Museum Rietberg: Falken, Katzen, Krokodile – Tiere im alten Ägypten


Der Gott Thot in Gestalt eines Ibisses
Mittelägypten, Tuna el-Gebel, Spätzeit, 688?332 v.Chr.
Vergoldetes Holz und Bronze


Im Alten Ägypten waren Tiere von grosser Bedeutung. Ihre Eleganz und Schönheit wurden bewundert, ihre Kraft zugleich gefürchtet, vor allem aber wurden sie verehrt. Denn viele Tiere galten als Erscheinungsformen göttlicher Kraft, da sie über Fähigkeiten verfügen, die den Menschen fehlen. Dieses Andersartige, Rätselhafte und zugleich Geheimnisvolle brachten die Ägypter mit göttlichem Wirken in Verbindung. Ganze Spezies galten als lebende Verkörperungen bestimmter Gottheiten. So manifestierten sich beispielsweise Horus im Falken, Bastet in der Katze und Sobek im Krokodil. In der ägyptischen Kunst  wurden dementsprechend Tiere möglichst genau und sorgfältig dargestellt.


Dieser Glaube erstarkte vor allem in späterer Zeit, im 1. Jahrtausend v. Chr., und führte zu dem Brauch, dass die Ägypter ihre Götter mit einbalsamierten und mumifizierten Tieren beschenkten. Zeugnis dieses Brauchs legt in der Ausstellung zum Beispiel ein wunderschöner, vergoldeter Ibis ab. Der Ibis galt als das heilige Tier von Thot, dem Gott der Weisheit und Schutzpatron der Schreiber. Die vergoldete Figur dürfte ursprünglich auf einer hölzernen Basis gestanden haben, die gleichzeitig als Sarg für einen mumifizierten Ibis diente. Sie stammt höchstwahrscheinlich aus der Nekropole Tuna el-Gebel, in der Tausende von Ibissen als Opfergabe dargebracht wurden.



Falke
Wahrscheinlich aus Heliopolis
30. Dynastie, Regierungszeit von Nektanebos II., 360?342 v.Chr.
Grauwacke (mit Inschrift der Namen des Königs auf dem Sockel)


Die Ausstellung präsentiert eine Tierwelt, wie sie zur damaligen Zeit in den Weiten der Wüste, im Wasser des Nils oder im fruchtbaren Schwemmland anzutreffen war. Die Tiere sind entsprechend ihrem Lebensraum geordnet. Zoologische Gesichtspunkte stehen im Vordergrund der Betrachtung; aber auch die kulturgeschichtliche Bedeutung dieser Wesen wird eingehend beleuchtet.


Mit Erstaunen nimmt man zur Kenntnis, wie gross der Artenreichtum im Alten Ägypten war, sei es im Wasser, im  Schilfdickicht oder in der Wüste. Es ist eine Tierwelt, die heute so nicht mehr existiert. Klimatische Veränderungen, aber auch die Überjagung und die zunehmende Kultivierung der Landschaft durch den Menschen haben die Tierbestände reduziert. Die anspruchsvolleren Grosstierarten wichen weit nach Süden aus: Elefant, Löwe, Nilpferd und Krokodil findet man heutzutage erst wieder im Inneren Afrikas. Dort wird die jahrtausendealte Bilderwelt des alten Ägypten wieder lebendig.


 


Sakkara
Ptolemäische Zeit, 323?30 v.Chr.
Bronze (hohl, in zwei Teilen gegossen)


Zu den herausragenden Ausstellungsobjekten gehört die Buchis-Stele. König Ptolemaios V. (205?180 v.Chr.) stiftete diese Stele, die noch immer ihre ursprüngliche, bunte Bemalung besitzt, dem heiligen Stier Buchis, in dem sich der Kriegsgott Month manifestiert. Entdeckt wurde sie in einer Nekropole in Armant, in der die irdischen Verkörperungen von Buchis beigesetzt worden sind. Die zentrale Szene zeigt Ptolemaios V., der einem goldenen Standbild des Buchis-Stiers die Hieroglyphe für Land darbringt. Nicht minder eindrücklich ist die Falkenstatue von König Nektanebos II. (360?342 v. Chr.). Im alten Ägypten glaubte man, der König sei eine Verkörperung des Himmelsgottes Horus, der in Gestalt eines Falken auftrat; die Statue verleiht diesem Glauben Ausdruck. Aus griechisch-römischer Zeit schliesslich stammt die Schlange des Gottes Asklepios. Das eingerollte Tier reckt den Kopf in die Höhe, um sich zu verteidigen. In einer der Windungen des Köpers ist ein kleiner Schlitz versteckt. Die Schlange war offenbar Teil eines Opferstocks in einem Asklepios-Tempel. Pilger, die auf Heilung hofften, haben wohl ihre Bittgebete an Asklepios, den Gott der Heilkunst, durch diese Öffnung gesteckt. (mr/mc/th)



Buchis-Stele von Ptolemaios V.

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