Geplante Austragungsorte für Schweizer Winterspiele 2038 bekannt

Ruth Metzler

Ruth Metzler-Arnold, Präsidentin von Swiss Olympic. (Foto: Swiss Olympic)

Bern – 2038 sollen erstmals seit 90 Jahren wieder Olympische Winterspiele in der Schweiz stattfinden. Auf dem nicht nur zeitlich langen Weg dahin sind nun die vom Verein Switzerland 2038 vorgesehenen Austragungsorte bekannt. Das Projekt, das auch die Paralympischen Spiele beinhaltet, sieht Wettkämpfe in allen Landesteilen und Sprachregionen der Schweiz vor.

Zehn direkt involvierte Kantone und 14 Gemeinden stünden geschlossen hinter dem Projekt, das sich nach Möglichkeit auf «bestehende, erstklassige Sportstätten» abstütze, hiess es am Montag in Bern anlässlich der Medienkonferenz des Vereins Switzerland 2038. Dieser wurde im November 2023 von den nationalen Wintersportverbänden, von Swiss Olympic und Swiss Paralympic gegründet.

Von Genf über St. Moritz bis Lugano
Konkret werden im Olympia-Projekt als Austragungsorte der rund 120 Wettkämpfe in mehr als einem Dutzend Sportarten Genf, Lausanne, Crans-Montana VS, Engelberg OW, Zürich, Zug, Lugano, Lenzerheide GR und St. Moritz GR genannt. Als Ort für die Eröffnungsfeier ist gemäss aktuellem Planungsstand Lausanne angedacht, für die Schlussfeier Bern.

Für die Paralympics, die traditionsgemäss wenige Wochen nach Ende der Olympischen Spiele stattfinden, sollen Genf, Lausanne, Lenzerheide und St. Moritz zum Zuge kommen. Bern ist Austragungsort der Eröffnungs- und auch der Schlussfeier. Änderungen seien aufgrund des langen Zeithorizonts bis 2038 jedoch möglich, wie es vonseiten des Vereins Switzerland 2038 hiess.

Ruth Metzler-Arnold, Präsidentin von Swiss Olympic, sprach von der «nachhaltigen Wirkung», die ein solcher Anlass auf den Sport entfaltet: «Nichts hat eine vergleichbare Kraft wie der Fixstern einer grossen Sportveranstaltung, die einer ganzen Generation von Athletinnen und Athleten als Leuchtturm dient und die Menschen im ganzen Land – über den Sport hinaus – inspiriert.»

Keine öffentliche Defizitgarantie
Der Knackpunkt einer Kandidatur für Olympische Spiele ist jeweils die Finanzierung. Für die Schweizer Kandidatur lautet der Grundsatz: Die Spiele werden privat finanziert, unterstützt von der öffentlichen Hand. Gemäss Verein Switzerland 2038 beläuft sich das Gesamtbudget über die nächsten zehn Jahre von der Vergabe bis zu den Winterspielen auf 2,2 Milliarden Franken.

Vorgesehen sei, so die Initianten, dass davon 82 Prozent von Privaten finanziert werden soll und 18 Prozent von der öffentlichen Hand. Defizitgarantien der öffentlichen Hand sind ausdrücklich nicht Teil des Konzepts. Eine vom IOC geforderte Defizitgarantie von 200 Millionen Franken soll von privater Hand getragen werden.

2026 zentral in der politischen Weichenstellung
Die Schweizer Kandidatur befindet sich in einem privilegierten Dialog mit dem Internationalen Olympischen Komitee. Dies bedeutet, dass die Schweiz mit einer möglichst ausgefeilten und überzeugenden Bewerbung bis Ende 2027 beim IOC Exklusivität geniesst. «Dieser privilegierte Dialog ist für uns eine Jahrhundertchance, um von der Schweiz über sehr lange Zeit ein positives Bild in die Welt zu tragen», sagt Michael Hartweg, Vorstandsmitglied und Wirtschaftsvertreter des Vereins Switzerland 2038.

Der Verein Switzerland 2038 hat sein Dossier im Dezember 2025 beim Bund eingereicht. Bis Ende dieses Jahres muss auf Bundesebene die politische Weichenstellung von der Vernehmlassung über den Grundsatz- und Planungsbeschluss bis zur parlamentarischen Diskussion erfolgen. Ein sehr ambitionierter Zeitplan für den oftmals langwierigen politischen Prozess. «Wir müssen uns sputen», sagte Co-Präsidentin Ruth Wipfli Steinegger von Switzerland 2038. Denn das IOC plant, im zweiten Quartal 2027 an seinem Kongress über die Vergabe der Winterspiele 2038 zu entscheiden.

Keine Stadt, sondern ein ganzes Land
Erhielte die Schweiz, die bislang zweimal Winterspiele in St. Moritz austrug (1928 und 1948), mit ihrem dezentralen Ansatz den Zuschlag des IOC, so würde zum ersten Mal keine Stadt oder Region, sondern ein ganzes Land die zwei Grossanlässe durchführen.

«Das IOC hat die Regeln geöffnet. Und wir wollen diese Chance nutzen, damit die Schweiz zum ersten ‚Host Country‘ in der Geschichte der Olympischen und Paralympischen Spiele wird», sagte Frédéric Favre. Der ehemalige Walliser Staatsrat ist CEO des Vereins Olympische und Paralympische Winterspiele 2038.

Sehr dezentral sind allerdings auch schon die kommenden Winterspiele, die im Februar in Mailand, Cortina d’Ampezzo und vier weiteren Orten in Norditalien ausgetragen werden. Gleiches gilt für die Winterspiele in vier Jahren in mehreren Regionen Frankreichs. (awp/mc/pg)

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