BKW trifft Massnahmen in Mühleberg

Kurt Rohrbach

VSE-Präsident Kurt Rohrbach.

BKW-CEO Kurt Rohrbach.

Bern – Nach der Katastrophe in Fukushima plant der bernische Stromkonzern BKW zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen im AKW Mühleberg. Ein rascher Ausstieg aus der Atomenergie kommt für die BKW weiterhin nicht in Frage, wie sie am Donnerstag vor den Medien deutlich machte.

Man sei zwar bereit, die Konzernstrategie grundlegend zu prüfen, sagte Verwaltungsratspräsident Urs Gasche. Ein überstürzter Ausstieg sei aber fehl am Platz, zumal die BKW alles für ein sicheres AKW Mühleberg unternehme. «Wenn die Sicherheit nicht mehr gewährleistet ist, wird Mühleberg abgeschaltet», beteuerte Gasche. «Und zwar sofort – ohne Rücksicht auf ökonomische und energiewirtschaftliche Aspekte.»

Bericht an ENSI
Die BKW musste wie die anderen AKW-Betreiber bis Donnerstag einen Bericht an die Atom-Aufsichtsbehörde des Bundes (ENSI) abliefern. Darin sollten mögliche Probleme im Fall von Erdbeben und Hochwasser thematisiert werden. Was genau im Mühleberg-Bericht steht, wollte die BKW an der Medienorientierung nicht verraten. Zunächst sei es am ENSI, den Rapport zu beurteilen, sagte BKW-Direktionspräsident Kurt Rohrbach zur Begründung.

«Erste Massnahmen» abgeleitet
Aus den Erkenntnissen von Fukushima habe man aber bereits «erste Massnahmen» abgeleitet, teilte die BKW mit. Zum einen gehe es um eine zusätzliche Möglichkeit, die Lagerbecken der Brennelemente zu kühlen, ohne das Gebäude zu betreten, sagte Rohrbach auf Nachfrage. Zum anderen werde die Dezentralisierung der Einsatzmittel geprüft. Zu den Kosten dieser zusätzlichen Vorkehrungen wollte die BKW keine Angaben machen. Generell sei noch offen, was allfällige Nachrüstungen kosten könnten, sagte Rohrbach. Dass der Konzern dabei eine Schmerzgrenze habe, verstehe sich von selbst.

Grundsätzlich nicht gegen Atom-Ausstieg
Rohrbach wies erneut Angaben der Atomgegner zurück, wonach die Risse im Kernmantel ein Sicherheitsrisiko darstellten. Auch in Fukushima seien an zwei Schweissnähten ähnliche Anrisse festgestellt worden. Trotzdem habe man beide Reaktoren beim Erdbeben problemlos abschalten können. Rohrbach und Verwaltungsratspräsident Gasche gaben zu verstehen, dass sich die BKW einem Atom-Ausstieg nicht grundsätzlich verschliesst. Doch zunächst sei eine «breite gesellschaftliche Diskussion» notwendig.

«Bedeutende Auswirkungen» sofortiger Stilllegung
Würde Mühleberg sofort abgestellt, hätte dies «bedeutende Auswirkungen» auf die Umwelt, mahnte Rohrbach: Als Ersatz müsste man einen durchschnittlichen EU-Strommix beziehen, der zur grossen Mehrheit aus fossil produziertem Strom bestehe. Damit nähme man einen höheren CO2-Ausstoss in Kauf. Ausserdem würden die Strompreise steigen. Verwaltungsratspräsident Gasche sagte, die BKW habe die von der bernischen Regierung verlangte Strategie-Überprüfung bereits eingeleitet. Er gehe davon davon aus, dass die BKW etwa Mitte 2012 «gefestigte strategische Vorstellungen» haben werde.

Kernenergie nicht so einfach zu ersetzen
Klar sei, dass die 60 Prozent Kernenergie im BKW-Strommix nicht so einfach ersetzt werden könnten – vor allem, wenn man weiterhin vor allem auf inländische Produktion setzen wolle. Das Potenzial der Wasserkraft müsse nochmals überprüft werden. Abzuklären sei auch, ob man wenigstens vorübergehend auf Gaskraftwerke setzen wolle – trotz der damit verbundenen CO2-Emissionen. Daneben gebe es sicher auch Potenzial bei den erneuerbaren Energien, räumte Gasche ein. Allerdings hätten die Gegner mancher Projekte die Zeichen der Zeit noch nicht erkannt und machten der BKW das Leben weiterhin schwer. (awp/mc/upd/ss)

id=5]

Exit mobile version