Paul Glutz, CEO CSC Switzerland GmbH

Von Helmuth Fuchs


Moneycab: Herr Glutz, nach der sensationellen Tour de France mit dem Sieger Carlos Sastre, dem Gewinn der Teamwertung, dem besten Jungprofi (Andy Schleck) und einer sehr guten Leistung von Fabian Cancellara (zusätzlich noch Olympiasieger im Zeitfahren) steigt die CSC als Sponsor aus dem Radsponsoring aus. Wie wurde das Engagement in der Schweiz wahrgenommen und wieso erfolgt der Ausstieg gerade jetzt?


Paul Glutz: Die Entscheidung, aus dem Radsponsoring auszusteigen, fiel bereits vor einem halben Jahr. Ab September wird CSC mit einem vollständig neuen Corporate Design auftreten, wozu – nach vielen Jahren begeisterter Radsportunterstützung – auch eine neue Bildsprache gehört. Ich persönlich fahre allerdings sehr gern Rennrad, und ich freue mich sehr über die hervorragende Leistung von Fabian Cancellare an der Olympiade und auch zuvor an der Tour de Suisse.



«Das Application Management bei der Zurich Financial Services ist der weltweit grösste Outsourcing-Deal in der Versicherungsindustrie.» Paul Glutz, CEO von CSC Switzerland GmbH


CSC Deutschland hat im letzten Fiskaljahr (Ende März 2008) nach fünf Jahren die Rückkehr zur Rentabilität geschafft. Wie sieht die Situation in der Schweiz aus bezüglich der Zielerreichung und wo liegen die grössten Probleme?


Wir haben im letzten Jahr nicht nur in Deutschland, sondern weltweit sehr gute Ergebnisse erzielt. Leider konnten wir in der Schweiz das Ziel nicht ganz erreichen. Zum einen konnten einige Projekte nicht wie geplant realisiert werden. Zum andern mussten wir im Projektgeschäft den erwarteten Aufwand überschreiten, um gegenüber den Kunden unsere Zusicherungen einzuhalten, wodurch wir nicht mehr kostendeckend operieren konnten. Für dieses Jahr sind die Zahlen jedoch auf allen Ebenen vielversprechend, wie die soeben publizierten Resultate des ersten Quartals zeigen, wo der Revenue um 16 Prozent und der Gewinn um 29 Prozent gestiegen ist.


Innerhalb des letzten Jahres haben Sie das gesamte Management-Team ausgewechselt. Wie hat sich das auf die Gesamtorganisation und die Fluktuation bei den Mitarbeitern ausgewirkt?


Die meisten Wechsel fanden statt, bevor ich am 1. Januar zu CSC kam – und erfolgten fast ausnahmslos auf Initiative der jeweiligen Personen. Zuvor hatte es über Jahre hinweg keine personellen Veränderungen gegeben. Sicher haben die Umstrukturierungen zeitweilig für eine gewisse Unruhe gesorgt, aber mein neues Team hat rasch wieder eine Entspannung bewirken können.


Wo setzen Sie zurzeit die Schwerpunkte für das Management-Team und die Mitarbeiter?


Die Schwerpunkte sind ganz eindeutig Kundennähe und Kundenzufriedenheit. Das ist auch der Grund für unsere neue Organisation, wo dem Kunden für alle Belange ein einziger Ansprechpartner gegenübersteht.


Mitte Juni hat die CSC mit der Bombardier Transportation den Outsourcing-Vertrag für sieben Jahre und einen Betrag von 1.2 Milliarden US-Dollar verlängert. In welcher Form wird der Auftrag in der Schweiz Auswirkungen haben?


Von unserem Team sind ein gutes Dutzend Spezialisten in dieses Projekt involviert.


Anfang Mai haben Sie mit der Zurich Financial Services eine Vereinbarung über fast 400 Millionen Dollar getroffen und dabei einen 2003 mit der IBM ausgehandelten Vertrag abgelöst. Was waren die wichtigsten Gründe für diesen Erfolg und werden Sie jetzt auch die Mitarbeiter der IBM übernehmen?


