Notverkauf von Bear Stearns scheint unsicher

Unter den Grossaktionären von Bear Stearns regt sich nach einem Zeitungsbericht Widerstand gegen den extrem niedrigen Verkaufspreis. Unter anderem der Milliardär Joseph Lewis, der 9,4 Prozent an Bear Stearns hält, lehne den Preis von weniger als 300 Millionen Dollar als zu niedrig ab, berichtete das «Wall Street Journal» am Dienstag. Nach Informationen des US- Wirtschaftssenders CNBC plant JPMorgan unterdessen, die Hälfte der rund 14.000 Arbeitsplätze bei Bear Stearns zu streichen.


Bear Stearns-Aktie legt zu
Die Börse geht davon aus, dass das letzte Wort bei dem Notverkauf noch nicht gesprochen ist. Die Aktie der angeschlagenen Investmentbank legte im frühen Handel am Dienstag um fast 32 Prozent auf 6,34 Dollar zu. Das Kaufangebot von JPMorgan bewertete Bear Stearns zu Kursen vom Freitag noch lediglich mit zwei Dollar je Aktie. Bear Stearns selbst hatte noch am vergangenen Freitag etwa 80 Dollar je Aktie als fairen Preis angesehen. Zudem könnten besser als erwartet ausgefallene Zahlen der Konkurrenten Goldman Sachs und Lehman Brothers Holdings der Wall Street neue Hoffnung eingehaucht haben.


Mitarbeiter rebellieren
Auch viele Bear-Sterns-Beschäftigte, die zusammen 30 Prozent der Anteile haben, drohten, gegen das Geschäft zu stimmen, schrieb das «Wall Street Journal» weiter. Auch andere grosse Investoren hätten ihre Unzufriedenheit mit dem Deal signalisiert. J.P. Morgan rechne fest mit Klagen unzufriedener Aktionäre. Für Prozesse seien bereits sechs Milliarden Dollar zurückgestellt.


Für den Notverkauf von Bear Stearns ist die Zustimmung der Aktionäre erforderlich. Es sieht zwar so aus, als wäre die Insolvenz die einzige Alternative zu dem Kauf durch JPMorgan. Allerdings gehen einige Anteilseigner davon aus, dass sie selbst bei einer Liquidation der Bank besser wegkommen könnten: Allein das New Yorker Hauptquartier von Bear Stearns dürfte mehr als eine Milliarde Dollar wert sein.


Zahlenvorlage verschoben
Wie genau sich das Geschäft von Bear Stearns in den vergangenen Monaten entwickelte, bleibt weiter unklar: Die für Montagabend angekündigte vorgezogene Vorlage von Zahlen für das erste Geschäftsquartal sagte Bear Stearns unter Hinweis auf die Verkaufspläne wieder ab.


Chinesische Broker lässt Deal mit Bear Stearns platzen
Das chinesische Brokerhaus CITIC Securities liess unterdessen den geplanten Einstieg bei Bear Stearns wie bereits angedeutet wegen der Notübernahme durch JPMorgan platzen. Der chinesische Broker, der zur staatlichen China International Trust & Investment Corp. gehört, hatte im Herbst seinen Einstieg mit sechs Prozent bei Bear Stearns für eine Milliarde Dollar angekündigt. Im Gegenzug wollte sich Bear Stearns für ebenfalls eine Milliarde Dollar mit zwei Prozent an dem Geschäft der Chinesen beteiligen. Daneben wollte sich CITIC die Möglichkeit sichern, den Anteil an Bear Stearns auf knapp zehn Prozent zu erhöhen. (awp/mc/pg)

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