Amrize steigert Umsatz und Gewinn im Quartal – Aktie bricht dennoch ein

Jan Jenisch, VRP und CEO Amrize. (Foto: Amrize/mc)

Jan Jenisch, VRP und CEO Amrize. (Foto: Amrize/mc)

Zürich – Die auf Baustoffe in Nordamerika spezialisierte Amrize hat im zweiten Quartal 2026 den Umsatz und auch den Gewinn gesteigert. Die Umsatzprognose für das Gesamtjahr wurde leicht erhöht, diejenige für den operativen Gewinn etwas reduziert.

Konkret nahm der Umsatz um 8,6 Prozent auf 3,49 Milliarden US-Dollar zu, wie das vor gut einem Jahr von Holcim abgespaltene Unternehmen am Donnerstagabend mitteilte. Organisch lag das Wachstum bei 6,7 Prozent. Dazu habe die Nachfrage nach Grossprojekten in den Bereichen Rechenzentren, Infrastruktur und Energie beigetragen, wird in der Mitteilung CEO Jan Jenisch zitiert. Geholfen haben aber auch Preiserhöhungen.

Die grössere Sparte Building Materials steigerte die Verkäufe um 8,2 Prozent auf 2,45 Milliarden Dollar und die kleinere, Building Envelope, die auf Dachausrüstungen spezialisiert ist, gar um 9,4 Prozent auf 1,05 Milliarden. Amrize begründet das starke Wachstum von Building Envelope insbesondere mit einem Volumenwachstum, welches das Marktwachstum übertroffen habe.

Der höhere Umsatz stütze auch die Gewinnziffern. So legte der um Sonderkosten bereinigte operative Gewinn (Adj. EBITDA) um 5,8 Prozent auf 986 Millionen Dollar zu und das Reinergebnis um 14,4 Prozent auf 476 Millionen. Die Ergebnisse wurden einerseits von höheren Preisen für Zuschlagstoffe und andererseits durch die Einsparungen des Programms «Aspire» gestützt.

Dass die operative Marge um 0,8 Prozentpunkte auf 28,0 Prozent zurückfiel, führt Amrize auf die wegen der höheren Ölpreise steigende Inflation zurück, was sich etwa in höheren Frachtkosten niederschlägt.

Als Quartalsdividende soll wie schon für das Startquartal ein Betrag von 0,11 Dollar je Aktie ausgeschüttet werden.

Umsatzprognose erhöht, Gewinnprognose gesenkt
Der Ausblick für das Gesamtjahr 2026 wird angepasst. Neu peilt das Unternehmen einen Umsatz zwischen 12,5 und 12,7 Milliarden Dollar an, bisher lag die Prognose im Bereich von 12,29 bis 12,52 Milliarden. Die Vorhersage für den bereinigten EBITDA wird dagegen gesenkt auf neu 3,1 bis 3,2 Milliarden Dollar. Zuvor wurde ein Wert zwischen 3,25 und 3,34 Milliarden in Aussicht gestellt. Die angepasste Prognose widerspiegle einerseits die gestiegene Nachfrage und andererseits die höhere Inflation.

Darüber hinaus sieht sich das Unternehmen mit dem Kostenprogramm «Aspire» auf gutem Weg. So sollten damit im laufenden Jahr insgesamt Einsparungen von 80 Millionen Dollar erzielt werden.

Aktie bricht ein
Die Amrize-Aktie ist am Freitag an der Schweizer Börse deutlich gefallen. Am Mittag büssen die Amrize-Papiere fast 10 Prozent auf 37,74 Franken ein. Die Gruppe habe zwar eine unerwartet starke Umsatzdynamik an den Tag gelegt, die steigenden Kosten für Fracht, Diesel und Rohmaterial habe Amrize damit aber nicht vollumfänglich auffangen können, heisst es im Kommentar der ZKB. Die reduzierte EBITDA-Guidance liege nun um rund 3 Prozent unter den Konsenserwartungen. Das belaste die Aktie.

Die durch den Nahost-Konflikt gestiegenen Energie- und Rohstoffpreise und die damit einhergehende Kosteninflation hätten stärker als angenommen auf die Margen gedrückt, halten auch die RBC-Experten fest. Dies sowie die eingeengte und damit tiefere EBITDA-Prognose seien Argumente, um die Aktie abzustossen. Belastend komme der anhaltende Druck auf die Preisentwicklung von Zement hinzu.

Das Zahlenset von Amrize sei gemischt ausgefallen, heisst es im Kurzkommentar von JPMorgan. Der vom Bauboom bei Datenzentren, Energie- und Infrastrukturanlagen gestützten kräftigen Nachfrage nach Baustoffen stehe ein anhaltender Margendruck gegenüber. Die Analysten befürchten, dass der Kostendruck in Zukunft so bald nicht abnehmen dürfte.

Zwar werde Amrize die Preise anheben, um damit den Kostenanstieg zu kompensieren. Da Preiserhöhungen aber erst mit Verzögerung wirken, dürfte die Profitabilität in der zweiten Jahreshälfte 2026 unter Druck bleiben, fügen die Analysten der Bank Vontobel an. Die revidierte EBITDA-Prognose impliziere beim Konsens eine Abwärtsrevision im mittleren einstelligen Prozentbereich. (awp/mc/pg)

Exit mobile version