Ex-Hausärzte-Präsident kritisiert Spezialärzte im Tarifstreit

Philippe Luchsinger, früherer Hausärzte-Präsident. (Bild: X/@PhLuchsinger/mc)

Bern – Der frühere Hausärzte-Präsident Philippe Luchsinger hat Spezialärzten das Festhalten an einem fehlerhaften Arzttarif aus finanziellen Interessen vorgeworfen. Gegenüber den «Tamedia»-Zeitungen kritisierte er veraltete Vorgaben für technische Untersuchungen.

Bei solchen Leistungen werde nicht die tatsächlich benötigte Zeit verrechnet, sondern eine im Tarif hinterlegte durchschnittliche Dauer, sagte Luchsinger in dem am Montag publizierten Interview. Diese sogenannten Minutagen stammten teilweise aus den 1990er-Jahren und seien nie überprüft worden. Dadurch könnten Fachspezialisten mehr abrechnen, als gerechtfertigt wäre.

Als Beispiel nannte Luchsinger eine Ultraschalluntersuchung des Herzens, für die 55 Minuten hinterlegt seien. Gemäss der US-Gesellschaft für Echokardiografie dürfe eine komplexe Untersuchung 45 Minuten dauern und eine Routineuntersuchung 30 Minuten.

«Solidarität macht beim Portemonnaie Halt»
Luchsinger verwies zudem auf die Entwicklung der Gesundheitskosten. Das Abrechnungsvolumen der Spezialärzte sei seit 2010 von 3,7 auf über 7 Milliarden Franken gestiegen. Jenes der Grundversorgung sei dagegen bei jährlich 3,5 Milliarden Franken stabil geblieben. Eine Korrektur des Tarifs sei bislang ausgeblieben. «Weil die Solidarität auch in der Ärzteschaft beim Portemonnaie haltmacht», sagte Luchsinger.

Der vom Parlament beschlossene Vergütungsdeckel, der nächstes Jahr in Kraft treten soll, könne für gewisse Spezialärzte einschneidend sein. Haus- und Kinderärzte seien dagegen kaum betroffen. «Es ist enorm wichtig, die Tarife endlich der Realität anzupassen, wie wir das schon lange fordern», sagte Luchsinger. Die Tarifpartner seien nun gefordert, rasch Lösungen zu finden. (awp/mc/ps)

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