Tamedia: Demo und letzte Bemühungen gegen Stellenabbau

Es sei das erste Mal in der Geschichte, dass der «Tages-Anzeiger» rote Zahlen schreibe, sagte Daniel Suter von der Personalkommission in seiner Rede. Wenn der Medienkonzern tamedia deswegen nun einen Viertel der Redaktoren entlasse, setze er die Glaubwürdigkeit der Zeitung aufs Spiel. Der «Tagi» kritisiere regelmässig Unternehmen, wenn diese ihre Geschäfte nur auf den kurzfristigen Gewinn ausrichten würden, schreibt die Personalkommission auf einem Flyer. Zu einer solchen Kritik sei die Zeitung künftig nicht mehr legitimiert.


Kündigungen in den nächsten drei Tagen erwartet
Das Konsultativverfahren, bei dem die Mitarbeiter Vorschläge zur Abwendung des Stellenabbaus machen können, bezeichnete er als gescheitert. «Wir haben zuwenig Informationen erhalten, auf deren Grundlage wir hätten Vorschläge ausarbeiten können.» Von der Geschäftsleitung erschien niemand an der Demonstration. Die Kündigungen werden laut Suter in den kommenden drei Tagen ausgesprochen. Dabei werde jeder einzelne Mitarbeiter zu einem Gespräch gebeten, bei dem er dann erfahre, ober er bleiben dürfe oder nicht.


Auch «Bund»-Redaktion auf der Strasse
Auch die Redaktion der Berner Tageszeitung «Der Bund» wehrte sich am Dienstag gegen den geplanten Stellenabbau. Sie übergab der Geschäftsleitung Vorschläge, wie der Stellenabbau möglichst verhindert werden kann. Tamedia müsse das Ausmass des Stellenabbaus nochmals überdenken, forderte die «Bund»-Redaktion laut Mitteilung. Der Abbau sei angesichts der komfortablen finanziellen Lage von tamedia nicht zwingend.


Kurzarbeit statt Stellenabbau gefordert
Ein Teil der von tamedia ins Auge gefassten Massnahmen seien im konjunkturell bedingten Inseraterückgang begründet. Statt Personalabbau schlägt die Redaktion Kurzarbeit im Umfang des Inseraterückgangs vor. Tamedia hatte am 14. Mai bekannt gegeben, beim «Tages-Anzeiger» 57 Vollzeitstellen abzubauen. Beim Berner «Bund» fallen durch die engere Zusammenarbeit mit dem «Tages-Anzeiger» 19 weitere Stellen weg. (awp/mc/ps/30)

Exit mobile version