Nach den wichtigsten Gründen müssten Sie die Zurich fragen. Wir dürfen aber davon ausgehen, dass die Zurich in der seit vier Jahren bestehenden Zusammenarbeit mit CSC positive Erfahrungen gesammelt hat, die zu diesem Wechsel führten. Tatsächlich ist das Application Management bei der Zurich der weltweit grösste Outsourcing-Deal in der Versicherungsindustrie. Da der neue Vertrag über die zusätzlichen Desktop Services auf globaler Ebene getroffen wurde, möchte ich zu den genauen Bedingungen keine Aussagen machen.



«Projekte scheiterten nicht nur an der Reife der Kunden, sondern genauso an der Reife der Outsourcing-Anbieter. Die Situation hat sich über die Jahre hinweg auf beiden Seiten deutlich verbessert.»


Mit dem Outsourcing (57 % des Geschäftes), der Systemintegration (33 %) und dem Consulting (10 %) betreiben Sie drei sehr unterschiedliche Geschäftsbereiche. Wie charakterisieren Sie die verschiedenen Bereiche und wie sollen die Anteile in drei Jahren aussehen?


Beim Outsourcing stehen Zuverlässigkeit, Ausfallsicherheit und kurze Reaktionszeiten im Vordergrund. Neben der Präzision in Routineaufgaben ist oft auch Kostensenkung ein Argument für Outsourcing, wobei natürlich insbesondere Offshoring und Global Sourcing zu wichtigen Komponenten werden.


Die Systemintegration ist hochdynamisch und erfordert stets den neusten Stand der Technik. Hier besteht die grosse Herausforderung darin, für jedes Projekt genau die richtigen Spezialisten zu finden, was gerade in der Schweiz nicht immer leicht ist. Derzeit sind wir im Bereich der Systemintegration zum Beispiel im Rahmen der Swiss Health Platform bei der Centris beschäftigt.


Das Consulting schliesslich vervollständigt diese beiden Bereiche und leitet oft zu diesen über. Theoretisches High-Level Consulting streben wir nicht mehr an. Die Mischung von Outsourcing, Systemintegration und Consulting stimmt; wir wollen in allen Bereichen wachsen.


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Das Outsourcing lässt sich auf die Infrastruktur, die Anwendungen oder ganze Geschäftsprozesse (Business Process Outsourcing, BPO) anwenden. Können Sie uns zu den einzelnen Bereichen Beispiele aus der Schweiz geben und wo möchten Sie in den nächsten Jahren vor allem Projekte generieren?


Der Bereich Infrastruktur ist schon weitgehend industrialisiert, so dass sich heute bei den allerwenigsten Kunden die Frage stellt, ob ein Outsourcing überhaupt möglich ist oder nicht. Komplizierter wird es, wo es um wirklich industriespezifische Leistungen geht, beispielsweise bei Krankenversicherungslösungen. Hier sind Standardlösungen begrenzt. Das Gleiche gilt für das Business Process Outsourcing. Dass dieses Gebiet jedoch durchaus zukunftsträchtig ist, zeigt beispielsweise der Vertrag mit der Swiss Re, wo drei Viertel des Umsatzes auf BPO entfallen.


Das Beratungsunternehmen Active Sourcing prognostiziert für die nächsten sechs Jahre Outsourcingprojekte im Umfang von 2,1 Milliarden Franken, wobei vor allem auch im KMU-Bereich Outsourcing vermehrt ein Thema werden soll. Wie beurteilen Sie diese Prognose und wie glauben Sie wird sich der Anteil von CSC an diesem Geschäft entwickeln?


Das Outsourcing-Geschäft verspricht grosse Nachhaltigkeit. Zu Beginn sind Investitionen erforderlich – anschliessend läuft das Geschäft aber über Jahre. Wir sehen in diesem Segment ebenfalls grosses Potenzial und streben weitere Kunden an.


In Ländern wie Dänemark, der UK oder der USA vergibt auch die öffentliche Hand vermehrt Aufträge an Outsourcing-Unternehmen. Wie sieht das in der Schweiz aus und welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit dieses Segment attraktiver wird?


In der Schweiz ist die öffentliche Hand noch sehr zurückhaltend, was das Outsourcing betrifft, obwohl auch hier manches möglich wäre, gerade wenn es um Standardapplikationen wie das Rechnungswesen oder einfache Logistikprozesse geht. Wir konzentrieren uns in diesem Segment hauptsächlich auf die Systemintegration.


