Peter Kämpfer, Park Hotel Weggis: «Die grossen Investitionen im Park Hotel Weggis haben den Seegemeinden mit Sicherheit positive Impulse gegeben»

Von Helmuth Fuchs


Moneycab: Herr Kämpfer, vom 22. Mai bis 3. Juni 2006 wird sich die die Fussball-Nationalmannschaft Brasiliens, der amtierende und 5-fache Weltmeister, in Weggis auf die Titelverteidigung vorbereiten und in Ihrem Haus logieren. Wie haben Sie es geschafft, die Weltmeister-Elf nach Weggis zu bekommen?


Peter Kämpfer: Grundsätzlich ist dies eine lange Geschichte, welche über viele Ecken gelaufen ist. Bei Luzern Tourismus wurde vor über einem Jahr die Möglichkeit erörtert, eine Mannschaft zur WM Vorbereitung in die Region zu holen. Im Fokus war allerdings eher eine asiatische Mannschaft – Japan oder Korea. Über Edwin Rudolf, langjähriger Direktor der Schweizer Sporthilfe, wurde der Kontakt zur Sportart AG in Zürich geknüpft. Diese Firma ist wiederum eine Tochter der Firma Attaro mit Sitz in Wil und London, welche hauptsächlich im Fussballeventbereich tätig ist.

Es wurden daraufhin Möglichkeiten in der Stadt Luzern geprüft jedoch allesamt wieder verworfen, da nirgendwo die Kombination von grösstmöglicher Sicherheit, Ruhe, Logis in einem 5-Sterne-Betrieb, sowie die Nähe zu einem Fussballfeld angeboten werden konnte. Somit wurde im Mai 2005 erstmals das Park Hotel Weggis in Erwägung gezogen. Kurze Zeit später fanden auch erste Gespräche mit dem brasilianischen Fussballverband statt, wobei dies uns gegenüber noch nicht erwähnt wurde. Wir wussten lediglich, dass es eine der Top 5 Mannschaften der Welt sein würde und wir hatten eine Woche Zeit, die Finanzierung für deren Aufenthalt sicherzustellen.

Den definitiven Zuschlag bekamen wir Ende Oktober. Sicherlich eine tolle Sache, hatte der brasilianische Verband doch über 100 verschiedene Offerten, um das Trainingslager durchzuführen.



«Wir vom Park Hotel Weggis sind hinsichtlich der im Jahre 2008 stattfindenden EURO bereits seit längerem aktiv geworden um allenfalls erneut eine Top-Mannschaft betreuen zu können. Es ist langfristig aber keinesfalls unser Ziel zum «Fussball-Hotel» zu werden, primär im Fokus sehen ganz klar unsere Privatgäste.» Peter Kämpfer, Park Hotel Weggis


Für den Aufenthalt der weltbesten Fussballer muss Einiges vorgekehrt werden. Umfassende Sicherheitsmassnahmen, ein FIFA-tauglicher Fussballplatz, spezielle Betreuung der Spieler. Wer organisiert dies Alles, mit welchen Kosten ist das verbunden und wie wird die Finanzierung dieses einmaligen Abenteuers vorgenommen?


Der Aufenthalt wird zu 100% mit Tourimusgeldern finanziert. Träger sind das Tourismus Forum Luzern, Luzern Tourismus AG, der kantonale Verkehrsverein Luzern, Vierwaldstättersee Tourismus, Weggis-Vitznau-Rigi Tourismus, die Rigi-Bahnen und das Park Hotel Weggis. Weiter wird auf alle Logiernächte in den Seegemeinden – Weggis, Vitznau und Rigi – eine Resorttaxe von CHF 0.50 erhoben. Abwicklung und Organisation übernimmt der neu gegründete Verein WeggisEvent. Dieser ist auch zuständig für die ganze Abwicklung, wie Verkehr, Parkplatzorganisation, die Unterhaltung, sowie auch das Angebot an Verpflegungs- und Souvenirverkaufsständen rund um die Thermoplan Arena.


Falls die Brasilianer an der WM erfolgreich sind, werden bestimmt weitere Mannschaften das Park Hotel Weggis als Ort der Vorbereitung für wichtige Turniere entdecken. Gibt es hier ein spezielles Segment, das Sie aktiv bearbeiten werden, um sich als Luxusdestination für die weltbesten Fussball-/Sportmannschaften zu empfehlen?


Die Firma Attaro, welche sich auch an den Kosten für den neuen Platz beteiligt, hat mit der Gemeinde Weggis eine Vereinbarung abgeschlossen, welche ihnen die Platzrechte für 10 Jahre zugesteht. Es ist somit beinahe gegeben, dass weitere Mannschaften Weggis als Trainingscamp nutzen werden.

