Zürich – Drei von vier Schweizer Unternehmen verfügen heute über ein formell eingeführtes Internes Kontrollsystem (IKS). Eine neue Studie von BDO in Zusammenarbeit mit swissaxis zeigt: Die strukturelle Verankerung ist weit fortgeschritten, doch bei Integration, Digitalisierung und Führungseinbindung besteht weiterhin Entwicklungspotenzial.
Die Befragten bewerten ihr IKS mehrheitlich positiv. Der grösste Nutzen liegt gemäss ihren Angaben in der Klarheit von Abläufen und höherer Sicherheit, der Einhaltung von regulatorischen Vorgaben, verbesserter Nachvollziehbarkeit sowie in der Risikoreduktion. Mehr als die Hälfte der Teilnehmenden stuft den Reifegrad ihres IKS als hoch oder sehr hoch ein.
Fokus liegt stark auf Finanzen – operative Risiken nur teilweise erfasst
Nahezu alle befragten Unternehmen decken mit ihrem IKS die Bereiche Finanzen und Controlling ab. Andere Bereiche wie IT, Vertrieb oder Marketing sind deutlich seltener integriert. Risiken entstehen heute jedoch zunehmend entlang von Prozessen, digitalen Schnittstellen und komplexen Wertschöpfungsketten, nicht ausschliesslich im Rechnungswesen. Genau hier liegt ein wesentliches Entwicklungspotenzial für viele Organisationen.
Führung entscheidet über die Wirksamkeit
Wo Geschäftsleitung oder Verwaltungsrat in IKS-Themen aktiv eingebunden sind, wird das System deutlich häufiger als integraler Bestandteil der Risikokultur im Unternehmen wahrgenommen. Wo das Engagement des Managements hingegen gering bleibt, wird das IKS eher als Compliance-Instrument verstanden.
Marc Sollberger, Leiter Risk Advisory Services bei BDO Schweiz, sagt: «Ein IKS entfaltet seine Wirkung erst dann vollständig, wenn es Teil der Führungskultur ist und in strategische Entscheidungen einfliesst.»
Auch Christian Hafner, Geschäftsleitungsmitglied von swissaxis, betont die praktische Perspektive: «Bestehendes nutzen und die Wirkung des IKS über die ganze Organisation hinweg entwickeln – das ist aus meiner Sicht der zentrale Hebel. Viele Systeme sind formal vorhanden, werden aber nicht konsequent als Führungsinstrument eingesetzt.»
Digitalisierung bleibt zentrale Baustelle
Obwohl viele der Befragten angeben, ihr IKS sei teilweise digitalisiert oder es sogar als festen Bestandteil digitaler Prozesse verstehen, dominieren weiterhin einfache Tools. Zwei Drittel nutzen Excel zur Dokumentation und Steuerung, ein Drittel sogar ausschliesslich. Spezialisierte Software kommt nur vereinzelt zum Einsatz.
Für die kommenden fünf Jahre plant knapp die Hälfte der Unternehmen eine stärkere Digitalisierung und Automatisierung von Kontrollen. Weitere häufig genannte Ziele sind der Ausbau von Risikomanagement und Frühwarnsystemen, Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden und eine stärkere Integration des IKS in bestehende Geschäftsprozesse. Entlastung durch Automatisierung und KI sowie bessere digitale Tools zur Kontrolle und Dokumentation stehen unterdessen zuoberst auf dem Wunschzettel der befragten Unternehmen.
Öffentlicher Sektor: andere Prioritäten
Im öffentlichen Sektor, den die Studie gesondert analysiert, verfügen drei Viertel der Organisationen über ein implementiertes IKS. Weitere 12 Prozent befinden sich in der Einführung.
Im Gegensatz zur Privatwirtschaft steht jedoch weniger die Digitalisierung im Vordergrund. Während die Befragten in der Privatwirtschaft branchenübergreifend die Automatisierung von Kontrollen als wichtigstes strategisches Ziel nennen, priorisieren öffentliche Institutionen vor allem den Ausbau von Risikomanagement und Frühwarnsystemen. Digitalisierung folgt hier erst an zweiter Stelle.
Zurückhaltend zeigt sich der öffentliche Sektor auch beim Einsatz von künstlicher Intelligenz. Für die erhebliche Mehrheit der Befragten ist KI gar nicht oder nur in der Theorie ein Thema. Aktive Anwendungen sind bislang kaum verbreitet.
Bedeutung nimmt weiter zu
Mehr als die Hälfte der Befragten erwarten, dass das IKS in den nächsten fünf Jahren weiter an Bedeutung gewinnen wird. Treiber sind steigende regulatorische Anforderungen, komplexere Geschäftsmodelle und höhere Erwartungen an Transparenz.
Schweizer Unternehmen verfügen also über eine solide IKS-Basis. Der nächste Schritt liegt in der konsequenten Weiterentwicklung. Weg von der isolierten Kontrolle, hin zu einem integrierten Führungsinstrument. (BDO/mc/hfu)
| Über die Studie Die Studie «IKS-Landschaft Schweiz» wurde von BDO Schweiz in Zusammenarbeit mit swissaxis durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgte im vierten Quartal 2025. Befragt wurden 260 Führungskräfte aus Geschäftsleitung, Finanzen, Risk, Audit und Compliance aus Unternehmen unterschiedlicher Grösse und Branchen. |
