Obama: 60-Tage-Ultimatum für General Motors

Als ersten Schritt für einen Neuanfang bei GM setzte die US-Regierung einen Chefwechsel durch: Der langjährige Konzernlenker Rick Wagoner wurde durch den bisherigen Vize und einstigen Europa-Chef Frederick («Fritz») Henderson ersetzt. Wagoner hielt sich seit 2000 trotz riesiger Verluste, Absatzeinbrüche und heftiger Kritik im Sattel bei GM. Der 50-jährige Henderson galt bei vielen bereits als ausgemachter Wagoner-Nachfolger. Als Chief Operating Officer war er seit einem Jahr für das laufende Geschäft zuständig. Der Opel-Betriebsrat begrüsste den Schritt: «Henderson kennt Europa sehr gut, wir arbeiten in einem offenen und guten Dialog miteinander», sagte Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz der Deutschen Presse-Agentur dpa.


Obama: GM hat Überlebenschance
Obama gab sich zuversichtlich, dass GM eine Überlebenschance habe. «Ich bin überzeugt, dass GM wieder aufsteigen kann, vorausgesetzt, dass GM eine grundsätzliche Umstrukturierung durchmacht.» Die bisher vorgelegten GM-Sanierungspläne seien aber nicht ausreichend. Die Sonderkommission der US-Regierung ging aussergewöhnlich hart ins Gericht mit den bisherigen Sanierungsplänen von GM und des kleineren Konkurrenten Chrysler. Ausdrücklich hiess es, möglicherweise werde ein Insolvenzverfahren die beste Lösung sein, in «schneller und chirurgischer Manier».


US-Regierung: Chrysler allein nicht überlebensfähig
Die frühere Daimler-Tochter Chrysler betrachtet die US-Regierung eigenständig als nicht überlebensfähig. Der Autobauer hat auch nur 30 Tage Zeit bekommen, eine Partnerschaft mit dem italienischen Fiat- Konzern auf die Beine zu stellen. Dann könnten weitere sechs Milliarden Dollar gewährt werden, hiess es. Daimler hält noch knapp 20 Prozent an Chrysler. Diese Rest-Beteiligung bescherte dem deutschen Konzern bereits hohe Verluste.


Steinmeier: «Opel kann sich nicht selbst retten»
Opel will sich von GM unabhängiger machen und sucht dafür Investoren. Bundeskanzlerin Merkel lehnt einen Staatseinstieg bisher ab, führende SPD-Politiker haben sich dafür ausgesprochen. Das Land Rheinland- Pfalz stellte bereits eine Beteiligung in Aussicht. Aussenminister Steinmeier  schlug am Montag vor, gut die Hälfte der Anteile des neuen Unternehmens Opel-Europa sollten Händler, Belegschaft und Management halten, mit einem finanziellen Engagement des Bundes und der Bundesländer mit Opel-Standorten. Der Rest solle bei GM bleiben. «Opel kann sich nicht selbst retten», betonte Steinmeier. «Jeder Tag zählt». Die Politik müsse daher selbst aktiv werden.


Gesamtbetriebsratschef Franz begrüsste Steinmeiers Vorstoss: «Das ist die erste gute Nachricht, die diese Belegschaft seit Monaten hört.» Eine staatliche Beteiligung würde viele Hürden für eine neue Zukunft von Opel aus dem Weg räumen. Mit Steinmeier lege endlich ein Politiker ein Konzept vor, statt ständig nur Fragen zu stellen. Der Bochumer Opel-Betriebsrat forderte schnelle staatliche Hilfen in Höhe von 2,6 Milliarden Euro. ( awp/mc/ps/19)

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