Wir vom Park Hotel Weggis sind hinsichtlich der im Jahre 2008 stattfindenden EURO bereits seit längerem aktiv geworden um allenfalls erneut eine Top-Mannschaft betreuen zu können. Es ist langfristig aber keinesfalls unser Ziel zum «Fussball-Hotel» zu werden, primär im Fokus sehen ganz klar unsere Privatgäste.


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Im Jahre 2003 haben Sie die erste volle Saison im Park Hotel Weggis gestaltet und verantwortet. Was waren in diesen drei Jahren die wichtigsten Änderungen und Neuerungen, die Sie eingeführt haben und wie haben sich die Belegungszahlen und die Finanzen in dieser Zeit entwickelt?


Nach der Eröffnung des grossen Anbaus Mitte 2002, war 2003 tatsächlich das erste volle Betriebsjahr in der 128 jährigen Geschichte des Park Hotel Weggis. Gleichzeitig mit der Umstellung auf den Jahresbetrieb erfolgte der Wechsel vom 4 zum 5 Sterne Hotel. Weiter wurden wir in die prestigeträchtige Organisation der weltweit vertretenen Relais & Châteaux Häuser aufgenommen. Hauptaugenmerk wurden intern der Optimierung der Betriebsabläufe wie auch der permanenten Qualitätssteigerung der Service- und Dienstleistungen beigemessen. Extern galt es primär, das neue Produkt zu vermarkten. Durch grosse Investitionen in Wellnessanlagen anderer Hotels der Seegemeinden, verfügen wir nun schweizweit über die grösste Dichte an Wellnesshotels, was die Region immer mehr zu einer Ganzjahresdestination werden lässt.


Unsere Belegungs- und Umsatzzahlen haben sich mit jährlichen Zuwachsraten im zweistelligen Prozentbereich sehr positiv entwickelt und somit ist unsere Strategie voll aufgegangen.



«Speziell im 5-Stern Bereich sollten heute jedoch minimal 80 bis 100 Hotelzimmer zur Verfügung stehen um die in dieser Klasse geforderte Angebotspalette mit den damit verbundenen Kosten tragen zu können.» Peter Kämpfer, Park Hotel Weggis


Das Park Hotel Weggis gehört zu den besten Ferienhotels der Schweiz, dürfte aber mit 34 Zimmern und neun Suiten zu klein sein, um wirklich gewinnbringend betrieben werden zu können. Mit einem Neubau, der im Juli 2007 eröffnet werden soll, kommen 10 Suiten, eine Vergrösserung des Wellness Bereiches inklusive einem ganz speziellen Aussenbad, einer zweigeschossigen Tiefgarage, ein Beautysalon, eine Bibliothek und ein Blumenatelier dazu. Hat das Hotel dann seine optimale Grösse erreicht, oder gibt es noch Pläne zur Erhöhung der Anzahl Zimmer?


Die momentane Grösse mit nur 43 Zimmern ist tatsächlich nicht optimal, zumal wir mit drei Restaurants, dem grossen Eventraum «der Aquarius Hall», der Vinothek und den zwei Bars sehr stark Food&Beverage-lastig sind. Dies wiederum ist sehr Mitarbeiterintensiv und dementsprechend auch mit hohen Kosten verbunden.


Die kommende Erweiterung wird somit mit Bestimmtheit zu einer weiteren Verbesserung der relevanten Betriebszahlen beitragen. Speziell im 5-Stern Bereich sollten heute jedoch minimal 80 bis 100 Hotelzimmer zur Verfügung stehen um die in dieser Klasse geforderte Angebotspalette mit den damit verbundenen Kosten tragen zu können. Somit wäre es natürlich längerfristig wünschenswert noch mehr Zimmer zu bekommen, konkrete Pläne sind aber noch keine vorhanden.


Mit dem Neubau etabliert sich das Park Hotel Weggis als einmaliges Luxusressort am Vierwaldstättersee.  Ein gemeinsames Angebot mit dem Bellevue in Gstaad unterstreicht die Positionierung. Woher kommen Ihre Gäste, was bringt sie nach Weggis und wo sehen Sie die hauptsächlichen Konkurrenten Ihres Hauses?


Wir sind in der glücklichen Lage, dass über 50% aller Gäste aus der Schweiz und weitere 35% aus den nahem Ausland kommen. Zentrale Lage, gute Erreichbarkeit, intakte Umwelt und umwerfende Naturschönheit, gepaart mit guten Service- und Dienstleistungen sowie die einzigartige Wellnessanlage, die Aquarius Hall, unser polivalenter Eventraum oder etwa die mit über 2000 Positionen bestückte Weinkarte, sind Attribute, welche Gäste zu uns ins Park Hotel Weggis bringen.


Dies grössten Mitbewerber sind sicherlich bei den führenden Wellnesshotels im In- wie auch im näheren Ausland zu suchen. Wetterbedingt kann natürlich auch das Tessin als Region ein Rolle spielen. 


