Europäische Konjunktur bremst Adecco

Alain Dehaze

Adecco-CEO Alain Dehaze. (Foto: Adecco Group)

Zürich – Die grossen Personaldienstleister bekommen zu spüren, dass die europäische Wirtschaft nicht mehr ganz so rund läuft. Das gilt auch für Adecco, wobei der Konzern auch seinen Status als globaler Marktführer verloren hat.

Adecco ist im dritten Quartal zwar gewachsen. Mit 2 Prozent (bereinigt) fiel das Plus aber deutlich schwächer aus als im Vorquartal, als noch 4 Prozent ausgewiesen worden waren. Davor hatte Adecco den Umsatz über mehrere Quartale sogar jeweils um mindestens 6 Prozent gesteigert.

«Unser Wachstum hat sich in verschiedenen europäischen Märkten abgeschwächt», sagte Firmenchef Alain Dehaze am Dienstag. Dies gelte vor allem für Südeuropa, wo auch die jüngsten Wirtschaftszahlen auf eine Abkühlung hinwiesen. Adecco gilt als Unternehmen, das konjunkturelle Veränderungen sehr rasch zu spüren bekommt.

Schweiz als Lichtblick
Namentlich in Italien, Spanien und Portugal, wo das Unternehmen zuvor mit hohem Tempo gewachsen war, kam es teilweise zu einem Stillstand. Und auch im Schlüsselmarkt Frankreich, der knapp ein Viertel zum Umsatz beisteuert, ging es nicht mehr gleich schnell vorwärts. Adecco habe sich in Frankreich aber besser geschlagen als die Konkurrenz, wurde betont. Gleiches gilt für den Schweizer Markt, der mit einem organischen Wachstum von 12 Prozent glänzte.

Weltweit gesehen steigerte Adecco den Umsatz in der Berichtswährung Euro hingegen nur um knapp 2 Prozent auf 6,00 Milliarden Euro. Der holländische Rivale Randstad wies ein leicht höheres Wachstum aus und überholte damit Adecco beim Umsatz um Haaresbreite. Adecco war somit im dritten Quartal nicht mehr der grösste Personaldienstleister der Welt.

Randstad feierte diese Wachtablösung am Donnerstag mit einer Medienmitteilung. Doch Adecco-Chef Dehaze gab sich gegenüber der Nachrichtenagentur AWP kämpferisch: «Ein Quartal macht noch kein Jahresergebnis», sagte er auch mit Blick auf den sehr geringen Abstand von nur wenigen Millionen Euro. Er betonte zudem, dass Adecco bei der Rentabilität nach wie vor die Nummer eins sei. «Und wir sind auch in allen zukunftsträchtigen Geschäftsfeldern wie etwa Digitalisierung weltweit führend.»

Sondereffekte beim Gewinn
Investitionen in diesen Bereich belasten derzeit aber den operativen Gewinn. Dieser (EBITA; ohne Einmaleffekte) ging auch deswegen im dritten Quartal um 6 Prozent auf 302 Millionen zurück. Dazu kam aber auch die Umstrukturierung in Deutschland, die auf die Renatibilität drückte.

Auf Stufe Reingewinn wurde hingegen ein Wert von 270 Millionen und damit mehr als eine Verdoppelung erreicht. Dieser Sprung war primär die Folge zweier Sondereffekte. Im Vorjahreszeitraum hatte ein Abschreiber den Gewinn stark belastet, nun wurde dieser positiv beeinflusst durch den Verkauf der Anteile am Unternehmen Beeline.

Aktie holt etwas auf
Die Aktien von Adecco waren am Dienstag gefragt. Bis Börsenschluss legten sie 3% auf 49.45 Franken zu. Diese Gewinne machten aber nur einen kleinen Teil der bisherigen Jahresverluste wett; der Titel ist noch immer jener mit den grössten Einbussen seit Anfang Jahr.

Wie die positive Kursreaktion am Dienstag zeigt, war die Wachstumsverlangsamung für den Markt keine Überraschung. Denn Adecco hatte eine solche schon im September in Aussicht gestellt. Im Gegenteil fielen die Zahlen nun laut Analysten besser aus als erwartet.

Etwas gebremst wurde der Aktienkurs aber durch die Aussagen des Managements zur zukünftigen Geschäftsentwicklung. So hielt Adecco fest, dass im September und Oktober kombiniert ein organisches Wachstum (bereinigt) von 1 Prozent erreicht worden sei. Somit deutet für das Schlussquartal vorläufig nichts auf eine Rückkehr zum alten Wachstumstempo hin. (awp/mc/pg)

Adecco
Firmeninformationen bei monetas

Exit mobile version