Ihr Vorgänger verfolgte die Strategie der Fokussierung auf einige wenige, dafür sehr lukrative Milliardendeals. Welche Strategie verfolgen Sie, welche Segmente stehen im Vordergrund und welche Auswirkung wird das auf die Grösse der Deals haben?


Im Vordergrund stehen weiterhin die Industriesegmente, in denen CSC über hervorragendes Know-how verfügt. Dazu zählen Banken, Versicherungen, die fertigende Industrie, staatliche Betriebe und die öffentliche Verwaltung. Was die Grössenordnung der Verträge betrifft, so gilt CSC im Outsourcinggeschäft ab einem Gesamtauftragsvolumen von etwa 20 Millionen Franken als der richtige Ansprechpartner.


In den Anfangszeiten des Outsourcings scheiterten Projekte oft am Reifegrade der Kundenorganisation, das heisst, die Erwartungen der Kunden konnten schon von ihnen selbst nicht erfüllt werden. Wie sieht das heute aus, wo sehen Sie die grössten Risiken bei grossen Outsourcingprojekten?


Um es vorwegzunehmen: Projekte scheiterten nicht nur an der Reife der Kunden, sondern genauso an der Reife der Outsourcing-Anbieter. Die Situation hat sich über die Jahre hinweg auf beiden Seiten deutlich verbessert. Insbesondere der Transition-Transformation-Prozess wird heute viel bewusster gestaltet, so dass kaum noch unerwartete Probleme auftreten.


Beim Fahrradfahren erholen Sie sich als begeisterter «Gümmeler» vom Arbeitsstress. Welches ist Ihre Lieblingsstrecke und glauben Sie an Spitzensport ohne Doping?


Am liebsten sind mir eigentlich Passfahrten – was mir angesichts meines Trainingszustands jedoch zunehmend schwerfällt. In der Region Zürich bewege ich mich mit Vorliebe zwischen Höngg und Rhein, im Tessin zwischen Locarno und dem Val Cannobina.


Ja, ich glaube an Spitzensport ohne Doping – aber nicht ohne systematische, flächendeckende Kontrollen. Es ist wie mit den Geschwindigkeitsbegrenzungen im Verkehr: Je konsequenter diese kontrolliert werden, desto besser werden sie eingehalten.


Zum Schluss des Interviews haben Sie noch zwei Wünsche frei, wie sehen diese aus?


Ich wünsche mir, dass Kunden und Mitarbeiter die CSC weiterhin als Partner sehen und schätzen. Und ich hoffe, dass ich es auch dieses Jahr noch über den einen oder anderen Pass schaffe.




Der Gesprächspartner:
Paul Glutz ist seit dem 01. Januar 2008 Geschäftsfüher der CSC S Schweiz. Glutz hat 1988 als Elektro-Ingenieur die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich abgeschlossen. Seine berufliche Laufbahn begann er in der Schweizer Beratungsfirma AWK. 1996 wechselte er zu EDS, wo er verschiedene Positionen innehatte, unter anderem Direktor der Geschäftseinheit Öffentliche Verwaltung, Direktor für Technische Infrastruktur und Direktor für die Lieferorganisation und zuletzt Geschäftsführer.


Über CSC
Die Computer Sciences Corporation (CSC) zählt zu den weltweit führenden Dienstleistungsunternehmen im Bereich der Informationstechnologie (IT). Durch die Entwicklung massgeschneiderter Lösungen unterstützt CSC Kunden in Wirtschaft und Verwaltung, ihre spezifischen Geschäftsziele zu erreichen und vom Einsatz moderner Informationstechnologie zu profitieren.

Mit rund 90 000 Beschäftigten realisiert CSC innovative Kundenlösungen durch den Einsatz führender Technologien und durch hochentwickeltes Know-how. Das Leistungsspektrum umfasst Systemdesign und -integration, IT- und Geschäftsprozess-Outsourcing, Entwicklung von Anwendungssoftware, Web und Application Hosting sowie Managementberatung. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Falls Church, USA, erwirtschaftete in den zwölf Monaten bis zum 28. März 2008 einen Umsatz von 16,5 Milliarden US-Dollar.

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