Öl-Ausblick 2008: Experten erwarten wenig Entspannung beim Ölpreis

Für den weiteren Verlauf des Jahres rechnen Experten zunächst mit einer kurzfristigen Korrektur beim Ölpreis im Frühjahr. Insgesamt dürften die Ölpreise aber auch im Jahr 2008 nach Einschätzung der Postbank «weiter unter Dampf bleiben». Für das Gesamtjahr rechnen die befragten Volkswirte mit einem vergleichsweise hohen Durchschnittspreis bei Rohöl über der Marke von 70 US-Dollar je Barrel.


Sorge vor kurzfristigen Lieferengpässen


Die jüngste Rekordjagd an den Ölmärkten erklärten der Rohstoffexperte Frank Schallenberger von der Landesbank Baden Württemberg mit der Sorge vor kurzfristigen Lieferengpässen. So sei es in den wichtigen Förderstaaten Nigeria und Algerien zu politischen Spannungen gekommen. Zudem habe Mexiko, der sechstgrösste Förderer der Welt, wetterbedingt alle Ölhäfen geschlossen. Allgemein erwarten die Fachleute für 2008 einen Preisrückgang in Richtung eines fundamental gerechtfertigten Niveaus. Mit der Krise an den Kreditmärkten und der damit verbundenen Erwartung einer Abkühlung der Weltwirtschaft sei der jüngste spekulationsgetriebene «Rausch» beim Ölpreis aber nicht mehr durchzuhalten, schreiben die Experten der Postbank.

Preis im Schnitt nahe bei 72 Dollar erwartet


«Insgesamt erwarten wir den Preis im weiteren Jahresverlauf 2008 im Schnitt nahe bei 72 Dollar für Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) und bei 70 Dollar für Öl der Nordseesorte Brent», sagte Heinrich Bayer von der Postbank. Die Experten der WestLB prognostizierten den Durchschnittspreis für 2008 etwas höher bei 77 Dollar für WTI-Öl und bei 72 Dollar für Brent-Öl. Deutlich höher liegen dagegen die Schätzungen der Volkswirte der US-Investmentbank Lehman Brothers, die beim Brent-Öl von einem Durchschnittspreis von 84 Dollar ausgehen.

Wieder steigende Preise ab Sommer
Alle Experten sind sich aber einig, dass sich Rekordpreise beim Rohöl an der Marke von 100 Dollar zu weit von den Fundamentaldaten entfernt haben. Vor dem Hintergrund der zu erwartenden Abkühlung der Weltwirtschaft rechnen sie in der ersten Jahreshälfte mit einem Rückgang der Notierungen an den Ölmärkten. In den Sommermonaten dürften dann aber die knappen Raffineriekapazitäten in den USA und die möglichen Folgen der Hurrikansaison in den Ölfördergebieten im Golf von Mexiko «einem weiteren Ölpreisrückgang entgegenstehen», so die Experten der Dresdner Bank.

Zum Jahresende 2008 bei 80 bis 90 Dollar


In der zweiten Jahreshälfte rechnet die Dresdner Bank dann aufgrund der zu erwartenden konjunkturellen Belebung wieder mit steigenden Ölnotierungen, so dass zum Jahresende 2008 wieder mit Ölpreisen zwischen 80 bis 90 Dollar zu rechnen sei. Vor allem die wachsende Nachfrage sehen die Volkswirte als Preistreiber beim Rohöl. So erwarten die Experten von Lehman Brothers ein Nachfrageplus von 1,5 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag, was im Jahresvergleich einen Anstieg um 1,7 Prozent bedeuten würde.

Anstieg der Ölnachfrage erwartet
«Die Rohölnachfrage dürfte 2008 weiter zulegen», heisst es auch bei den Experten der WestLB. Die Internationale Energie Agentur (IEA) erwartet sogar einen Anstieg der Ölnachfrage auf 87,7 Millionen Barrel pro Tag, was einen Zuwachs um 2,3 Prozent bedeuten würde. In den Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dürfte die Ölnachfrage mit 1,5 Prozent allerdings unterdurchschnittlich wachsen. Nach Einschätzung der WestLB ist es vielmehr «der Energiehunger» der Boomregionen in Asien und vor allem das rasante Wirtschaftswachstum in China, das die Nachfrage nach Rohöl weiter in die Höhe treiben werde.

Angespannte Versorgungslage


Der hohen Nachfrage steht nach wie vor eine vergleichsweise angespannte Versorgungslage gegenüber. «Das verfügbare Ölangebot hat mit der immer noch starken Ölnachfrage nicht Schritt gehalten», schreiben die Volkswirte der Dresdner Bank. Dabei ist das weltweite Ölangebot nach den aktuellsten Daten von Oktober laut der DekaBank kräftig angestiegen. Zudem hatte die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) die Fördermenge zuletzt leicht angehoben.

Entwicklung zu einer eigenen Anlageklasse


In den vergangenen Jahren hatten sich Rohstoffe und insbesondere Rohöl nach Einschätzung der WestLB zu einer eigenen Anlageklasse entwickelt. Dies habe zur Folge, dass die Ölpreise nicht mehr in erster Linie die Entwicklung von Angebot und Nachfrage widerspiegeln. Vielmehr seien die Preise oftmals von der Spekulation an den Rohstoffmärkten getrieben. «Daher wird nicht nur von uns kurz- bis mittelfristig eine Preiskorrektur erwartet», heisst es weiter bei der WestLB. (awp/mc/ab)
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