Metro-Chef spricht mit Merkel über Karstadt

Dabei sollen nach den Informationen der Zeitung aus Koalitionskreisen der 40 (30 Karstadt-Häuser und 10 Filialen von Galeria Kaufhof) der insgesamt 206 Warenhäuser geschlossen werden. Von diesen 40 bedrohten Standorten könnten aber 20 Häuser als Elektromärkte (z.B. Saturn) oder von anderen Handelsfirmen weitergeführt werden. Bei einem Zusammengehen beider Warenhaus- Unternehmen müssten 5.000 Vollzeitkräfte abgebaut werden, schrieb das Blatt weiter.


Zwei Drittel der Häuser übernehmen
Metro-Finanzvorstand Thomas Unger sagte der Tageszeitung «Die Welt» (Donnerstagausgabe): «Wir sind sicher, dass wir von den 90 Häusern 60 übernehmen und in unser Galeria-Kaufhof-Konzept integrieren können». Damit gebe der Konzern «dem weit überwiegenden Teil der Karstadt-Beschäftigten eine gesicherte Zukunft», so Unger. Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick hatte den Metro- Vorschlag bisher abgelehnt.


Seehofer: Nur noch wenige Tage Zeit
Nach Angaben des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) bleiben zur Rettung des Arcandor-Konzerns nur noch wenige Tage Zeit. «Nächste Woche stehen Problemen mit den Banken an. Also bis Anfang nächster Woche muss eine Entscheidung fallen», sagte Seehofer am Mittwochabend nach einem Gespräch mit Vertretern von Betriebsrat und Firmenleitung in Nürnberg. Daher dränge die Zeit für eine Rettung des Konzerns.


EU gegen Arcandor-Hilfen
Die EU-Kommission äusserte am Mittwoch erhebliche Zweifel daran, dass Arcandor (ehemals KarstadtQuelle) erst seit der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise in Problemen steckt. Die Kriterien für die Staatshilfen seien damit nicht erfüllt. Auch die Bundesregierung liess durchblicken, dass Arcandor damit wohl nicht mehr auf den Notfonds setzen kann. Arcandor hofft auf eine Staatsbürgschaft von 650 Millionen Euro und einen Kredit über 200 Millionen Euro. Für diese Hilfen demonstrierten am Mittwoch rund 4000 Beschäftigte von Quelle und Karstadt in Nürnberg. Unterdessen wurden Forderungen aus der Politik nach einem stärkeren Engagement der Eigentümer lauter.


EU hält Arcandor für «nicht förderungswürdig»
Ein Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes teilte am Mittwoch mit, nach Analyse der vorliegenden Informationen sei Arcandor «nicht förderungswürdig, weil er schon vor dem 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten gewesen ist». Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sagte daraufhin, dies habe zur Folge, dass Arcandor keine Hilfen aus dem Deutschlandfonds bekommen könne. Arcandor müsse stattdessen Rettungs- oder Umstrukturierungshilfen prüfen. Diese wären aber mit deutlichen Kürzungen bei den Kapazitäten und Arbeitsplätzen verbunden. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) forderte dagegen, die Staatshilfen für Arcandor weiter «vorurteilsfrei» zu prüfen.


Banken schiessen quer
Bei den Verhandlungen um überlebensnotwendige Kredite für Arcandor schiessen nach Informationen der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX die kleineren der Kredit gebenden Konsortialbanken quer. Sie hätten klar gemacht, dass sie nicht bereit seien, den auslaufenden Kredit über insgesamt 650 Millionen Euro zu verlängern oder neue Darlehen zu gewähren. Auf die betroffenen Banken entfalle ein Rahmen von rund 100 Millionen Euro. Damit stehe auch die Gesamtfinanzierung auf der Kippe. Ein Arcandor-Sprecher sagte auf Anfrage: «Wir sind mit den kleineren Banken weiter im Gespräch.» (awp/mc/ps/04)

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