Clariant: Deutlicher Gewinnrückgang im Quartal

Hariolf Kottmann

Clariant-CEO Hariolf Kottmann.

Muttenz – Der Chemiekonzern Clariant hat im ersten Quartal 2012 bei einem akquisitionsbedingt höheren Umsatz einen deutlichen Gewinneinbruch erlitten. Die hohe Vergleichsbasis aus dem Vorjahr, konjunktureller Gegenwind in den zyklischen Bereichen, sowie höhere Abschreibungen ergaben die ungünstigen Ergebniszutaten.

Das Unternehmen weist bei einem um 13% höheren Umsatz von 1,95 Mrd CHF einen Reingewinn von 20 Mio aus. Im Vorjahr hatte der Überschuss noch 120 Mio betragen. Nach Minderheiten erwirtschaftete Clariant von Januar bis März einen Gewinn von 16 Mio. In lokalen Währungen resultierte ein Umsatzplus von 18%, vor allem aufgrund der im letzten Frühjahr akquirierten Süd-Chemie, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. Auf vergleichbarer Basis sei der Umsatz in Lokalwährungen um 2% gesunken.

Volumenanstieg ohne Akquisitionen rückläufig
Wie Clariant weiter mitteilt, ergab sich in der Berichtspeiode ein Volumenanstieg von 14%; ohne Akquisitionen wären die Volumen 6% geringer ausgefallen. Die Verkaufspreise konnte Clariant um 4% anheben, dies bei 2% höheren Rohstoffkosten. Vor Einmaleffekten sank der EBITDA um 15% auf 236 Mio und der EBIT um 30% auf 160 Mio CHF. Die EBITDA-Marge vor Sondereffekten lag bei 12,1% und somit unter dem Wert des Vorjahresquartals (16,1%). Mit den vorgelegten Zahlen wurden die Analysten-Prognosen (AWP-Konsens) bis auf den Gewinn ungefähr getroffen.

Wie erwartet schwacher Jahresstart
«Wir haben im Februar einen schwachen Start des Jahres in Aussicht gestellt, so ist es nun auch eingetreten», sagte Finanzchef Patrick Jany an einer Telefonkonferenz. Ihn stimme indes zuversichtlich, dass die zyklischen Geschäftsbereiche zum Quartalsende hin eine Verbesserung der Geschäftsbedingungen erfahren hätten. Diese tragen rund je rund 30% zum Konzernumsatz und zum EBITDA der Gruppe bei. Die nicht-zyklischen Bereiche wiederum hätten eine «anhaltend robuste» Nachfrage verzeichnet.

Als Gründe für die rückläufige Profitabilität nannte Jany unter anderem die geringere Bruttomarge, höhere Vertriebs- und Verwaltungskosten und die hohe Vergleichsbasis vor einem Jahr. Zudem habe der höhere Abschreibungsaufwand für die ehemaligen Geschäftseinheiten von Süd-Chemie belastet. So seien an Restrukturierungen und Abschreibungen insgesamt 41 Mio CHF angefallen. Dies war mehr als Analysten erwartet hatten.

Restrukturierung verläuft nach Plan
«Die Gesamtkosten werden sich in diesem Jahr nicht erhöhen. Wir haben lediglich einige Restrukturierungsschritte schnell durchziehen können, liegen als vor dem Plan», erklärte CFO Jany im Gespräch mit AWP. Die Restrukturierungskosten würden sich in diesem Jahr wie versprochen auf 120 bis 130 Mio belaufen. Das Restrukturierungprojekt GANO – es umfasst die Überprüfung und Verlagerung von Produktionsstandorten – verläuft nach den Worten Janys wie gewünscht. «Wir sind auf Kurs die 100 Mio CHF an Einsparungen zu holen», so der CFO.

Verschuldungsgrad mit 59% «ganz in Ordnung»
Die Nettoverschuldung von Clariant blieb zum Quartalsende mit 1,75 Mrd CHF praktisch unverändert, der Verschuldungsgrad betrug 59%. Das sei «ganz in Ordnung», meinte Jany. Der in diesem Lichte eher tiefer operative Free Cash Flow von 6 Mio CHF im ersten Quartal beunruhigt den Finanzchef nicht. «Die ersten beiden Quartale sind in der Regel immer eher cash-schwach, bedingt durch den Lageraufbau», erklärte er.

Ausblick bestätigt
Clariant bekräftigt den zuletzt im Februar gegebenen Ausblick. Demnach rechnet das Unternehmen mit einem weiteren Umsatzanstieg in Lokalwährungen und einer gehaltenen Profitabilität. Die Ergebnisse im ersten Semester 2012 dürften wegen der hohen Vergleichsbasis im ersten Halbjahr 2011 tiefer ausfallen als im Vorjahr. In der zweiten Jahreshälfte dürfte sich dann eine Besserung einstellen. Es werde ferner erwartet, dass die Rohstoffkosten im mittleren einstelligen Bereich steigen, während die Wechselkurse im Vergleich zum Jahresanfang stabil bleiben. (awp/mc/upd/ps)

 

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