Von Helmuth Fuchs
Eine von allen Betroffenen und Beteiligten als Mann «gelesene» Person (Penis im Stringtanga, Körperbehaarung) möchte sich, gegen den Protest einiger der anwesenden Frauen, Zutritt zum speziell für Frauen reservierten FKK-Bereich im Freibad Marzili in Bern verschaffen. Personal, professionelle Schlichter im Dienst der Stadt und herbeigrufene Polizistinnen und Polizisten können die Situation nicht entschärfen, die trans Frau will den Ausweis, in dem ihr Geschlecht dokumentiert ist, nicht vorzeigen und wird abgeführt. Dabei wird eine Polizistin durch eine bislang unbekannte Person tätlich angegriffen und leicht verletzt. Ursina Anderegg (Grünes Bündnis) entschuldigte sich danach im Namen des Gemeinderats und der Direktion für Bildung, Soziales und Sport. Nicht bei den bedrängten Frauen oder der Polizistin, sondern bei der trans Frau.
Das Beharren auf den Zutritt zum FKK Bereich und die am selben Abend stattfindende «spontane» und unbewilligte Demonstration führen zum Kern des Problems. Was hat Vorrang: Der Schutz eines Rückzugsraumes von biologischen Frauen oder das Recht von biologischen Männern, die sich als (trans) Frauen definieren?
Die Reaktion der Berner Behörde dürfte die Frauen im Marzili eher verstört zurücklassen. Im Interview mit dem Bund verortet die Gemeinderätin Ursina Anderegg den Fehler beim Personal des Freibades («Ein Fehlentscheid unseres Badipersonals.»), welches offenbar die Bestimmungen nicht klar genug kannte. Dabei sei nicht entscheidend, was in einem Ausweis stehe oder wie die Person aussehe, sondern allein, wie diese selbst ihr Geschlecht definiere.
«In Bezug auf die Schutzräume der Stadt Bern gilt die Selbstdeklaration. Das ist ein Menschenrecht. Jede Person hat das Recht, für sich die Geschlechtsidentität festzulegen. Darum gilt für uns, dass als Frau gilt, wer sich als Frau fühlt – unabhängig vom amtlichen Eintrag.» Ursina Anderegg, Gemeinderätin Bern
Das heisst, jeder biologische und im Ausweis als solcher identifizierte Mann, kann, sofern er sich selbst als Frau fühlt, die geschützten FKK-Räume von Frauen im Marzili auch gegen deren Widerspruch betreten. So weit geht nicht einmal die Frauenbadi in Zürich. Hier werden nur jene trans Personen zugelassen, die vom Personal als Frauen gelesen werden können. Wer einen Penis und männliche Behaarung hat, bleibt draussen.
In Bern wird das Recht des einzelnen Mannes höher gewichtet als dasjenige der Mehrheit der Frauen. Abgesehen davon, dass es im geltenden internationalen Menschenrecht kein ausdrücklich anerkanntes „Menschenrecht auf frei wählbare rechtliche Geschlechtsdefinition“ im Sinne eines universellen Anspruchs gibt, stellt Frau Anderegg offenbar das Recht eines Einzelnen über das Recht aller anderen. Auch Alice Schwarzer hat in dieser Frage schon früher Position bezogen. Sie setzte sich für trans Rechte ein, betont aber, dass diese nicht zulasten der Rechte von biologischen Frauen geschehen dürfe.
Eine spezielle Umdeutung von Rechten und Pflichten nimmt SRG via Swissinfo vor. Nicht die Rücksichtsnahme der von der Umwelt als Mann wahrgenommenen Person, die in einen intimen Bereich von Frauen eindringt ist das Problem, sondern dass die Schweiz noch keinen Umgang mit der queeren Community gefunden habe.
Man könnte es auch so sehen, dass offenbar die Mehrheit der Schweizer den Schutz der Frauen in speziell für sie definierten Räumen ernst nimmt, visuell biologische Tatsachen anerkennt und den ideologischen Queer-Verirrungen mit der nötigen Skepsis begegnet. Die Toleranz der Allgemeinheit wurde in diesem Fall von einem penistragenden Menschen, der von allen Anwesenden und Betroffenen als Mann «gelesen» wurde, überstrapaziert.
Chris Brönnimann, die wohl bekannteste Schweizer trans Person, beschreibt seine Sicht und wie er gehandelt hätte:
«Während meiner Transition wäre es mir aus Respekt vor Frauen nie im Traum eingefallen, eine Frauenbadi zu betreten. In dieser Situation hätte ich mich entschuldigt und wäre freiwillig gegangen, um die Eskalation im Keim zu ersticken. Solange ein Penis vorhanden und der Körper als Mann lesbar ist, gehört man nicht in diesen Intimbereich. Das war für mich keine Rechtsfrage, sondern eine Frage des Anstands und Respekts vor der biologischen Realität.» Chris Brönnimann
Die Reaktionen in den Kommentaren der Zeitungen und auf Sozialen Medien fielen ziemlich klar aus. Die Stadt Bern schloss nach über 350 praktisch einheitlich negativen Kommentaren zu ihrer Entschuldigung die Kommentarfunktion. Dies bei über 250’000 Views und mageren 90 Likes.
Der Vorfall im Marzili zeigt, wie die aggressivste Minderheit der Queer-Bewegung versucht, die Diskussion darum, was in einer Gesellschaft Norm und zu akzeptieren sei, auszudehnen, sehr oft auf Kosten der Frauenrechte (die trans Person hätte im Marzili ganz einfach im allgemeinen, für alle zugänglichen Bereich bleiben können, ohne in den FKK-Bereich für Frauen einzudringen), fast immer zuungunsten von Schwulen, Lesben und Bisexuellen, welche sich vermehrt in Geiselhaft der LGBTQIA+ Community genommen sehen. Die durch LGB erkämpfte Akzeptanz und Gleichstellung wird durch die extreme, aggressive und intolerante Haltung von trans Personen, wie derjenigen, die den Vorfall im Marzili provoziert hat, als Plattform missbraucht für Anliegen, mit denen sich viele LGB-Personen nicht identifizieren.
Die Bevölkerung hat 2020 der Erweiterung der Anti‑Rassismus-Strafnorm auf sexuelle Orientierung zugestimmt, 2021 die «Ehe für alle» angenommen, und seit 2022 gibt es eine vereinfachte Änderung von Geschlecht und Vornamen im Personenstandsregister. Toleranz und Akzeptanz sind jedoch keine Einbahnstrasse, auf welcher Frauenrechte plattgewalzt werden können. Nicht solange es genügend Menschen gibt, die ihren Augen und ihrem Verstand mehr trauen als queeren Ideologien.
