Zürich – Im Streit um die Kontrolle bei DocMorris verschärfen beide Seiten ihre Positionen. Während der Verwaltungsrat in der GV-Einladung seine Warnung vor einer «kalten Übernahme» erneuert, weist Grossaktionär CEPD gegenüber der Nachrichtenagentur AWP entsprechende Vorwürfe erneut zurück und untermauert die sofortige Rücktrittsforderung an VR-Präsident Walter Oberhänsli.
Der Grossaktionär, der 15 Prozent an DocMorris hält, wehrte sich bereits in einem Communiqué vom Donnerstagabend: Man plane keine Übernahme «durch die Hintertür». Die Darstellungen seien «sachlich falsch, absichtlich irreführend» und sollten von fünf Jahren Governance-Versagen ablenken, in denen 98 Prozent des Aktienwerts vernichtet worden seien.
Verwaltungsrat wirft CEPD mangelnde Transparenz vor
Der Verwaltungsrat warf in der Einladung zur Generalversammlung CEPD seinerseits mangelnde Transparenz vor: Trotz mehrfacher Aufforderung habe CEPD keine konkreten Angaben zu strategischen Absichten oder möglichen Verpflichtungen gegenüber Finanzierungspartnern gemacht.
Zugleich legte der VR dar, wie CEPD DocMorris übernehmen wolle: Neben der Wahl eigener Kandidaten in den Verwaltungsrat – CEPD hatte drei Kandidaten vorgeschlagen – habe der Investor Anträge gestellt, um bereits gewählte Mitglieder wieder abzuwählen und durch eigene Vertreter zu ersetzen. So würde schrittweise die Mehrheit im Gremium gesichert. CEPD wies dies gegenüber AWP zurück: Man habe den angebotenen Sitz im Verwaltungsrat abgelehnt, weil dieser mit Einschränkungen der Aktionärsrechte verbunden gewesen sei. Das Angebot sei unter anderem an eine Stillhaltevereinbarung geknüpft gewesen und habe Vorgaben zur Kandidatenauswahl enthalten. Zudem sei die zentrale Forderung nach dem Rücktritt von VRP Oberhänsli nicht erfüllt worden.
Es gehe nicht um eine Vertretung entsprechend dem Anteil am Unternehmen, sondern um einen Verwaltungsrat, «dem die Aktionäre vertrauen können». Man habe dafür einen Auswahlprozess mit Fokus auf für den Turnaround notwendige Fähigkeiten durchgeführt. Die Governance solle verbessert und die Strategie konsequenter umgesetzt werden – nicht aber die Kontrolle über DocMorris übernommen werden.
Eine glaubwürdige Erneuerung sei unter VRP Oberhänsli aber nicht möglich, so CEPD gegenüber AWP weiter. Nach dessen langjähriger Tätigkeit als CEO und Verwaltungsratspräsident bestehe ein «struktureller Interessenkonflikt». Der Rücktritt Oberhänslis sei daher eine zentrale Voraussetzung für die angestrebten Veränderungen.
Sterling für Kontinuität – vorerst
Im Aktionärsstreit hatte sich jüngst auch Investor Sterling positioniert. Der mit 3,2 Prozent beteiligte Aktionär sprach sich im Gespräch mit AWP gegen den von CEPD geforderten Radikalumbau aus und gegen die sofortige Abwahl Oberhänslis. Sterling-VRP Giulia Nobili betonte die Bedeutung von Kontinuität im Präsidium. Der Turnaround solle nicht gefährdet werden – es gelte, eine «Revolution» zu vermeiden. Weiter gestand Nobili CEPD einen Sitz im Verwaltungsrat zu – drei Sitze hielt sie aber für übertrieben.
Aber auch Nobili hält einen Wechsel an der VR-Spitze für angezeigt – aber «strukturiert» und erst ab 2027. Die mit Spannung erwartete Generalversammlung findet am 12. Mai statt. (awp/mc/pg)
