Ausstellung «Paul Klee. Ich bin Maler»

Paul Klee

Paul Klee in seinem Atelier, Kistlerweg 6, Bern, Sommer 1939. Fotograf: Felix Klee, 8,9 x 13,8 cm, Zentrum Paul Klee, Bern, Schenkung Familie Klee. (Copyright: Klee-Nachlassverwaltung, Bern)

Bern – «Die Farbe hat mich. (…) Ich bin Maler» hielt Paul Klee 1914 in seinem Tagebuch fest. Wie kam der Künstler vom Zeichnen zum Malen? Die Sommerausstellung «Paul Klee. Ich bin Maler» im Zentrum Paul Klee macht diesen spannenden und experimentellen Prozess nachvollziehbar – von Klees ersten Versuchen in Öl zu malen bis zu den grandiosen Gemälden seiner späten Schaffenszeit. Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung sind zugleich eingeladen, selber zum Pinsel zu greifen. Das Kindermuseum Creaviva hat in der Ausstellung ein zusätzliches Atelier eingerichtet und die Restauratorinnen des ZPK geben Einblick in Klees Maltechniken.

Die Ausstellung nimmt die Besucherinnen und Besucher in einem grossen Bogen mit auf einen spannenden Rundgang durch Klees künstlerischen Werdegang vom Zeichner zum Maler. Sinnlich nachvollziehen lässt sich Klees Kunst in der Ausstellung nicht nur in seinen Bildern, sondern auch anhand seiner umfangreichen Atelierhinterlassenschaft, die nicht nur Farbmittel, Pigmente und Pinsel umfasst, sondern auch eine grosse Auswahl origineller, selbstgebastelter Malutensilien und ­gefässe. Wie Paul Klee seine Farben und Malmittel hergestellt hat, verraten die Restauratorinnen des Zentrum Paul Klee in «Pinsel, Pigmente und Palette».

Die Ausstellung bietet den Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit selbst künstlerisch tätig zu werden. Das Kindermuseum Creaviva lädt in einem eigens dafür eingerichteten Atelier im Ausstellungsaal zum kreativen Schaffen ein.

Die Malerei als «ölriechende Pinselgöttin»
Klee war seinen frühen malerischen Versuchen gegenüber sehr kritisch eingestellt. Im Tagebuch bezeichnete er die Malerei als «ölriechende Pinselgöttin», die er bloss umarme, weil sie eben eine Frau sei. Wie experimentell und eigenwillig er sich von dieser «ölriechenden Pinselgöttin» verabschiedete und dabei doch zum Maler wurde, zeigt sein umwerfendes Werk der Hinterglasbilder, das zwischen 1905 und 1912 entstanden ist. Im ersten Teil der Ausstellung lässt sich Klees Herantasten an die Farbe in selten gezeigten Ölbildern und Hinterglasbildern nachvollziehen.
Gegründet von Maurice E. und Martha Müller sowie den Erben Paul Klee

Klees «Durchbruch zur Farbe»
Für Klees «Durchbruch zur Farbe» aber war die Begegnung mit der expressiven Koloristik der Gemälde Kandinskys entscheidend. Diese Befreiung der Palette führte ihn nicht nur zu seinen farbenfrohen, lichten Aquarellen der Tunisreise, sondern auch zu abstrakten Farbkompositionen, die ihre Präsenz aus dem Dialog virtuos gesetzter Farbkontraste beziehen.

Die Entwicklung von Klees Aquarellmalerei macht die Ausstellung in zwei Räumen erlebbar, die seine Werke jeweils vor und ab 1920 zeigen. Die technische Vielfalt seiner Aquarellmalerei wie auch seiner anderen Maltechniken wird in anschaulichen Bildschirmpräsentationen aufgezeigt, die von den Restauratorinnen des ZKP eigens für diese Ausstellung konzipiert worden sind.

Visionär der künstlerischen Mittel
In den zehn Jahren seines Schaffens am Bauhaus in Weimar und Dessau zieht Klee als Maler thematisch und formal alle Register, von gleichsam asketisch abstrakten Kompositionen und geometrischen Formspielen bis hin zu Bilderfindungen von nicht selten surreal anmutender Phantastik. Klee war aber nicht nur in seiner Bildsprache ein künstlerischer Visionär, sondern auch in der innovativen Verwendung der künstlerischen Mittel: So kombinierte er die Malmittel in unkonventionellen Mischungen, verwendete als Bildträger alle Arten von Textilien und grundierte seine Bilder mit Materialien wie Gips, Kreide oder gar Sand.

Die Präsentation der Werke in der Ausstellung «Paul Klee. Ich bin Maler» spiegelt diese maltechnischen und materialspezifischen Besonderheiten: Es gibt einen Raum mit Werken, die ausschliesslich auf ungewöhnliche textile Bildträgern wie Baumwolle, Seide, Damast u. a. gemalt wurden, einen anderen, der den vielschichtigen Grundierungen und den Texturen der Bilder gewidmet ist und einen dritten mit Bildern, die mit Kleisterfarbe gemalt wurden. Ein Raum ist zudem zwei speziellen Aspekten in Klees Schaffen gewidmet: seinen zerschnittenen Werken sowie Bildern, die er sowohl auf der Vorder­wie auf der Rückseite bemalt hat.

Spätwerk
Im dritten Teil der Ausstellung lässt sich die Entwicklung von Klees malerischem Spätwerk, das von einem tiefgreifenden Wandel seiner Bildsprache geprägt ist, facettenreich nachvollziehen. Es wird gezeigt wie Klee auf sein eigenes Werk zurückblickt und gleichzeitig wieder bei null beginnt, sich von allen formalen und systematischen Fesseln befreit und sich in der spontanen Gestik seiner Malerei auf das Wagnis eines Kontrollverlusts einlässt. (ZPK/mc/ps)

Informationen
«Paul Klee. Ich bin Maler»
Ausstellung vom 7. Juli 2016 bis 30. Oktober 2016
Zentrum Paul Klee Bern

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