Schwellenländer kompensieren Überalterung in Industrienationen

Bedingt durch sinkende Geburtenraten und zunehmende Alterung, treten immer weniger Menschen in die Arbeitswelt ein und zugleich sind immer mehr in Pension. In den Industrienationen schrumpft die Erwerbsbevölkerung – und das potenzielle Wirtschaftswachstum verlangsamt sich.


Erste Anzeichen in Deutschland
In Deutschland drücke die Alterung bereits auf das Wachstum, sagte UBS-Ökonom Daniel Kalt am Mittwoch bei der Präsentation der Studie. Bis 2025 dürfte sich die Wachstumsrate um 0,6 Prozentpunkte verringern. In der Schweiz ist das Problem noch nicht derart akut. Aber bis 2025 wird die Alterung auch hier auf das Wachstum drücken und über 0,4 Prozentpunkte des Bruttoinlandprodukts wegfressen.


Keine Schwarzmalerei
Dennoch sehen die UBS-Ökonomen nicht schwarz: Das weltweite Wirtschaftswachstum werde nicht so deutlich zurückgehen wie vielerorts angenommen, sagte Chefökonom Klaus Wellershoff. Boomende Schwellenländer würden den Einbruch von Wachstum und Sparvolumen in den Industrieländern weitgehend kompensieren. In China, Indien und Indonesien mit gemeinsam drei Milliarden Einwohnern leben vor allem 30- bis 44-Jährige. Sie beginnen für ihre  Altersvorsorge zu sparen und gleichen die niedrigeren Sparvolumen in Europa oder Japan aus.


Abhängigkeit vom Heimmarkt sinkt
Die Entwicklungen in den Industrienationen müssen aber nicht zwingend zu schlechteren Bedingungen an den Finanzmärkten führen. Die demografischen Veränderungen dürften gegenüber Trends wie geografische Einkommensunterschiede zurücktreten. Unternehmen seien dank Direktinvestitionen im Ausland auch immer weniger vom Wachstum im Heimmarkt abhängig.


Folgen für die Pensionskassen
Deutlich spürbar wird die Alterung bei den Pensionskassen: Sie dürften ihre Anlagen laut Wellershoff von Aktien auf Anleihen umschichten. In den USA, Grossbritannien und in geringerem Ausmass auch in der Schweiz werden die Finanzmärkte durch eine verstärkte Selbstvorsorge der aktiven Bevölkerung aber auch Impulse erhalten.


Keine Verarmung der Jungen
«Unsere Renten sind sicher», sagte Wellershoff in Anlehnung an den früheren deutschen Sozialminister Norbert Blüm. So zeige die Studie auch auf, dass das Pro-Kopf-Einkommen im Jahr 2025 konstant um 1,1% wachsen werde. Dies obwohl immer mehr Volkseinkommen sich von Jung nach Alt verschieben; von 0,2% auf 8,7%. «Wir können nicht von einer Verarmung der Jungen reden», betonte Wellershoff. Es müssten aber auch Wege gefunden werden, damit sich der Lebensstandard der älteren Generation nicht verschlechtere.


Erhöhung des Rentenalters unumgänglich
Die UBS-Ökonomen glauben, dass Länder wie die Schweiz nicht umhin kommen, die Erwerbsquoten, das Rentenalter oder die Wochenarbeitszeiten zu erhöhen. Auch eine vermehrte Einwanderung könnte dazu beitragen, die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums aufzuhalten. (awp/mc/pg)

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