US-Arbeitsmarkt schwächelt – «Erste Folgen von Subprime-Krise»

Volkswirte hatten indes im Durchschnitt mit einem Anstieg um 118.000 gerechnet. Zudem wurde Anstieg der Beschäftigtenzahl für die Monate Juli und Juni zusammengenommen um 81.000 auf 137.000 nach unten revidiert.


Bemerkenswerter Beschäftigungsrückgang
Nach Einschätzung von Experten könnte der Beschäftigungsrückgang ein erstes Zeichen realwirtschaftlicher Konsequenzen der US-Hypothekenkrise sein. «Der überraschende Beschäftigungsrückgang ist bemerkenswert und könnte durchaus auf die Turbulenzen an den Finanzmärkten zurückzuführen sein», sagte HSBC-Volkswirt Thomas Amend. Beachtenswert sei vor allem, dass der Arbeitsmarkt ein nachlaufender Indikator sei und für gewöhnlich verzögert reagiere. «Mit einem solchen Arbeitsmarktbericht wird die US-Notenbank wohl nicht um eine Zinssenkung umhin kommen», sagte Amend. Der geldpolitische Ausschuss der Federal Reserve hält sein nächstes reguläres Treffen am 18. September ab.


Experten: US-Notenbank dürfte Zinsen senken
Nach Ansicht der Postbank zeigt der US-Arbeitsmarkt nicht mehr nur eine nachlassende Dynamik, sondern deutliche Zeichen einer trendmässigen Abschwächung. Der einzige Wirtschaftsbereich, der in den letzten drei Monaten noch einen kontinuierlichen und kräftigen Beschäftigungsaufbau erreicht habe, sei der Gesundheits- und Erziehungssektor. Ansonsten habe die vorherige Jobmaschine, der Dienstleistungssektor insgesamt, deutlich an Zugkraft verloren. Die Daten dürften die US-Notenbank alarmieren und sie letztlich zu Zinssenkungen veranlassen, schätzen die Experten.


Verhaltener zeigte sich indes die DekaBank. Bevor die weitere Entwicklung der US-Konjunktur beurteilt werden könne, müssten noch weitere Arbeitsmarktdaten abgewartet werden, sagte DekaBank-Volkswirt Rudolf Besch. Bis dahin bleibe die Frage offen, ob es sich bei dem überraschenden Rückgang der Beschäftigtenzahlen im August nur um eine Delle oder um das Ende der robusten Konjunkturentwicklung handele. Beruhigend wirke allerdings der Anstieg der Stundenlöhne.


Stundenlöhne steigen an
Die US-Stundenlöhne waren im August wie erwartet gestiegen, was laut Experten als Zeichen für eine weiterhin hohe Nachfrage nach Arbeitskräften gewertet werden kann. Sie stiegen um 0,3 Prozent oder 0,05 US-Dollar auf 17,50 Dollar je Stunde. Die Arbeitslosenquote verharrte im August auf ihrem Vormonatswert von 4,6 Prozent.


Reaktion an Finanzmärkten eindeutig
Die Reaktion an den Finanzmärkten auf die US-Arbeitsmarktzahlen war eindeutig. Der Eurokurs legte nach den Zahlen kräftig zu und stieg in der Spitze auf bis zu 1,3800 US-Dollar, nachdem er vor den Daten noch bei 1,37 Dollar notierte. Zuletzt kostete der Euro 1,3780 US-Dollar.


Die deutschen Anleihen bauten ihre Kursgewinne deutlich aus. Der richtungsweisende Euro-Bund-Future stieg auf bis zu 114,35 Punkte, verlor im weiteren Handelsverlauf aber wieder etwas. Vor den Daten hatte der Future noch bei 113,90 Punkten notiert. Der deutsche Aktienindex DAX weitete nach den US-Arbeitsmarktdaten seine Verluste aus und gab nach Bekanntgabe der Daten binnen Minuten mehr als 130 Punkte ab. Zuletzt sank der Leitindex um 1,65 Prozent auf 7.496,52 Zähler. (awp/mc/pg)

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