Allgemein geht man davon aus, dass ein Luxushotel wie das Park Hotel Weggis auch die umliegende Hotellerie inspiriert und dass diese auch von der Existenz eines führenden Hauses profitieren können. Wie sehen diese Erfahrungen in Weggis aus, wie konnte das Park Hotel die Entwicklung des Tourismus in Weggis beeinflussen und welchen Einfluss hat der lokale und regionale Tourismus auf das Park Hotel Weggis?


Die grossen Investitionen im Park Hotel Weggis und dem damit zum Ausdruck gebrachten Vertrauen in die Region haben den Seegemeinden mit Sicherheit positive Impulse gegeben. Einerseits konnten im Luxusbereich neue Angebote geschaffen und andererseits diese auch ganzjährig bereitgestellt werden. Mittlerweile sind in beinahe allen Betrieben grosse Renovationen oder Neu- und Anbauten getätigt worden. Auch die Gemeinde hat die positive Grundstimmung massiv unterstützt, es wurden bereits zwei neue Parkhäuser gebaut, die ganze Seepromenade total saniert und weitere Grossprojekte stehen an.


Durch das Betreiben von mehreren Restaurants, weiteren F&B Outlets und nicht zuletzt auch des SPA Bereichs mit den von Allen buchbaren privaten SPA Cottages, hat der lokale Tourismus für das Park Hotel Weggis eine grosse Bedeutung erlangt. Weiter gilt es auch zu berücksichtigen, dass der Trend zu vermehrten Kurzferien nach wie vor steigt und somit immer auch wieder Destinationen nahe am Wohnort für eine Auszeit gewählt werden. Immer vorausgesetzt, dass Angebot und Infrastruktur den Erwartungen entsprechen.


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Zur Zeit baut Mario Botta, eine der weltweit gefeierten Schweizer Architektur-Ikonen, für die Hotels Eden Roc (Ascona) und Tschuggen (Arosa) zwei Wellness-Oasen für einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Sie bieten mit den Spa Cottages und Sparkling Wellness ebenfalls eine eigene Interpretation des Themas. Welche Entwicklung sehen Sie in der nächsten Zeit zum Thema Wellness und wie werden Sie im Park Hotel Weggis Ihr Angebot weiter entwickeln?


Grundsätzlich bin ich der festen Überzeugung, dass man bei Wellness nicht mehr von einem Trend sprechen kann, sondern solche Anlagen zum erwarteten Grundangebot der gehobenen Hotellerie gehören. Im Park Hotel Weggis sind wir von allem Anfang an unseren eigenen Weg gegangen und haben den zum Teil gigantischen Anlagen im In- und Ausland, privat buchbare SPA Cottages entgegengesetzt. Dadurch wurde dem zunehmenden Bedürfnis nach Privatsphäre – auch im Wellness Bereich – vollauf Rechnung getragen.


Durch das organischen Wachstum des Park Hotel Weggis konnten wir bis anhin immer optimal die Wünsche unserer Gäste im nächsten Bauvorhaben miteinbeziehen. Dies wird auch bei der nächsten Etappe der Fall sein. Die Réception wie auch das Kosmetikstudio werden in den Neubau verlegt, dazu werden zusätzliche Therapieräume, eine Begegnungszone, ein Ruheraum und ein ganz spezielles Schwimmbad erstellt. Weiter werden neu auch kosmetische Medizin ohne Skalpell durch eine renommierte klinische Institution angeboten werden können. Die ganze Anlage wird durch einen unterirdischen Tunnel mit dem Haupthaus verbunden, was die  Gästewege ganz entscheidend optimiert.&


Zum Schluss des Interviews haben Sie zwei Wünsche frei, wie sehen diese aus?


Eigentlich bin ich beinahe wunschlos glücklich. Etwas mehr Zeit zu haben oder sich die Zeit zu nehmen wäre sicherlich wünschenswert, viel wichtiger ist aber weiterhin Gesund bleiben zu können.





Der Gesprächspartner
Geboren 14. Juli 1958
Bürger von Oeschenbach, BE
Aufgewachsen in Luzern


Servicekurs an der Hotelfachschule in Luzern.
Sprachaufenthalt in Bournemouth, England.
Administrationskurs an der Hotelfachschule in Luzern.
Diplomkurs an der Hotelfachschule in Luzern.


Unternehmungsseminar Schweiz. Hotelierverein.
BBA Studium an der GSBA in Horgen.
Master of Science Studium (Marketing) an der GSBA in Horgen.


Hotel Continental in Luzern.
Seehotel Kastanienbaum in Kastanienbaum.
Café du Commerce in Genf.
Hotel Montana in Luzern.
Hotel Warwick in Genf.


Mitglied der Direktion der Bürgenstock Hotels, Bürgenstock.
Direktor Hotel Chesa Guardalej in Champfèr.


Direktor Park Hotel Weggis, Weggis.

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