachs Rücktritt nicht gewollt

Öffentlich Stellung bezog Middelhoff auch zum Ausscheiden seines Vorgängers Christoph Achenbach. Sein Rücktritt «war von uns nicht so gewollt», sagte Middelhoff. Achenbach habe zu ei nem Zeitpunkt um eine Vertragsverlängerung gebeten, zu dem es aus Sicht des Unternehmens nicht möglich war. «Der Aufsichtsrat ist immer davon ausgegangen, dass Achenbach seinen Vertrag erfüllt.» Mit den Neuerungen in Struktur und Management hofft KarstadtQuelle nun auf ruhigeres Fahrwasser. «Dies haben das Unternehmen und die Mitarbeiter verdient, sagte Middelhoff. Der neue Aufsichtsratschef Hero Brahms kommt vom Industriegasehersteller Linde und war zuvor bei der Kaufhof AG . Er gilt im Gegensatz zu Middelhoff als Mann mit ausgewiesener Handelserfahrung. Middelhoff wiederum war bis 2002 Vorstandschef des Medienkonzerns Bertelsmann, bis er sich mit der Eignerfamilie Mohn wegen seiner Börsenpläne für den Konzern überwarf. Seit 2003 ist der 52-Jährige Partner bei Investcorp, dort ist er nun freigestellt. 2004 wurde Middelhoff dann Aufsichtsratschef von KarstadtQuelle. (awp/mc/as)
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